Wohnen in Stuttgart
: 1346 Studierende auf Wohnheim-Wartelisten – „Darf nicht vom Kontostand der Eltern abhängen“

Zum Semesterstart verzweifeln wieder viele junge Menschen bei der Suche nach einem Zimmer. Hochschulen ermuntern Privatleute, freie Zimmer an Studierende zu vermieten.
Von
Lisa Kutteruf
Stuttgart
Bildnummer: 52123441  Datum: 18.04.2007  Copyright: imago/Wilhelm Mierendorf
Saniertes Bürogebäude mit orangener Fassade bietet jetzt Studentenwohnungen in Stuttgart an, Gebäude, außen, Außenansicht , Strukturen; 2007, Stuttgart, Wohnhaus, Wohnhäuser, Fassade, Haus, Häuser, Neubau, orange, Wohnheim, Studentenwohnheim, Fenster; , quer, Kbdig, Einzelbild, Wohngebäude, Deutschland,  ,

Nur ein Fünftel der Studierenden in der Bundesrepublik hat die Option, in einem Wohnheim wie hier am Neckartor im Stuttgarter Osten unterzukommen.

Imago/Wilhelm Mierendorf
  • 1346 Studierende warten in Stuttgart auf Wohnheimplätze, 1161 davon in Stuttgart, 185 in Hohenheim.
  • Das Studierendenwerk bietet 5800 Plätze, ein WG-Zimmer kostet im Schnitt 396 Euro warm.
  • Medianmiete für 30 qm liegt in Stuttgart bei 611 Euro, WG-Musterzimmer bei 559 Euro.
  • Bundesweit stiegen Mieten für Studierende um 2,6 Prozent, über drei Jahre im Schnitt 4 Prozent pro Jahr.
  • Hohenheim: 19 Zimmer werden zum 15. November frei – Neubau mit 126 Einheiten bis Wintersemester 2027/28.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

1346 Studierende in Stuttgart warten auf einen Wohnheimplatz, das geht aus Angaben der Studierendenwerke Stuttgart und Tübingen-Hohenheim hervor. 1161 von ihnen stehen demnach auf der Warteliste für Stuttgart, 185 auf der für Hohenheim. „Wir können nicht allen Studierenden einen Wohnplatz anbieten“, sagt der Geschäftsführer des Studierendenwerks Stuttgart Marco Abe.

Das Studierendenwerk Stuttgart verfügt derzeit über 5800 Bettplätze in mehr als 30 Wohnanlagen im Großraum Stuttgart. Ein möbliertes WG-Zimmer am Standort Stuttgart kostet laut Studierendenwerk durchschnittlich 396 Euro warm – deutlich weniger als die Zimmer auf dem freien Wohnungmarkt. Derzeit hat jedoch nur jeder fünfte Studierende bundesweit die Chance auf ein Wohnheimzimmer. Alle anderen müssen sich auf dem freien Wohnungsmarkt behelfen.

Die Uni Hohenheim hatte den Professor angezeigt.

In unmittelbarer Campusnähe zur Uni Hohenheim (Bild) entsteht eine studentische Wohnanlage mit 126 Einheiten in drei Gebäuden, so das zuständige Studierendenwerk.

Archiv Lichtgut/Achim Zweygarth

Bundesweit stiegen Mieten um vier Prozent

Dort mindert sich der Druck immerhin in Stuttgart ein wenig: Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Mieten um 0,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung zur Mietentwicklung in deutschen Studienorten, die der Finanzdienstleister MLP mit dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) veröffentlicht hat.

Bundesweit betrachtet sind die Mieten für Studentinnen und Studenten indes von einem bereits hohen Niveau aus noch weiter gestiegen: Sie lagen im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 2,6 Prozent höher als im Vorjahr. Über drei Jahre hinweg betrachtet betrug der Anstieg durchschnittlich 4 Prozent pro Jahr. Der IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer warnt: „Die geringere Dynamik ist noch keine Trendwende. Bezahlbare kleine Wohnungen bleiben in vielen Hochschulstädten knapp.“

StZ kompakt - der Morgen

Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.

