Verstorbene Persönlichkeiten 2023: Diese Stuttgarter werden wir schmerzlich vermissen


Tore Aleksandersen wurde nur 55 Jahre alt. Der Volleyballtrainer coachte die Bundesliga-Frauen des Allianz MTV Stuttgart und führte sie zum Titel. Einen anderen Kampf verlor er leider: den gegen den Krebs. Alexanderson erlag seinem Leiden im Dezember.
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Im November trauerte besonders die Wirtschaftswelt um Heinz Dürr. Der Unternehmer, unter anderem Mitglied des Daimler-Vorstands und Bahnchef gewesen, wurde 90 Jahre alt. Seine unternehmerische Maxime: „Ein Unternehmen ist eine gesellschaftliche Veranstaltung.“ Dürr galt als Geburtshelfer des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21.
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Die Ex-Justizministerin Corinna Werwigk-Hertneck (FDP, Archivbild) starb im September in den Armen ihres Mannes. Sie wurde 70 Jahre alt. Ihre politische Laufbahn wurde 2004 von staatsanwaltlichen Ermittlungen überschattet: Sie wurde wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Werwigk-Hertneck war die erste Frau an der Spitze des Justizministeriums in Baden-Württemberg überhaupt.
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Sie kämpfte für bessere Bedingungen von Arbeitnehmern: Sybille Stamm, die erste Landesbezirksleiterin bei Verdi, starb im Dezember 2023 im Alter von 78 Jahren. Sie galt als Einmischerin in der Politik. 2007 gab sie ihre Mitgliedschaft in der SPD auf und wechselte in die Linkspartei.
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Helga Ulmer (links) ist im Dezember gestorben. Die SPD-Politikerin wurde 84 Jahre alt. Sie prägte die Stuttgarter Kommunalpolitik als Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten. Zu ihrer Zeit war die SPD im Gemeinderat noch deutlich stärker vertreten – mit über doppelt so vielen Sitzen wie heute. Ihr wurde ein guter Draht zum damaligen OB Manfred Rommel (CDU) nachgesagt.
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Der erste berühmte Stuttgarter in dieser Liste, der 2023 verstarb, ist Dieter Blessing (links). Der Todestag des früheren SPD-Wirtschaftsbürgermeisters in Stuttgart fällt auf Neujahr. Blessing war auch Beigeordneter des Krankenhauswesens, einer seiner Arbeitsschwerpunkte war die Schaffung von Wohnraum. Er wurde 84 Jahre alt.
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Auch aus dem Sport gab es aus Stuttgarter Sicht 2023 einige Trauermeldungen zu verkünden. Im November starb Rolf Geiger (links) – der allererste Bundesliga-Torschütze des VfB Stuttgart, im Alter von 89 Jahren. Der Premierentreffer fiel am 31. August 1963. Geiger blieb dem VfB auch nach seiner aktiven Karriere als langjähriges Ehrenmitglied verbunden.
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Lothar Buchmanns Station bei den Schwaben war zwar nur kurz, aber dafür sehr erfolgreich. Der Fußballtrainer führte den VfB Stuttgart in der Saison 1979/1980 auf den dritten Tabellenplatz der Bundesliga. Buchmann, bekannt dafür, von seinen Mannschaften ein hohes Maß an Disziplin einzufordern, starb im November 2023 im Alter von 87 Jahren.
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2023 musste der VfB den Tod eines weiteren Ex-Trainers betrauern: Rainer Ulrich, 2019 Co-Trainer der Schwaben, starb im Januar mit 73 Jahren. Ulrich war selbst Bundesliga-Profi, wird besonders mit dem Karlsruher SC verbunden, mit dem er als Spieler den 10. Platz in der Bundesliga erreichte und als Trainer in der 2. Liga Platz 5. Beim VfB arbeitete er unter Tim Walter.
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Als Spieler hat Bo Larsson den VfB Stuttgart geprägt, im Dezember ist er im Alter von 79 Jahren gestorben. Bei den Schwaben spielte der Offensivmann zwischen 1966 und 1969. In Erinnerung wird der erste Bundesliga-Dreierpack für den VfB überhaupt bleiben. Als schwedischer Nationalspieler nahm Larsson 1970, 1974 und 1978 an der Fußball-WM teil.
