Woche der Pressefreiheit
: Dämme gegen die Flut der Fake News

Pressefreiheit braucht verlässliche Informationen und Journalisten, die einklagbaren Standards folgen. Social Media allein können dies nicht sicher stellen.
Von
Armin Käfer
Stuttgart

Journalisten sind bei Demonstrationen im Fokus.

dpa/Oliver Berg

66 000 Menschen aus 24 Ländern und fünf Kontinenten haben im vergangenen Jahr testen lassen, wie anfällig sie für Fake News sind. Es ging darum, wie leichtfertig sie falschen Informationen glauben. Ein Ergebnis der Studie unter Regie der University of British Columbia: die Generation Z, also junge Menschen im Alter von 15 bis 30 Jahren, ist am anfälligsten für Fake News. Das ist die Generation, die mit dem Googeln vermeintlicher Informationen aufgewachsen ist und vieles nur wahrnimmt, wenn es über den Bildschirm des Handys flimmert.

Desinformation ist keine Erfindung des Digitalzeitalters. Doch seit es das Internet gibt, werden wir von Fake News überflutet. Vor allem bei Instagram & Co, den sogenannten sozialen Medien, begegnen sie uns häufig. Das sagen 70 Prozent der Menschen, die sich an der „Mainzer Langzeitstudie“ zum Medienvertrauen beteiligen, die von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt wird. Nur 16 Prozent bezweifeln die Korrektheit von Informationen in Zeitungen oder dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Klassische und Online-Medien funktionieren unterschiedlich

Klassische Medien und die vermeintlich sozialen gehorchen völlig unterschiedlichen Gesetzen. Sie liefern keineswegs das Gleiche über unterschiedliche Kanäle. Zeitungen und Plattformen, auf denen nur Klicks und Likes zählen, repräsentieren den Unterschied zwischen Journalismus und einer hysterischen Aufmerksamkeitsökonomie. Instagram & Co berieseln uns mit einem emotionsgesteuerten Repertoire, das die Welt auf eigene Interessensphären verengt, gefiltert von Algorithmen, deren Funktionslogik dem Publikum verborgen bleibt. Fakten sind dabei unwichtig.

Für Journalisten hingegen stehen Fakten im Vordergrund. Ihre Rolle bringt der britische Historiker Timothy Garton Ash, 2017 in Stuttgart mit dem Theodor-Heuss-Preis ausgezeichnet, so auf den Punkt: „Guter Journalismus versucht, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.“ Journalisten sind eine Art Schleusenwärter, die aus der Unzahl von Neuigkeiten, Verlautbarungen und Behauptungen das herausfiltern, was den Tatsachen entspricht und für ihr Publikum bedeutsam oder interessant sein könnte.

Dabei gelten eine Reihe von Prinzipien, die im Pressekodex des Deutschen Presserat nachzulesen sind – und im Zweifel eingeklagt werden können: Sorgfalt bei der Recherche und Präsentation, Schutz von Privatsphäre und vor Vorverurteilungen, Trennung von journalistischen Inhalten und kommerzieller Werbung sowie von Berichten und Kommentaren.

Nicht alle politischen Lager schätzen Pressefreiheit

Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit der Information stehen im Fokus journalistischer Arbeit. Sie sind auch wesentliche Fundamente einer Demokratie – und in hohem Maße gefährdet. Risiken erwachsen aus der Flut von Fake News in jenen Medien, die klassische Zeitungslektüre oder die Information über „Tagesschau“ und ähnliche Formate verdrängen. Die Vertrauenswürdigkeit klassischer Medien wird in Frage gestellt von politischen Kräften, denen weniger an Fakten als an Kampagnen und Hetze gelegen ist („Lügenpresse“). Gleichzeitig wird es wegen der im Netz inflationären Desinformation und deren Reproduktion mittels Künstlicher Intelligenz immer schwerer und aufwendiger (also auch teurer), Fakten von Fake News zu trennen. Zudem gibt es seriösen Journalismus nicht zum Nulltarif.

Den Löwenanteil des Werbegelds kassieren inzwischen aber Digitalkonzerne, die nicht in Recherche investieren. Hinzu kommt, dass Firmen und politische Institutionen (Kommunen, Parteien, Ministerien) soziale Medien als Plattform nutzen, um sich unbehelligt von kritischen Journalisten zu präsentieren.

Noch gibt es Pressevielfalt.

Foto: dpa/Jens Kalaene

Verglichen mit vielen anderen Weltgegenden ist es um die Pressefreiheit in Deutschland nicht schlecht bestellt. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ , die das jedes Jahr untersucht, sieht die Bundesrepublik auf Rang 10 unter 180 Ländern. Allerdings nehmen Übergriffe auf Journalisten zu. Die Medienvielfalt in Deutschland sei „weiterhin auf einem international hohen Niveau“, werde aber durch die „Monopolisierung der Online-Märkte“ in der Hand von US-Konzernen und den „stetigen Rückgang der Zahl unabhängiger Lokalredaktionen bei den Tageszeitungen“ beeinträchtigt.

Der Internationale Tag der Pressefreiheit

Der Internationale Tag der Pressefreiheit wird jährlich am 3. Mai gefeiert, um die Bedeutung von freiem Journalismus für die Demokratie zu würdigen. Weltweit stehen seriöse Medien unter Druck - politisch, wirtschaftlich, technologisch. Autokratische Regime unterdrücken die Meinungsfreiheit, in Sozialen Medien werden ungeprüft Falschnachrichten, Hass und Hetze verbreitet. Aber wenn Ideologie wichtiger wird als Fakten, stirbt die Demokratie. Umso wichtiger wird in Zukunft fundierter Journalismus, der von verantwortungsbewussten, gut ausgebildeten, der Wahrheit und der Demokratie verpflichteten Menschen produziert wird - und nicht von Maschinen.

Aus diesem Grund feiern wir vom 27. April bis zum 3. Mai die „Woche der Pressefreiheit“ und veröffentlichen jeden Tag Texte, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Unterstützen Sie uns, unterstützen Sie Meinungsfreiheit und Demokratie, unterstützen Sie gut gemachten Journalismus.

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