Wilde Bühne Stuttgart: Hier spielen Ex-Suchtkranke gemeinsam Theater

„Wir wollen keinen höflichen Applaus“, sagt Carina Weirather, eine der beiden Leiterinnen der Wilden Bühne. Der Anspruch sei hoch.
oH/Andreas Sporn- Ensemble der Wilden Bühne: Ex-Süchtige spielen Theater und sprechen über Suchtprävention.
- Altersmix 17 bis 66, verschiedene Geschlechter und Suchtformen, teils mehrere Erkrankungen.
- Auftritte vor Schulklassen mit Szenen zu Sucht und Gewalt, danach offenes Gespräch.
- Zusätzlich „Kulturstücke“ wie zuletzt „Der Sturm“ im Kulturwerk in Stuttgart-Ost im Oktober.
- Leitung betont hohen Anspruch – niemand wird vorgeführt, aber höflicher Applaus reicht nicht.
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Manche sind seit vielen Jahren, womöglich sogar Jahrzehnten, clean. Bei anderen sind die letzten Rückfälle noch gar nicht ewig her. Doch die Ensemblemitglieder der Wilden Bühne eint etwas: Alle waren einmal suchtkrank. Manche waren alkoholsüchtig, andere drogensüchtig, wieder andere spielsüchtig – und manche hatten auch mehrere Suchterkrankungen zugleich.
Die ehrenamtlichen Schauspielerinnen und Schauspieler sind zwischen 17 und 66 Jahre alt. Frauen, Männer, Transpersonen. Manche wären aufgrund ihrer Sucht beinahe im Gefängnis gelandet.
Mit Schülern sprechen sie über Sucht und Gewalt
Regelmäßig treten sie vor Schulklassen auf, spielen kleine Szenen rund um das Thema Sucht und Gewaltprävention und sprechen anschließend offen mit den jungen Menschen darüber. Zudem veranstalten sie „Kulturstücke“, also bringen Werke wie zuletzt „Der Sturm“ von Shakespeare auf die Bühne. Im Oktober hatten sie mehrere Aufführungen im Kulturwerk in Stuttgart-Ost.
Im Gespräch mit unserer Zeitung sprechen drei Ensemblemitglieder ganz offen vor der Kamera über ihre Vergangenheit – und was die Wilde Bühne ihnen heute bedeutet.
„Manche haben 20 Jahre lang gekifft und echt Schwierigkeiten, einen Text zu lernen“, sagt Carina Weirather, eine der beiden Leiterinnen der Wilden Bühne. Andere seien ausgebildete Schauspieler mit Drogenerfahrung. Das zusammenzubringen, sei ein Balanceakt. „Wir wollen niemanden vorführen auf der Bühne. Wir wollen aber auch keinen höflichen Applaus.“ Der Anspruch sei hoch.

Bei der Wilden Bühne spielen ganz unterschiedliche Menschen mit. Hier sieht man einen Eindruck von ihrer Weihnachtsfeier.
oh/Andreas SpornSchauspielern könne ehemals Süchtigen helfen, findet Carina Weirather. Denn Theater könne eine Art „Hype“ bringen, den Süchtige von Exzessen kennen – nur dass man eben dabei nüchtern bleibe.