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800 Trauergäste versammelten sich im März in Scharnhausen, um den renommierten Handballtrainer Rolf Brack zu verabschieden. Er schied im März im Alter von 69 Jahren nach einer Operation unerwartet aus dem Leben. Seine ersten sportlichen Trainererfolge feierte er beim SG Stuttgart-Scharnhausen, später trainierte Brack den Bundesligisten Frisch Auf Göppingen und viele andere Teams. Nach seinem Tod wurde in seinem Heimatort Ostfildern eine Straße nach ihm benannt.
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Claus Wöllhaf – dieser Name wird mit dem Stuttgarter Flughafen in Verbindung bleiben. Der Unternehmer, der dort bis 2021 für die Flughafengastronomie und Shops verantwortlich war, wagte dort mit dem Top Air, einem Sternerestaurant in einem Flughafen, 1992 Visionäres. Wöllhaf starb im November nach langer Krankheit im Alter von 76 Jahren. Seine Beerdigung fand in engstem Kreis in Untertürkheim statt.
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Günter Lemme, der Wirt des Waldhauses vom Hasenberg, wurde 89 Jahre alt. Nicht nur als Gastronom machte er sich in Stuttgart einen Namen, sondern auch als Poet und Maler. Generationen von Stuttgartern kehrten in seinem Lokal ein, auch wegen der umwerfenden Aussicht. Bekannt wie ein bunter Hund in der Stadt, kämpfte Lemme zuletzt um die Wiedereröffnung des Waldhauses, dessen Zukunft in den Wirrungen von Bauanträgen ungewiss schien. Das Ergebnis wird der im September Verstorbene leider nicht mehr erleben.
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Ein Stuttgarter Original war auch Gert Ehret. Der langjährige Wirt des Lehens im Lehenviertel starb im April mit 71 Jahren. Weggefährten beschreiben Ehret als Alt-68er – immerhin hing in der Kneipentoilette Karl Marx. 36 Jahre lang stand er am Zapfhahn.
Heike Armbruster
Einer der bekanntesten Türsteher im Stuttgarter Nachtleben war zweifellos Michael „Buddy“ Kistner (links). Dabei bestach Kistner an der Pforte zur Stuttgarter Diskothek Boa weniger durch massiven Körperbau als mehr durch Charisma. Er prägte die Ära der Boa von den 70ern bis in die 90er – Legenden nach soll er den heutigen Stuttgarter OB Frank Nopper damals an der Tür abgewiesen haben.
Norbert Neon
Er war das Gesicht des Stuttgart-21-Protests, am Schwarzen Donnerstag 2010, einem der dunkelsten Tage der jüngeren Stuttgarter Geschichte, verlor der Aktivist nach Wasserwerferbeschuss fast vollständig sein Augenlicht. Dietrich Wagner ist im Juni infolge einer Lungenentzündung gestorben. Auch wenn er aus gesundheitlichen Gründen in den vergangenen Jahren öffentlich weniger in Erscheinung trat, blieb Wagner der Protestbewegung doch bis zuletzt verbunden.
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Der Stuttgarter Aktivist Joachim Stein wurde nur 63 Jahre alt. Er zählt zu den Gründern des Stuttgarter CSD, des Zentrums Weissenburg und des Freien Radios. Der große Traum des Aktivisten für die queere Szene war zuletzt ein Regenbogenhaus für Stuttgart. Stein, der im Februar im Krankenhaus nach einem Noteinsatz starb, wird das leider nicht mehr erleben.
Wilhelm Betz
Der Fotograf Roland Hägele fehlte auf keiner Demo gegen Stuttgart 21, mit seiner Krebserkrankung ging er zuletzt sehr offensiv um und teilte den Verlauf von Chemotherapien in sozialen Netzwerken. Seine Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckte er nach eigenen Angaben mit zwölf Jahren. Hägele verlor den Kampf gegen den Krebs im Oktober.
Andy Werner
Ursula Cantieni war jahrzehntelang das prägende Gesicht des SWR. 30 Jahre lang verkörperte die Schauspielerin Johanna Faller in „Die Fallers“. Nur kurz nach ihrem Serienabschied verstarb sie im August mit 75 Jahren. Bevor sie im Fernsehen berühmt wurde, spielte sie an der Landesbühne Esslingen Theater. Cantieni ist gebürtige Schweizerin – ihr Schweizerdeutsch soll ihr geholfen haben, den Schwarzwälder Dialekt für etwa 1200 „Die Fallers“-Folgen anzunehmen.
