Wohnen im Alter
: Nur 70.600 Wohnungen in Stuttgart mit gut begehbaren Duschen - Ruf nach „Boomer-Zuschüssen“

Von den knapp 317.100 Wohnungen in Stuttgart sind laut Pestel-Institut nur rund 21.100 so gebaut, dass ältere Menschen einwandfrei darin klarkommen.
Von
Lisa Kutteruf
Stuttgart
 Neues und modernes Badezimmer *** New and modern bathroom Copyright: xx

Bodengleiche Duschen gibt es nur in einem Bruchteil der Wohnungen in Stuttgart.

imago images/U. J. Alexander
  • Nur rund 21.100 von 317.100 Stuttgarter Wohnungen gelten als altersgerecht geeignet.
  • Lediglich 22 Prozent haben bodengleiche Duschen – etwa 70.600 Wohnungen erfüllen das Kriterium.
  • Häufige Hürden sind schmale Hausflure, enge Bäder und Küchen sowie zu schmale Haustüren.
  • Pestel-Institut und Baustoffhandel fordern „Boomer-Zuschüsse“ für den barrierearmen Umbau.
  • Appell an den Bund: Zuschüsse statt Förder-Dickicht, da viele Boomer bald in Rente gehen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Längst nicht alle Wohnungen sind fit fürs Alter: In Stuttgart gibt es nach Angaben des Pestel-Instituts etwa 317.100 Wohnungen. Davon seien lediglich rund 21.100 so gebaut, dass ältere Menschen darin ideal klarkämen. Gerade dann, wenn sie auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen seien. „Damit bieten nur rund 7 Prozent aller Wohnungen in Stuttgart den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden“, sagt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Dessen Wissenschaftler haben im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) eine regionale Wohnungsmarkt-Analyse gemacht.

Viele schmale Hausflure in Stuttgart

Im Fokus der Untersuchung: die „Alterstauglichkeit“ der Wohnungen. „Gerade die ist auch für Stuttgart wichtig: Immerhin gehen hier in den nächsten zehn Jahren rund 77.500 Menschen in Rente – die Babyboomer nämlich“, sagt Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel. Ziel müsse es deshalb sein, möglichst schnell für mehr Seniorenwohnungen in Stuttgart zu sorgen. „Denn die werden früher oder später gebraucht. Und auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim“, so BDB-Präsidentin Metzger.

Schon rein volkswirtschaftlich müsse der Staat also ein Interesse daran haben, mehr Seniorenwohnungen zu schaffen. „Vor allem aber geht es um den Wunsch der Menschen selbst: Die meisten wollen in den eigenen vier Wänden alt werden und, solange es geht, zu Hause bleiben“, sagt Katharina Metzger.

Bad und Küche oft zu klein gebaut

Das funktioniert aber nur, so das Pestel-Institut, wenn gerade Altbauwohnungen fürs Wohnen im Alter umgebaut werden: „Wichtig sind wenig Barrieren – also möglichst keine Schwellen, Stufen oder ganze Treppen. Aber auch breite Türen und viel Platz, um sich mit einem Rollator oder Rollstuhl frei bewegen zu können. Vor allem im Bad und in der Küche ist das wichtig. Genau die sind aber oft zu klein gebaut.“

Doch das Problem fängt häufig schon ganz vorne an – beim Eingang: „32 Prozent aller Hausflure in Stuttgart sind nicht breit genug, um mit dem Rollstuhl wirklich gut durchzukommen. Das betrifft immerhin rund 100.500 Wohnungen“, sagt Matthias Günther. Oft seien sogar schon die Haustüren zu schmal.

Entscheidend werde es dann aber in den Wohnungen – vor allem in der Küche und im Bad: „Immerhin haben zwar 67 Prozent der Wohnungen in Stuttgart eine Küche, die groß genug ist. Das bedeutet umgekehrt aber auch: In rund 105.300 Küchen können Menschen mit einem Rollstuhl nicht wenden“, so Matthias Günther. Bei den Bädern in Stuttgart seien 154.800 und damit 49 Prozent zu klein.

Wenig bodengleiche Duschen

Der wichtigste Punkt beim Badezimmer sei allerdings nicht unbedingt dessen Größe, sondern eine begehbare, also bodengleiche Dusche: „Die gibt es aktuell nur in rund 70.600 Wohnungen in Stuttgart“, so der Wissenschaftler. Damit erfüllten lediglich 22 Prozent der Wohnungen „das A-und-O-Kriterium, um in der eigenen Wohnung alt werden zu können“, so Matthias Günther.

Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts rät, beim altersgerechten Umbau von Wohnungen „unbedingt das Bad anzupacken“. Probleme könne es allerdings bei älteren Gebäuden geben: „Gerade bei Wohnhäusern aus den 50er-Jahren ist oft die Decke zu dünn, um eine bodengleiche Dusche einzubauen“, sagt Günther.

„Enormer Nachholbedarf in Stuttgart“

Grundsätzlich habe die Landeshauptstadt einen „enormen Nachholbedarf, um den Wohnungsbestand fit fürs Alter zu machen“, so der Leiter des Pestel-Instituts. Genau hier sieht auch die Präsidentin des Deutschen Baustoff-Fachhandels ein Problem: „In den nächsten zehn Jahren gehen die Baby-Boomer komplett in Rente. Der Bedarf an Senioren-Wohnungen, den Stuttgart in den kommenden Jahrzehnten damit haben wird, ist also enorm. Neubau kann da zwar helfen. Aber die Lösung liegt ganz klar im seniorengerechten Umbau der Wohnungen, in denen die Boomer heute wohnen“, sagt Katharina Metzger.

Der altersgerechte Umbau sei jahrzehntelang zu kurz gekommen. Daher sei jetzt eine „Senioren-Umbau-Offensive“ dringend notwendig. „Das bedeutet: volle Kraft für den barrierearmen Umbau von Wohnungen. Die Mieter, Wohnungs- und Hauseigentümer in Stuttgart brauchen dafür allerdings Rückenwind aus Berlin: ‚Boomer-Zuschüsse‘, mit denen sich aus Standard-Wohnungen mit Stufen und Stolperschwellen an der Dusche endlich barrierearme Wohnungen machen lassen“, so Katharina Metzger.

Appell: Bund soll Teil der Umbaukosten übernehmen

Die Wissenschaftler vom Pestel-Institut fordern dazu, der Bund müsse einen Großteil der Umbaukosten übernehmen – und zwar als Zuschuss. „Denn wer kurz vor der Rente seine Wohnung altersgerecht umbauen will, der scheut sich, dafür noch einen Kredit aufzunehmen. Und die heute gängige staatliche Unterstützung von zehn Prozent beim Bad-Umbau ist nichts anderes als ein ‚Placebo-Zuschuss‘. Der reicht auf keinen Fall, um eine effektive Umbauwelle fürs Seniorenwohnen in Deutschland loszutreten“, sagt Institutsleiter Matthias Günther.

Auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel erteilt dem „bestehenden Mix aus Fördertöpfen“ für den altersgerechten Umbau eine klare Absage: „Die staatliche Förderbank KfW, die Krankenkassen, die Pflegeversicherung – durch das Förder-Dickicht muss man sich erst einmal durchkämpfen. Der Sanierungsschub, der dringend notwendig ist, kommt so jedenfalls nicht zustande“, kritisiert Verbandspräsidentin Metzger. Der Bund müsse das altersgerechte Umbauen endlich zum Schwerpunkt seiner Wohnungsbaupolitik machen und dafür einen „milliardenschweren Zuschuss“ bereitstellen.

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