VortragsreiheDenkanstöße:: „Vielzahl an Verordnungen stranguliert den Mittelstand“

Isabel Grupp gehört zu den 50 erfolgreichsten Unternehmerinnen.
/Sabina RadtkeDer Firmenname Plastro Mayer ist eher unbekannt, aber in jedem Haushalt sind die Produkte aus dem Unternehmen zu finden: Kunststoffteile in der Kaffeemaschine, im Staubsauger, im Kühlschrank, in den Solarpanels. Isabel Grupp (38) ist zusammen mit ihrem Vater die Geschäftsführerin des Kunststoffzulieferers. Wie der Mittelstand zukunftsfähig bleiben kann, erklärt sie in der Reihe Denkanstöße am Donnerstag, 19. September, um 18.15 Uhr in der BW-Bank Stuttgart (Kleiner Schloßplatz 11).
Frau Grupp, wo liegen aktuell die Herausforderungen für den Mittelstand?
Wir sind in unserem Handlungsspielraum durch die überbordende Bürokratie sehr eingeschränkt. Jedes Jahr kommen Dinge dazu, die aufwendig sind. Sie blockieren schnelle Entscheidungen, kreative Ideen oder verhindern Versuche, mal etwas out of box zu wagen mit Blick auf Innovationsthemen. Konkret sind das beispielsweise der Datenschutz oder jetzt dann NIS 2, die EU-Richtlinie zur IT-Sicherheit und das Lieferkettensorgfaltsgesetz. Die Themen sind wichtig, aber sie werden zu aufwendig abgewickelt. Das hält uns auf beim normalen Alltagsgeschäft. Manche Mittelständler können das gar nicht stemmen. Und dann ist da der ganze Förderdschungel. Es gibt so viele Fördermöglichkeiten, aber letztlich profitieren diejenigen davon, die Personal oder ganze Abteilungen dafür abstellen können, um Anträge zu stellen und die ganzen Angebote zu durchforsten. Das System ist so komplex geworden, dass es uns stranguliert.
Sie haben zusammen mit Ihrem Vater die Geschäftsführung. Wie ergänzen sich Alt und Jung dabei?
Wenn Generationen die positiven Seiten jeweils transferieren, ist das der fruchtbarste Boden, den man bekommen kann. Wir lernen von den Erfahrenen und was sie aus der Praxis im Kopf haben. Dieses Wissen ist unschlagbar. Andererseits, wenn ich jetzt in Richtung junge Generation schaue, wie die jungen Leute anders denken und das Thema Social Media leben, andere Ideen haben, ihr Leben anders gestalten, ist das super inspirierend. Man muss es hinbekommen, die Generationen als Generationendeal zu sehen: Dass die Jüngeren die Älteren zum Beispiel bei Themen wie Virtual Reality oder KI unterstützen. Es ist wichtig, dass sich das Wissen von Jung und Alt gegenseitig befruchtet.
Müssen Arbeitgeber heute mehr Benefits bereithalten, um Leute zu halten?
Absolut. Die Unternehmenskultur muss komplett verändert werden. Ich bin seit 14 Jahren im Unternehmen, und es ist definitiv anders als bei meinem Start. Wir machen zum Beispiel Sportkooperationen und kooperieren mit Physiotherapiestudios. Wir geben Zuschüsse für Kindergärten und haben unterschiedliche Gehaltsgestaltungsmodelle. Außerdem bieten wir flexible Arbeitszeiten an – im Augenblick haben wir über 80 verschiedene Arbeitszeitmodelle.
Gibt es einen weiblichen Führungsstil?
Das ist Schubladendenken. Ich habe einen eigenen, aufgeschlossenen, empathischen, kreativen und partizipativen Führungsstil. Ich gebe Verantwortung weiter, weil ich den Menschen viel zutraue. Ich werde aber auch manchmal eines Besseren belehrt. Ich behaupte, das ist nicht sehr weiblich, sondern es gibt auch Männer, die in dieser Form führen. Aber klar, Empathie und Emotionen liegen den Frauen mehr als den Männern.
Was nimmt Ihr Publikum von Ihrem Vortrag mit?
Wie können wir gemeinsam die Transformation meistern, um die Unternehmenskultur und die Führung zu ändern, um sie entsprechend der Kulturen oder der Generationen anzupassen? Wie können wir aufeinander zugehen? Ich belege das mit eigenen Beispielen – was ich selbst gemacht habe und was funktioniert hat.
Weitere Informationen unter: https://wertvolle-denkanstoesse.de/