Vorfall in Stuttgart: Kosovo-Kundgebung läuft aus dem Ruder – Polizei mit Großaufgebot

Wie hier in Pristina sind auch in Stuttgart Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Verurteilung des früheren kosovarischen Präsidenten als Kriegsverbrecher zu protestieren.
AP/dpa/Florent Bajrami- Proteste in Stuttgart nach der Verurteilung Hashim Thaçis in Den Haag am 16. September.
- Eine Kundgebung am Kronprinzplatz mit etwa 350 Teilnehmenden begann am Samstag um 19 Uhr.
- Pyrotechnik wurde dreimal gezündet, danach formierten sich neue Aufzüge Richtung Schlossplatz.
- Die Polizei forderte zur Auflösung auf – es gab Buhrufe und einen Böllerwurf, Einsatzkräfte kesselten ein.
- Eine Person wurde festgenommen, Ermittlungen wegen Verstößen gegen Versammlungs- und Sprengstoffgesetz.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Aus Stuttgarter Sicht ist vermeintlich weit weg, was sich vergangene Woche in Den Haag ereignet hat. Am 16. September ist dort Hashim Thaçi, früherer Präsident des Kosovo, von einem Sondertribunal wegen Kriegsverbrechen zu einer Haftstrafe von 25 Jahren verurteilt worden. Thaçi soll als Mitbegründer und Führer der paramilitärischen Organisation UÇK im Kosovokrieg unter anderem für die Ermordung von 96 politischen Gegnern und mutmaßlichen Kollaborateuren der serbischen Sicherheitskräfte verantwortlich gewesen sein.
Auf das Gerichtsurteil folgten prompt Proteste im Kosovo, wo Tausende auf die Straße gingen. Aber nicht nur dort. Denn Exil-Kosovaren in ganz Europa schlossen sich an. Auch in Stuttgart – und das in einer für die Sicherheitskräfte und Behörden recht überraschenden Art und Weise.
Zunächst meldete am Freitagmittag kurzfristig eine Privatperson für den Samstagabend eine Kundgebung auf dem Kronprinzplatz an. Titel: „Friedliche Kundgebung gegen die als ungerecht empfundene Behandlung ehemaliger UÇK-Kämpfer.“ „Angegeben waren 300 Teilnehmende“, sagt ein Sprecher der Stadt. Laut Polizeisprecher Timo Brenner entsprach die Kundgebung dann auch dieser Größenordnung: „Es waren um 19 Uhr etwa 350 Teilnehmer da.“ Die Veranstaltung dauerte etwa eine Dreiviertelstunde. In dieser Zeit sei bereits dreimal Pyrotechnik gezündet worden, so Brenner.
Menge zieht zum Schlossplatz
Damit wollten es die Teilnehmer allerdings nicht bewenden lassen. Ihr Ärger über die Verurteilung war offenbar so groß, dass sie nach der Kundgebung nicht nach Hause gingen. „Im Bereich des Börsenplatzes sammelten sich viele erneut und bildeten neue Aufzüge“, sagt Brenner. Man habe die Menge mehrfach zum Gehen aufgefordert – vergeblich. Stattdessen zogen die Teilnehmer zum Schlossplatz. An der Ecke Königstraße und Bolzstraße schätzte die Polizei die Zahl gegen 21.35 Uhr auf 400. Gleichzeitig fuhren Fahrzeuge mit albanischen Fahnen hupend über den Cityring.

Hashim Thaçi ehemaliger Präsident des Kosovo, verteidigt sich vor dem Kosovo-Tribunal gegen Anklagen wegen Mordes, Folter und Verfolgung, die während des Unabhängigkeitskrieges seines Landes gegen Serbien begangen worden sein sollen.
ANP/AP/dpa/Koen van WeelAm Schlossplatz drohte offenbar eine Eskalation. Über Lautsprecher forderte die Polizei die Menge mehrmals zum Auflösen der Versammlung auf. Das wurde mit Buhrufen und einem Böllerwurf beantwortet. Die Polizei zog mehrere Hundert Einsatzkräfte in der Innenstadt zusammen und kesselte die Menge ein. „Glücklicherweise fanden sich mehrere Personen, die sich einsichtig zeigten und die Leute beschwichtigt haben“, sagt Brenner. Nach und nach hätten die Protestierer dann in Kleingruppen den Schlossplatz verlassen.
Der Vorfall dürfte allerdings für mehrere Beteiligte ein Nachspiel haben. Im Zuge der Einsatzmaßnahmen wurde eine Person festgenommen. Es handelt sich dabei laut Polizei um einen Mann, der andere aufgewiegelt haben soll. Außerdem wird – auch wegen der Pyros und des Böllers – wegen Verstößen gegen das Versammlungs- und Sprengstoffgesetz ermittelt. Die Polizei wertet dafür auch Bildmaterial aus.
