Wetter in Stuttgart
: Dieser Winter war so normal wie lange nicht

Zum Finale des meteorologischen Winters gab es in Stuttgart einen ziemlich kühlen und nassen Februar – und sogar Schnee. Wie aber schaut’s denn mit dem Frühling aus?
Von
Jürgen Löhle
Stuttgart
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Eine Frau schützt sich mit Schirm vor dem Schnee im Hallschlag Mitte Februar.

Andreas Rosar

Die frühen Krokusse sind längst verblüht, im Kräuterbeet riecht es nach Bärlauch, und auf dem Stuttgarter Markt liegen Pappschilder auf den Auslagen, die den ersten deutschen Spargel in ein paar wenigen Tagen ankündigen – und das Ende Februar. Stimmt, das war nicht jetzt, sondern exakt vor einem Jahr, als der Februar in der Stadt den Wärmerekord für Stuttgart regelrecht pulverisierte. 8,1 Grad warm war es da im Schnitt, satte 5,2 Grad mehr als im Schnitt der vergangenen 30 Jahre und sogar knapp zwei Grad mehr als ein normaler März.

Vor einem Jahr fuhren die Radler oft schon in kurzen Hosen durch den meteorologischen letzten Wintermonat, und der Gesundheitsbewusste räumte die Vitamin-D-Tropfen bis zum Herbst in den Kühlschrank und ließ sich lieber die Sonne ins Gesicht scheinen.

Nur 0,1 Grad über dem langjährigen Mittel

Dagegen war der aktuelle Februar ziemlich unterkühlt. „Mit einer Durchschnittstemperatur von 3,1 Grad lag der Februar nur 0,1 Grad über dem langjährigen Mittel“, beschreibt Andreas Pfaffenzeller den letzten Wintermonat 2024/2025. Der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) registrierte zudem an der DWD-Messstation am Schnarrenberg 17 Tage mit Frost, das sind sogar drei Tage mehr als im Schnitt. Und, man glaubt es kaum, es gab sogar drei Tage mit einer Schneedecke zumindest am Schnarrenberg. Dort wurden am 14. Februar sogar sechs Zentimeter gemessen, für Stuttgart durchaus ein ordentlicher Wert in Zeiten des Klimawandels.

Und ein Indiz, dass der gesamte Winter 2024/2025 in Stuttgart fast normal war. Zumindest im Vergleich mit der Zeit von 1991 bis 2020. Und deshalb gibt es noch mindestens bis Mitte März keinen heimischen Spargel, auch nicht unter Folie. Bärlauch riecht man auch noch nicht. Und die Krokusse stehen voll im Saft. Zum Ende des meteorologischen Winters wurde für Stuttgart eine Mitteltemperatur von exakt drei Grad ermittelt, 2,6 Grad wären in der Zeit seit 1990 normal gewesen. Dass es ein Fitzele zu mild war, lag vor allem am Dezember. Dafür gab es in den 90 Wintertagen immerhin 47 Frosttage. „Allerdings waren bei den 47 Frosttagen nur sechs mit Dauerfrost, das sind im Schnitt sechs Eistage zu wenig“, sagt Meteorologe Andreas Pfaffenzeller.

Vor allem der Februar hat dazu beigetragen, dass es in diesem Winter genug Niederschlag gab.

Foto: Yann Lange

Trotzdem war es ein guter Winter, wenn man davon überzeugt ist, dass eine gewisse Kälte in der dunklen Jahreszeit gut für die Natur ist. Zumal es zumindest in Stuttgart auch genug Niederschlag gab, mit dem die Natur jetzt ins Frühjahr starten kann. Knapp 130 Liter seit Dezember pro Quadratmeter sind eine solide Basis und etwa 95 Prozent dessen, was man im Schnitt erwarten kann. Dazu hat im Übrigen vor allem der Februar beigetragen, der es auf knapp 55 Liter Regen brachte, die in etwa 140 Prozent entsprechen. Zumindest am Schnarrenberg. An der Messstation am Flughafen waren es rund 15 Liter weniger, was für den Standort nahezu normal ist.

Frei von meteorologisch bedenklichen Wetterrekorden

Und da auch die Sonne im gesamten Winter mit knapp 65 Stunden nahezu so schien, wie sie statistisch soll, blicken wir in Stuttgart auf einen Februar und auf einen Winter zurück, der seit 2017 mal wieder frei von meteorologisch bedenklichen Wärme- oder sonstigen Wetterrekorden war. Unzufrieden können eigentlich nur Inhaber von Hochleistungsschneefräsen sein, die man auch in diesem Winter nicht gebrauchen konnte. Ein Trend, der sich übrigens durchaus fortsetzen könnte. Vielleicht wäre der massenweise Umbau zu Rasenmähern eine Idee für ein Start-up.

Jetzt darf es aber erst einmal getrost Frühling werden, wonach es aktuell ja auch aussieht. Viel Sonne die gesamte erste Märzwoche, vor allem tagsüber stetig steigende Temperaturen und weit und breit kein Niederschlag in Sicht, den es nach dem nassen Februar aber auch noch eine gewisse Zeit nicht braucht. Nachtfröste in den nächsten Tagen führen zudem dazu, dass die Natur nicht ungebremst ins Kraut schießt oder so früh blüht, dass später Frost Schaden anrichten kann. Ein Ende des ruhigen Frühlingswetters ist in vielen Vorhersagen bis Mitte März nicht in Sicht, wobei Prognosen über fünf Tage hinaus natürlich nicht mehr sind als Spekulation. Daran ändert auch ein normaler Winter nichts.

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