Vor etwa 200 Jahren ließ König Friedrich die Königstraße durch die Innenstadt anlegen. Eine reine Fußgängerzone ist sie erst seit den 1970ern, als die Straßenbahn in den Untergrund verlegt wurde. Ein Blick zurück in die Vergangenheit der Renommiermeile
Die Königstraße ist eine der längsten Fußgängerzonen Deutschlands. Der Autoverkehr ist bereits in den 1960er Jahren verbannt worden. Weitere Aufnahmen aus dem Geschichtsportal „Von Zeit zu Zeit“ zeigen wir in der Fotostrecke.
StZ
Im Jahr 1806 ließ König Friedrich die Prachtstraße in Stuttgart anlegen. Das Foto stammt aus dem Jahr 1875 und zeigt, dass auch zu Zeiten des Kaiserreichs schon eine Straßenbahn durch die Königstraße fuhr – wenn auch von Pferden gezogen.
Archiv
Ansicht der Königstraße aus dem Jahr 1890 von der damaligen Legerkaserne (heute Wilhelmsbau) in Richtung Königstor, das später dem Bahnhofsneubau weichen musste. Es ist der Abschnitt der Einkaufsstraße, der heute Untere Königstraße genannt wird.
VZZZ-Chronist Alfred Neugebauer
Die Königstraße um 1900, jetzt schon mit elektrischer Straßenbahn. Auf mittlerer Höhe der alten Prachtstraße thront seit 1860 der Königsbau, in dem übrigens schon seinerzeit 43 Läden ihren Betrieb aufnahmen sowie Konzerte aufgeführt und rauschende Bälle gefeiert wurden.
Stadtarchiv Stuttgart
Die „Union“ Vereinigte Kaufstätten GmbH wurde 1905 in der Königstraße 27 eröffnet. Das Gebäude mit der prachtvollen Fassade sollte den Zweiten Weltkrieg nicht unbeschadet überstehen.
VZZZ-Chronistin Ruth Prömm
Königsbau mit Straßenbahnen um zirka 1930.
VZZZ-Chronistin Annette Reutter-Koch
Bis in die 1960er Jahre war die Königstraße auch für Automobile freigegeben: Das Foto zeigt einen Unfall im Mai 1933.
VZZZ-Chronistin Usch Grotz
Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1935 und zeigt den Ort, der den Stuttgartern heute als Arnulf-Klett-Platz bekannt ist.
VZZZ-Chronist Joachim Frey
Die Königstraße in Richtung Hauptbahnhof während des Dritten Reiches um 1938. Der von 1926 bis 1928 errichtete, heute noch erhaltene Mittnachtbau war eines der ersten modernen Geschäftshäuser der Innenstadt und mit seiner travertinverkleideten Stahlbetonskelettkonstruktion und dunkler Fensterbandgliederung architektonisch ganz auf der Höhe der Zeit.
VZZZ-Chronist Herbert Kaiser
Das Geschäftshaus „Wilhelmsbau“ von 1906 im Wandel der Zeit. Das Foto links zeigt den ursprünglichen Zustand von 1938, rechts sieht man den stark veränderten Zustand der Nachkriegszeit.
VZZZ-Chronist Volker Dirk Hiller
Flanieren auf der Einkaufsmeile: Der Schnappschuss ist um das Jahr 1935 entstanden.
VZZZ-Chronist Joachim Frey
Die breite Königstraße diente auch dem Ein- und Abmarsch von Soldaten. Dieses Foto hält den gefeierten Einzug einer Felddivision im Oktober 1940 fest. Zu diesem Anlass stand die Prachtstraße unter Hakenkreuz-Beflaggung.
Stadtarchiv
Die Prachtstraße als Trümmerwüste: Auch an der Königstraße ist der Zweite Weltkrieg alles andere als spurlos vorübergegangen. Die meisten prunkvollen Fassaden aus dem 19. Jahrhundert waren zerstört.
Stadtarchiv
Französische Truppen führen deutsche Soldaten 1945 in die Gefangenschaft. Auch dieser Weg geht über die Königstraße.
Archiv
Ein Bild aus den Nachkriegsjahren, in denen die Einkaufsmeile noch von Trümmern gesäumt war. Der schnell wieder aufkommende Verkehr wurde damals noch von Hand geregelt.
Stadtarchiv
Langsam normalisierte sich das Leben auf der Königstraße in den Nachkriegsjahren wieder. Rechts im Bild zu sehen: Arbeiten an der Eberhardskirche.
Stadtarchiv
1946 – überall auf der Königstraße haben sich lange Schlagen gebildet. Die Menschen wollen in den Kellergeschäften einkaufen. Nur mit Marken oder Bezugsschein – und einer Portion Glück war in der Nachkriegszeit dort manchmal etwas zu ergattern.
VZZZ-Chronistin Usch Grotz
In der Königstraße existieren noch einige Vorkriegsgebäude, die jedoch im Laufe der Zeit äußerlich modernisiert wurden. Das WMF-Haus ist eines von ihnen. Die Bildkombination hat uns Von-Zeit-zu-Zeit-Chronist Volker Dirk Hiller zur Verfügung gestellt.