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Der Germanist Heinz Schlaffer galt als Koryphäe auf seinem Gebiet – im Oktober starb er mit 84 Jahren. Er lehrte Literaturwissenschaften an der Uni Stuttgart und veröffentlichte zahlreiche als bedeutsam geltende Publikationen – etwa der „Der Bürger als Held“, das Werk erschien 1973. Vor allem seinem zugänglichen Stil ist zu verdanken, dass er auch über Fachkreise hinaus Publikum fand.
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Der bekannte, in Stuttgart geborene Kunstsammler Peter W. Klein ist im September gestorben. Klein wurde 76 Jahre alt, lebte zuletzt in Nussdorf, wo er bis 2007 Vorstandsvorsitzender und Inhaber der Rectus AG war. Doch sein Herz schlug nicht nur für das Unternehmertum, sondern auch für die Kunst. Seit 1980 sammelte er zunächst vor allem Fotografie und machte sich später auch als Kunstförderer einen Namen.
MKW/Jochen Detscher
Frank M. Orel galt als weltweit bedeutender Fotograf im Bereich Automobile. Er starb im Dezember 2023, wurde 75. Seine Kunden waren Porsche oder Ferrari, als Urschwabe schlug sein Herz stets für die schwäbische Landes- und Autohauptstadt Stuttgart. Sein Fotostudio befand sich im Stuttgarter Süden.
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Der berühmte Stuttgarter Architekt Arno Lederer hat sich im Kessel mit diversen Bauwerken unsterblich gemacht: Der Hospitalhof und die Neue Landesbibliothek sind nur zwei seiner Visionen, die verwirklicht wurden. Im Januar starb Lederer in seiner Geburtsstadt im Alter von 75 Jahren. Auch in anderen Städten hat er Spuren hinterlassen – wie am Volkstheater in München.
Gabriela Neeb
1973 kam die Amerikanerin Melinda Witham zum Stuttgarter Ballett – und blieb. John Cranko hatte sie damals als Tänzerin engagiert. Sie galt als herausragende Charakterdarstellerin. Am 13. Oktober starb Witham im Alter von 68 Jahren in Stuttgart.
Die Arge Lola/Bernd Weis
Der Stuttgarter Regisseur Theo Mezger galt als Vater der „„Raumpatrouille Orion“, der legendär-kultigen Science-Fiction-Serie der 60er, drehte „Tatort“-Streifen und prägte das Fernsehen des Süddeutschen Rundfunks vielfältig. Im Juli ist er mit 99 Jahren gestorben. Sein Leben war bewegt: Er geriet als junger Mann in russische Kriegsgefangenschaft, später studierte und schauspielerte er, bevor er seinen Platz hinter der Kamera fand.
SWR
Der Stuttgarter Literaturwissenschaftler Volker Klotz schrieb Bücher für die Ewigkeit. Die „Geschlossene und offene Form des Dramas“ ist zum Klassiker geworden. Klotz galt als Kulturmensch durch und durch – er wurde als begeisterter Theater-, Oper-, und Konzertbesucher beschrieben. Im Juni starb er im Alter von 92 Jahren.
privat/privat
Mit nur 49 Jahren verstarb die Stuttgarter Pädagogin und Choreografin Juliette Villemin völlig überraschend im Januar 2023 – ein Schock für die Stuttgarter Tanzszene. Ihr letztes Stück war „Intimacy“, das in den Wagenhallen gezeigt und viel diskutiert wurde. Die gebürtige Spanierin Villemin kam im Jahr 2002 nach Stuttgart und hinterließ nach ihrem Tod einen minderjährigen Sohn.
Daniela Wolf
Viele starben zu jung: Auch 2023 sind wieder Stuttgarter aus dem Leben geschieden, die der Stadt schmerzlich fehlen werden. Wir wollen an dieser Stelle an einige von ihnen erinnern, die sich in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport oder Stadtleben besonders verdient gemacht haben – ohne den Anspruch auf Vollständigkeit.
Spitzengastronomen und Wirtschaftsgrößen
Ob Wirtschaftsgrößen wie Heinz Dürr, der viel zu jung von uns gegangene Volleyballtrainer Tore Aleksandersen, Spitzengastronomen wie Claus Wöllhaf oder Dietrich Wagner, das Gesicht des Stuttgart-21-Protests und viele mehr. Stuttgart musste 2023 um viele Menschen trauern, die die Stadt auf ganz unterschiedliche, aber besondere Weise geprägt und bereichert haben.
Die Menschen, an die wir hier noch mal erinnern wollen, finden Sie in unserer Bildergalerie.