Bafög reicht nicht für Miete in Stuttgart

Für Niveauvergleiche zwischen den Städten eignen sich der Studie zufolge insbesondere die Mietkosten für eine studentische Musterwohnung. Bei diesem Modell geht man von identischen Wohnungen in gleicher Lage aus. Dabei landet Stuttgart mit einer Medianmiete von 611 Euro (warm) für 30 Quadratmeter auf Platz elf der teuersten untersuchten Hochschulstädte.

Im vergangenen Jahr waren es noch 640 Euro und Platz 8 in der Negativ-Rangfolge. Auch das WG-Musterzimmer ist in Stuttgart günstiger geworden; es kostet jetzt noch 559 Euro, 2025 waren es 593 Euro. Den ersten Platz belegt erneut München, hier ist die Medianmiete anders als in Stuttgart erneut gestiegen: von 837 auf 882 Euro für eine Musterwohnung und von 790 auf 849 Euro für ein 20 Quadratmeter großes Muster-WG-Zimmer.

Mit der maximalen Bafög-Wohnkostenpauschale von 380 Euro lässt sich die Warmmiete derzeit nur  in Chemnitz vollständig decken. „Es ist gut, dass mit der 30. Bafög-Novelle nun beabsichtigt ist, die Wohnkostenpauschale anzuheben“, sagt Marco Abe vom Stuttgarter Studierenwerk. „Angesichts der hohen Mieten in Stuttgart bleibt sie aber weiterhin zu gering.“

Die Universität Hohenheim sowie die Hochschule Albstadt-Sigmaringen rufen Privatpersonen dazu auf, freien Wohnraum für Studierende anzubieten. „Es darf nicht vom Kontostand der Eltern oder vom Mietpreis am Hochschulort abhängen, ob ein junger Mensch studieren kann. Für immer mehr Studieninteressierte wird genau das jedoch zur Realität. Dies bereitet uns große Sorgen“, sagt Edith Hein, Geschäftsführerin des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim.

Christoph Schneider, Rektor der Universität Hohenheim, verweist auf die Bedeutung attraktiver Rahmenbedingungen für Studium und Wissenschaft: „Jungen Menschen zu einem Dach über dem Kopf zu verhelfen ist auch für Vermietende eine Bereicherung. Das gilt besonders, wenn Sie Wohnraum für unsere internationalen Studierenden bereitstellen, die im Gegenzug die schöne, große weite Welt zu uns nach Baden-Württemberg bringen.“

Studierendenwerke wollen aufstocken

„Wir sind immer auf der Suche nach attraktiven, hochschulnahen Immobilien zum Kauf“, sagt Abe. Gleichzeitig prüfen man Neubauprojekte sowie die Aufstockung und energetische Sanierung von Bestandsimmobilien. Doch die gestiegenen Kosten am Immobilienmarkt lassen sich über unsere bewusst niedrig gehaltenen Mieten nicht mehr refinanzieren. „Es braucht daher Förderprogramme, die neben dem Neubau auch die Sanierung und den Erhalt von bereits vorhandenem studentischen Wohnraum unterstützen“, sagt Abe.

In Hohenheim werden zum 15. November nach Angaben des Studierendenwerks immerhin 19 Zimmer frei. Und es gibt eine erfreuliche Perspektive: „Wir bauen in Hohenheim! In der Fruwirthstraße 16-19 entsteht derzeit in unmittelbarer Campusnähe eine studentische Wohnanlage mit 126 Wohneinheiten in drei Gebäuden“, teilt Katrin Reil vom Studierendenwerk mit. Der Bau wird durch Geld aus dem Bund-Länder-Programm „Junges Wohnen“ gefördert. Spatenstich war vor einem Jahr. Zum Wintersemester 2027/28 soll die Anlage fertig sein.

Über eine Vermittlungsseite können Vermieterinnen und Vermieter ihre Zimmer oder Wohnungen kostenlos online anbieten: www.my-stuwe.de/wohnen/privatzimmervermittlung. Auch die Stadt Stuttgart bringt Privatleute und Studierende zusammen. Mehr Informationen gibt es auf der Informationsseite des Amts für Soziales und Teilhabe, Fachstelle Wohnformen im Alter, oder direkt bei Jörg Günther, Tel. 0711/216 59082, Mail: joerg.guenther@stuttgart.de