Zukunft von Staat und Kirche
: Trumpf-Chefin findet: „Optimismus ist Pflicht!“

In einer Gottesdienstreihe in der Feuerbacher Stadtkirche hat Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller erklärt, woraus sich – trotz allem – ihre Zuversicht speist.
Von
Jan Sellner
Stuttgart
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Die Trumpf-Vorstandsvorsitzende Nicola-Leibinger-Kammüller im Gespräch mit Pfarrer Jens Keil in der Feuerbacher Stadtkirche St. Mauritius.

Sellner

Der Optimismus hat schon mal mehr Anhänger gehabt. Kriege, Krisen und schlechte Wirtschaftsdaten setzen ihm zu und bewirken, dass viele Menschen eine pessimistische Grundhaltung einnehmen. Nicola Leibinger-Kammüller, Vorstandsvorsitzende des Maschinenbau- und Hochtechnologieunternehmens Trumpf mit Zentrale in Ditzingen, gehört nicht dazu. Sie ist bekennende Optimistin und vertritt unerschütterlich die Meinung: „Optimismus ist Pflicht!“ Das bekräftigte sie am Sonntag bei einem sogenannten Dialoggottesdienst mit Pfarrer Jens Keil in der vollbesetzten evangelischen St. Mauritius-Kirche in Feuerbach.

Die Gesprächsreihe steht in Zusammenhang mit den Plänen der Feuerbacher Kirchengemeinde für den Umbau ihres Gemeindehauses und den Neubau eines Waldheims im Lindentäle unter dem Motto „Wir bauen auf“. Die beiden auf rund fünf Millionen Euro taxierten Projekte werden im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 gefördert. Gleichwohl scheint hier viel Optimismus vonnöten, um das anvisierte Spendenziel von 500 000 zu erreichen.

Der Optimismus, den Nicola Leibinger-Kammüller im Grundsatz verbreitet, ist weder Zweckoptimismus noch ein naives „Alles-wird-gut“-Denken. Er wurzelt vielmehr tief im Christentum, zu dem sich die Protestantin vielfach öffentlich bekennt. „ Gebete, Losungen, das war für uns zuhause das tägliche Brot“, sagt die Trumpf-Chefin im Gespräch mit Pfarrer Keil im Rückblick auf ihre Kindheit und die ihrer Schwester Regine und ihres Bruders Peter. „Man ging nie ohne Schutz außer Haus in Form eines ,Gott befohlen‘.“ Vor allem ihre Mutter, Doris Leibinger, habe da eine prägende Rolle gespielt.

Leibinger-Kammüller: ein klares Nein zur Beliebigkeit

Dieses christliche Fundament trägt aus ihrer Sicht bis heute. Das spiegelt sich auch in dem ausgewähltem Bibelspruch für diesen besonderen Gottesdienst: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7). Für Leibinger-Kammüller heißt dies, „seine Kraft dafür einzusetzen, auf Missstände aufmerksam zu machen und Dinge mit Besonnenheit zum Guten zu verändern – sofern man die Kraft dazu hat“. Das Ganze aus einer Haltung der Zuversicht heraus, die sich ihrerseits aus der Liebe Gottes speist. Darin sieht sie auch die „Pflicht“ zumindest des Christenmenschen. „Wenn man die Möglichkeit hat, Dinge zu Guten zu wenden, gilt es, das auch zu tun“, betont Leibinger-Kammüller.

Seinen Niederschlag gefunden hat das auch in dem von ihren Eltern angelegten und seitdem immer wieder „modernisierten“ Familienkodex, der unter anderem regelt „wie wir uns als Familie geben“. Einiges darin ist unverrückbar: „Es wird erwartet, dass man sich als Familienmitglied engagiert, der Gesellschaft etwas zurückgibt und über den Horizont hinaus blickt“, sagt die Trumpf-Chefin. Für sie ist klar: „Man darf sich nicht aufgeben und sich nicht hängen lassen.“ Das gelte unabhängig von der Größe von Unternehmen oder Betrieben: „Es ist die Pflicht der Führung, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber Optimismus auszustrahlen.“ „Also auch nicht jammern?“, will Pfarrer Keil wissen. Ihre Antwort: „Jedenfalls nicht lange!“ Diese Haltung korrespondiert für sie mit Verantwortung und Anstrengung. Gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die auch bei Trumpf Einsparungen erforderten. Nichts besorge sie mehr, als die Trennung von Mitarbeitern, sagt sie: „Das ist das Schlimmste.“

Die Bürokratie macht auch vor der Kirche nicht halt

Und was sollte die Kirche tun, deren Haushalt stetig schrumpft und deren Mitgliederzahl bis in 20 Jahren nur noch halb so groß sein könnte?, fragt Pfarrer Keil. „Optimismus ist auch für die Kirche zentral“, antwortet Leibinger-Kammüller. Man müsse eine Aufbruchstimmung erzeugen, wie das aktuell in Feuerbach festzustellen sei. In der Sprache der Wirtschaft fügt sie hinzu: „Ihr Produkt ist gut“. Sie empfehle den Protestanten, die christliche Botschaft zu pflegen und diese, wie es die Katholiken oft beispielhaft zeigten, gründlich auszulegen: „Wenn die Kirche das Wort ernst nimmt, wäre schon viel gewonnen.“

Daraus spricht ein klares Nein zu Beliebigkeit. Kirche ist für Leibinger-Kammüller keine Eventlocation oder eine Art Frühlingsfest. „Die Marke nicht verwässern!“, rät sie. Zum Markenkern gehöre auch die Seelsorge, für die ausreichend Zeit sein müsse. Die Selbstauskunft von Pfarrer Keil, dass 50 Prozent seiner Zeit in Verwaltungsaufgaben fließe, unterstreicht für Nicola Leibinger-Kammüller: „Das ganze Land ist ein Schlingpflanzenteich.“ Und man ahnt: Die Bürokratie setzt auch den größten Optimisten zu.

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