Wegen der Hitzewelle: Stuttgarter Bürgerbüros nur mit Onlinetermin offen – Laufkunden verärgert

Die Stuttgarter Bürgerbüros können derzeit nur mit Online-Terminbuchung besucht werden, ansonsten bleiben die Türen verschlossen.
Bernd Weißbrod/dpa- Bürgerbüros in Stuttgart empfangen diese Woche nur Kundschaft mit Online-Termin.
- Ziel ist Hitzeschutz für Mitarbeitende und Besucher, Wartezeiten in vollen Räumen sollen wegfallen.
- Viele erfuhren erst kurzfristig davon – Laufkundschaft steht teils vor verschlossenen Türen.
- Bezirksvorsteher berichten von Beschwerden, besonders bei Älteren und Menschen mit Sprachhürden.
- Stadt meldet ausreichende Online-Termine, Infos veröffentlicht – doch Hinweise vor Ort fehlen teils.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Wetter lässt sich nicht Wochen im Voraus vorhersagen. Und so kam der jüngste Beschluss der Stadt Stuttgart ziemlich kurzfristig. In dieser Woche, so teilte sie mit, ist Laufkundschaft in den Stuttgarter Bürgerbüros nicht erwünscht. Wegen der Hitze, um Personal und Kundschaft zu schützen. Stattdessen könne man nur mit einem vorab online gebuchten Termin vorsprechen.
Das beinhaltet zunächst einmal eine gute Nachricht. Denn bisher war die Online-Terminbuchung nicht in allen Bürgerbüros möglich. „Das scheint die Stadt also hinbekommen zu haben“, sagt einer der Stuttgarter Bezirksvorsteher. Die sind eigentlich gar nicht für die ans Ordnungsamt angegliederten Bürgerbüros zuständig, sitzen aber häufig im selben Gebäude und gelten für die Menschen in den jeweiligen Stadtbezirken als erste Ansprechpartner bei allen Sorgen.
Und so bekommen sie auch die Kehrseite der Medaille ab. Denn die Nachricht von den für Laufkundschaft geschlossenen Bürgerbüros hat bei weitem nicht alle Kunden erreicht. Die kommen trotzdem – und stehen vor verschlossenen Türen. „Der Sicherheitsdienst versucht, den Leuten zu helfen“, erzählt ein anderer Bezirksvorsteher. Wenn es noch kurzfristige Termine gebe, buche man gemeinsam mit den Leuten noch vor Ort, damit der Weg nicht umsonst war.
Manche Reaktionen sind allerdings nicht gerade freundlich. Und so beklagt man in diversen Bezirksrathäusern, dass die kurzfristige Information und die reine Online-Terminvergabe schwierig seien. Gerade ältere Menschen oder solche, die nicht gut Deutsch sprechen, wüssten davon nichts und kämen mit der Internetbuchung auch nicht klar.
Mail vom Ordnungsamt erst am Montagabend
Einige Bezirksvorsteherinnen und Bezirksvorsteher sagen, dass sie offiziell von der Maßnahme erst am Montagabend erfahren hätten. Da nämlich ging bei allen eine Mail von Ordnungsamtsleiterin Susanne Scherz ein. „Angesichts der Hitzewelle haben wir bekanntlich diese Woche auf 100 Prozent Onlinetermine umgeschaltet“, heißt es darin. Diese Maßnahme sei nötig, „da wir in dieser anhaltenden Hitzewelle dem Schutz der Kund*innen und der Mitarbeitenden gerecht werden müssen“. Zu vermeiden sei besonders das lange Warten in vollen Räumen, gerade am Nachmittag. Das habe man aus der vorherigen Hitzewelle gelernt.
Scherz räumt in dem Schreiben ein, dass es zu Problemen komme: „Wie Sie wissen, sind Veränderungen häufig mit Beschwerden verbunden. Ich wurde informiert, dass bei Ihnen heute Beschwerden von Bürger*innen zu den Bürgerbüros angekommen sind.“ Sie wisse, dass die Situation besonders herausfordernd sei. Man stehe im Austausch mit den Bürgerbüros und reflektiere die Situation. Es würden so viele Online-Termine wie möglich freigeschaltet.
Auf Anfrage teilt die Stadt mit: „Einige Kundinnen und Kunden suchen die Bürgerbüros nach wie vor ohne vorherige Terminvereinbarung auf. Dies geschieht allerdings nicht in der sonst gewohnten Häufigkeit. Auch die am Freitag veröffentlichte Information und Pressemitteilung haben die meisten Kundinnen und Kunden wahrgenommen.“ Die aktuell verfügbaren Terminkontingente seien ausreichend.

Einige Bürgerbüros sind ohnehin für längere Zeit oder dauerhaft geschlossen - wie hier das in Möhringen. Dort gibt es auch keine Online-Termine.
Lichtgut/Leif PiechowskiDas Ordnungsamt weist darauf hin, dass öffentlich informiert worden sei und man die Warteampel der Bürgerbüros auf der Internetseite der Stadt „entsprechend geschaltet“ habe. Eine Stichprobe am Mittwochvormittag zeigt: Tatsächlich lassen sich bei vielen Bürgerbüros online Termine finden, oft noch am selben Tag. Die Echtzeit-Warteampel gibt für alle Büros die Nachricht „Außerhalb der Öffnungszeiten keine Anzeige“ an. Eine Begründung dafür findet sich allerdings nicht – kein Hinweis darauf, dass die Bürgerbüros in dieser Woche nicht ohne Termin besucht werden können.
Es dürften also auch weiterhin Kundinnen und Kunden vergebens vor den Türen stehen. Zumindest, bis sich das Wetter grundlegend ändert – vielleicht schon nächste Woche.