VZZZ-Chronist Volker Dirk Hiller
Keine Bäume sondern Straßenbahnschienen zierten die Mitte der Königstraße in den 1950er Jahren und für die Fußgänger waren Gehwege vorgesehen.
StZ
Die Untere Königstraße um 1950
Karl-Heinz Wever
Das Bild stammt aus den 50er Jahren. Zu sehen ist die obere Königstraße vom Schlossplatz aus gesehen (Richtung Marienstraße).
VZZZ-Chronist Stefan Kress
Königstraße um 1951: An der Straßenbahnhaltestelle vor dem Königsbau war auch damals schon einiges los.
VZZZ-Chronist Karl-Heinz Wever
Der Blick auf den Bahnhofsturm, aufgenommen zwischen 1956 und 1957.
VZZZ-Chronist Dietmar Allmendinger
In der Weihnachtszeit wurde die Königstraße zur Freude der Kunden üppig mit Lichterketten geschmückt. Nach Ladenschluss allerdings waren Passanten nur noch zu sehen, wenn die Kinovorstellungen endeten. Das Foto ist zwischen 1957 und 60 entstanden.
VZZZ-Chronist Kurt Däß
Die Königstraße – Pulsader der Stadt
VZZZ-Chronist Kurt Däß
Schon vergessen? Bis in die späten 70er Jahre querte die Straßenbahn noch die Prunkstraße.
Leserfotograf kalanag
Die Königstraße – Pulsader der Stadt
VZZZ-Chronist Horst Rupp
Wer ganz genau hinschaut, erkennt rechts im Bild ein kleines Brezel-Häuschen. Sie stehen bis heute auf der Königstraße und sind nicht mehr wegzudenken.
VZZZ-Chronist Horst Rupp
Sie wollen noch mehr über die Geschichte Stuttgarts erfahren? Dann besuchen Sie die Geschichtswerkstatt „Von Zeit zu Zeit“ der Stuttgarter Zeitung. Das interaktive Portal ist in Kooperation mit dem Stadtarchiv entstanden und gibt Ihnen die Möglichkeit die Geschichte der Stadt mitzuschreiben. Wer sich als Chronist anmeldet, kann Fotos hochladen oder eigene Zeitzeugenberichte verfassen.
StZ
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Stuttgart - Sie ist die Pulsader der Stadt und für viele Touristen erste Anlaufstelle: die Königstraße. 1100 Meter Shopping pur, so präsentiert sie sich heute. Vor etwa 200 Jahren ließ König Friedrich die Renommiermeile anlegen. Eine reine Fußgängerzone ist sie erst seit 1978, als die Straßenbahn in den Untergrund verlegt wurde.
Die Geschichtswerkstatt der StZ und des Stadtarchivs
Foto: StZ
Eine der längsten Fußgängerzonen Deutschlands
Am unteren Ende der Königstraße befand sich das Königstor, das dem Neubau des jetzigen Hauptbahnhofs weichen musste. Der Bahnhofsturm erhebt sich seitdem als städtebauliche Orientierungsmarke genau in der Achse der Königstraße. In der Weimarer Republik entwickelte sie sich zu einer Hauptverkehrsachse, durch die bis 1978 die Straßenbahn fuhr. Durch deren Verlegung in den Untergrund ist die Königstraße schließlich zur reinen Fußgängerzone geworden – eine der längsten Deutschlands übrigens. Der Automobilverkehr ist bereits in den 1960er Jahren verbannt worden.
Im Zweiten Weltkrieg ist die Prunkstraße weitgehend zerstört worden, nur wenige alte Fassaden sind erhalten geblieben wie die des 1897 eröffneten Hotels Marquard. Auch Wohnungen wohlhabender Bürger, die sich hier im 19. Jahrhundert niederließen, sind kaum noch vorhanden. Heute ist die Königstraße fast ausschließlich eine Geschäftsstraße mit einem sehr hohen Anteil an Filialen: 90 Prozent der Verkaufsfläche sind in den Händen großer Unternehmen. Denn kaum ein kleiner Einzelhändler kann sich die Top-Mietpreise leisten.
Das interaktive Portal ist in Kooperation mit dem Stadtarchiv entstanden und gibt Ihnen die Möglichkeit die Geschichte der Stadt mitzuschreiben. Wer sich als Chronist anmeldet, kann Fotos hochladen oder eigene Zeitzeugenberichte verfassen.
Anmerkung der Red.: Wir haben zwei Bildunterschriften am 26. Dezember um 16:30 Uhr geändert. In der ursprünglichen Bildunterschrift von Bild 22 wurde der "Königsbau" irrtümlich als "Wilhelmsbau" bezeichnet, in der ursprünglichen Bildunterschrift 26 haben wir das Wort "entlangfahren" durch "queren" ersetzt. Wir danken unserem Leser Roland Wittig für den Hinweis!