„Wintertraum“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz: Eistänzerin wirbt für Rollschuhbahn

Im „Wintertraum“ hat man sich früher auf Schlittschuhen bewegt. Im Jahr 2022 ersetzte eine Rollschuh- die Kunsteisbahn.
Lichtgut/Leif PiechowskiDie Enttäuschung hat der Mittzwanziger aus Bietigheim schon vor zwölf Monaten erlebt: Da sah er auf dem Stuttgarter Schlossplatz Menschen, die sich in einem abgesperrten Erlebnisbereich wie von Geisterhand unter dem beleuchteten Bildnis einer Eistänzerin bewegten. „Super, eine Eisbahn“, dachte der Bietigheimer. Bei näherer Betrachtung stellte er freilich fest, dass im verheißungsvoll als „Eismärchen“ untertitelten „Wintertraum“ nur Rollschuh gelaufen wird.
Ein Jahr später ist er wieder da. Zwischen einem Dutzend Kinder und drei Müttern zieht er gegen 18 Uhr mit seiner Stuttgarter Freundin seine Bahnen auf Rollschuhen, obwohl ihm eine Eisbahn lieber wäre. Seine Freundin bewegt sich noch etwas unsicher auf ihren acht Rädchen, auch wenn sie bekundet, dass sie eigentlich eine gute Rollschuhläuferin sei. Der Plastikboden im „Wintertraum“ sei halt „sehr uneben“, sagt sie. „Ich präferiere Schlittschuhlaufen“, sagt ihr Freund.
„Viel besser fürs Klima!“
Doch darüber gehen die Meinungen auseinander: „Viel besser“ findet eine Mutter aus Stuttgart an der Absperrung den Umstand, dass beim weihnachtlichen Budendorf auf dem Schlossplatz seit Ende 2022 auf Roll- statt wie früher auf Schlittschuhen gefahren wird. Wenn man nicht gleich versteht, was besser sei, ergänzt sie beinahe entrüstet: „Viel besser fürs Klima!“ Und den Kindern sei ohnehin egal, auf welche Weise die Fortbewegung auf der Bahn funktioniert.
Doch auch darüber gibt es unterschiedliche Ansichten: Als ein Familienvater versucht, seine drei kleinen Kinder zum Rollschuhfahren zu animieren, ruft eines: „Das ist blöd!“ Das Zetern endet erst, als die Mutter vorschlägt, den Stand mit winterlichen Süßigkeiten aufzusuchen. Und eine Dame mittleren Alters erklärt ihrer Begleiterin im Vorübergehen: „Zum Schlittschuhlaufa musch halt uff d’ Waldau!“

Eiswerbung über dem „Wintertraum“
Foto: Werner„Eher ein Versäumnis“
Weshalb wirbt der „Wintertraum“ auf dem Schlossplatz auch Jahre nach der Einmottung der Kunsteisbahn noch mit dem weiß auf blau leuchtenden Untertitel „Das Eismärchen“? Dazu sagt Stefan Kinzler, einer der beiden Betreiber der Rollschuhbahn: „Das ,Eismärchen‘ ist eigentlich hinfällig, da wir nur noch vom ‚Wintertraum‘ sprechen“, sagt Kinzler, „das müssen wir mal ändern.“ Der leuchtende Untertitel, der vom winterlichen Aggregatzustand des Wassers kündet, sei in diesem Jahr „eher ein Versäumnis“ der Betreiber, räumt er ein.
Mit der weißen Silhouette einer Eistänzerin auf blauem Grund über dem „Wintertraum“ verhalte es sich ähnlich. Diese Leuchtreklame sehe einfach schön aus, sagt Kinzler, und die Eistänzerin auf Kufen „könnte auch als Rollschuhläuferin durchgehen“. Man sei auch in diesem Jahr davon ausgegangen, „dass es nicht jedem auffällt, dass sie keine Rollschuhe anhat“. Er wolle „mal überlegen“, wie mit der leuchtenden Eistänzerin in Zukunft zu verfahren sei.