Volkshochschule in Bad Cannstatt
: Kochkurs in der vielleicht schönsten Küche Stuttgarts

Im neuen VHS-Standort im Bildungszentrum Neckarpark in Bad Cannstatt sind jetzt die ersten Kurse losgegangen. Wir haben uns in den brandneuen Räumen umgesehen.
Von
Theresa Schäfer
Stuttgart
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Ein Foodie-Traum in Softeis-Rosa: Das Kochstudio der neuen VHS-Zweigstelle im Neckarpark.

Lichtgut/Max Kovalenko

Eigentlich hätte man vom Kochstudio ganz oben einen fantastischen Ausblick. Der Turm der Cannstatter Liebfrauenkirche, die Grabkapelle auf dem Württemberg, der Fernsehturm – alles da, während man in der rosafarbenen Küche der neuen Zweigstelle der Volkshochschule im Bildungshaus Neckarpark (kurz und charmant: BiNe) thailändisches Curry, leichte Sommerküche aus dem Libanon und vegane Festtagsbraten kocht.

Doch ausgerechnet am Montag, dem ersten Tag, an dem Besucherinnen und Besucher der Volkshochschule (VHS) die modernen, hellen Räume mit Leben füllen, ist der Herbst in Stuttgart angekommen, schwere Regenwolken verdüstern den Himmel und machen den Fernsehturm unsichtbar.

Neben der VHS ist auch ein Kinder- und Familienzentrum, eine Grundschule und die Helene-Schoettle-Schule im BiNe untergebracht.

Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Das Konzept im Neckarpark: Ein Bildungshaus für alle in Bad Cannstatt

Aber drinnen freuen sich die Stuttgarter VHS-Direktorin Dagmar Mikasch-Köthner, Christine Nasz, Leiterin der Stabsstelle Bau & Sanierung bei der VHS, Anja Läpple, die sich um die VHS-Präsenz in den Stadtbezirken kümmert, Kerstin Niendorf, Leiterin des Schulverwaltungsamt, und Projektmanager Marco Tschöp natürlich trotzdem, dass es endlich losgehen kann mit dem Betrieb. Die Kinder des Kinder- und Familienzentrums, der Grundschule und der sonderpädagogischen Helene-Schoettle-Schule sind schon eingezogen, jetzt kommen auch die Erwachsenen.

Eine Anlaufstelle für lebenslanges Lernen soll das BiNe sein – neben der VHS ist auch ein Kinder- und Familienzentrum, eine Grundschule und die Helene-Schoettle-Schule in dem innovativen Holzhybridgebäude der Architekten Glück + Partner, dem ersten öffentlichen, das es in dieser Größe in der Stadt gibt, untergebracht. 93,6 Millionen Euro Budget waren für das gesamte Projekt auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Gelände veranschlagt.

VHS im neuen Bildungshaus Neckarpark

Die „Bildungsmagistrale“ im Innenhof verbindet den Gebäudeteil der VHS mit dem Schultrakt. Kontakt und Austausch ist erwünscht und wird durch die offene Architektur gefördert: „Das wäre doch schön, wenn Eltern, die ihre Kinder in die Kita bringen, auf unser VHS-Angebot neugierig werden“, findet Mikasch-Köthner. „Einzigartig in der Stadt“ sei diese Verbindung von Kita, Schule und Erwachsenenbildung. „Wir bilden die Vielfalt von lebenslangem Lernen ab“, sagt Kerstin Niendorf.

Sei der Treffpunkt Rotebühlplatz so etwas wie der große Bruder, so könnte die Cannstatter Zweigstelle „die kleine Schwester BiNe“ sein, sagt die VHS-Direktorin. Vom großen Bruder hat man sich abgeguckt, dass man auch in der Lenore-Volz-Straße „ein offenes Haus“ sein möchte. Deshalb ist das Gebäude auch für Besucherinnen und Besucher da, die keinen Kurs hier besuchen. Überall gibt es Sitzecken aus hellem Holz, die zum Lesen, Nachdenken, Plaudern einladen – „ein Wohnzimmer des Viertels“ stellt Mikasch-Köthner sich vor.

Die Ausstattung: Rosarotes Kochstudio und ein Tanzsaal für die VHS

Der Tag ist trüb, aber das Kochstudio im fünften, obersten Stockwerk wirkt dank seiner Küchenfronten in Softeis-Rosa dennoch freundlich. „Eine so schöne Küche habe ich noch in keiner VHS gesehen“, sagt Anja Läpple. 16 Menschen können hier schälen, schnippeln, sautieren. 40 Kochkurse stehen auf dem Programm, man kann lernen, wie man veganen Käse herstellt, Brot backt oder Sushi rollt. Anschließend darf man an einem großen Tisch – der an diesem Vormittag noch fehlt – mit Rundumblick auf gleich mehrere von Stuttgarts Wahrzeichen verspeisen, was man zubereitet hat.

Eine Dachterrasse, drei EDV-Räume, drei Bewegungs- und Entspannungsräume, ein Nähraum mit zwölf Arbeitsplätzen (und einer Umkleidekabine, sodass das Genähte auch gleich anprobiert werden kann), zwei Ateliers, große und kleine Seminarräume – in dem neuen VHS-Standort fehlt es nicht an Platz. Anders als im 1992 eröffneten Treffpunkt Rotebühlplatz, „dort sind die Räume teilweise schon sehr klein“, sagt die Architektin Christine Nasz.

Viel Platz ist auch im Tanzsaal mit einer Spiegelwand und Ballettstange, in dem bis zu 20 Personen Zumba oder Pilates, aber auch Selbstverteidigung, Scottish Countrydance oder Flamenco erlernen können. Sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei ins Schwitzen geraten, gibt es in den Umkleidekabinen auch Duschen.

Der Tanzsaal der Cannstatter VHS.

Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Angebot: Volles Programm (nicht nur) für Bad Cannstatt und die Neckarvororte

Mit der Cannstatter Zweigstelle verstärkt die VHS ihre Präsenz in den Stadtbezirken weiter. Im BiNe wird ein Vollprogramm angeboten – die Kurse decken die Themen Ernährung und Gesundheit, Bewegung, Gesellschaft, Sprachen, Kunst, Kultur, aber auch IT-Themen, berufliche Weiterbildung oder Studium generale ab.

Rund 500 Kurse werden dort im Herbst-/Winter-Semester angeboten. Die ersten Besucherinnen und Besucher, die am Montag unter anderem „Grundkurs Schauspiel“, „Sanftes Yoga“ oder „Wirbelsäule trainieren – Rücken stärken“ belegen, wünscht sich Dagmar Mikasch-Köthner, „tragen hoffentlich die Botschaft weiter, was für ein tolles Haus das ist“. Die Dozentinnen und Dozenten der VHS wurden bereits durch die Räumlichkeiten geführt – und waren „ganz begeistert“.

Das Programm: Viele Veranstaltungen der Volkshochschule zum Auftakt

Um das BiNe auch über die Grenzen Cannstatts bekannt zu machen, finden in diesem Herbst gleich mehrere Feste und Veranstaltungen dort statt.

Am 18. Oktober feiert das BiNe einen Tag der offenen Tür. Von 14 bis 17 Uhr können die Besucherinnen und Besucher dabei gratis rund 60 Schnupperangebote der VHS ausprobieren – von Aquarellmalen über Pilates bis hin zum Japanischkurs. Parallel werden Führungen durchs Gebäude angeboten. Um 17.30 Uhr beginnt ein Abendprogramm mit Sektempfang. Auf dem Marga-von-Etzdorf-Platz vor dem BiNe findet am selben Tag das Veielbrunnenfest statt.

  • 10. Oktober: Mitsing-Event „Aus voller Kehle für die Seele“ mit Patrick Bopp, Gründungsmitglied der A-Capella-Gruppe Füenf
  • 16. Oktober: „Politik fürs Ländle“ mit Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen für die Landtagswahl
  • 24. Oktober: „Aktionstag Gesundheit“ in Kooperation mit der AOK Stuttgart-Böblingen
  • 29. Oktober: BiNe-Firmentag zum Thema „Digitale Kompetenzen & Beruf“
  • 10. November: „Politik fürs Ländle“ mit Manuel Hagel, Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl
  • Die offizielle Einweihung des BiNe findet am 7. November statt.

    So kommt man zum neuen Standort der VHS in Bad Cannstatt

    Die neue VHS-Zweigstelle im Bildungshaus Neckarpark ist in der Lenore-Volz-Straße 23 in Stuttgart-Bad Cannstatt. Öffentlich ist sie mit der S-Bahn (Haltestelle Bahnhof Bad Cannstatt) oder mit der Stadtbahn U19 (Haltestelle Neckarpark) zu erreichen.

    Mehr Informationen gibt es auch online.

    Bildung für Erwachsene – und für Kinder

    Vier unter einem Dach
    Im neuen Bildungshaus Neckarpark ist nicht nur die Volkshochschule untergebracht. Das Kinder- und Familienzentrum (KiFaz) kann 110 Kindern einen Kitaplatz anbieten. In die Grundschule, deren endgültiger Name noch nicht feststeht, wurden gerade 38 Grundschülerinnen und Grundschüler eingeschult, ausgelegt ist sie für knapp 450. In dem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum Helene-Schoettle-Schule lernen knapp 50 Kinder.

    Kinder fühlen sich schon daheim
    Die Kinder, erzählt Yvonne Müller, die Leiterin des Kifaz, haben sich das Haus schon erobert: „Sie bewegen sich hier schon, als seien sie immer hier gewesen.“

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