Zwischen Hip-Hop und Stäffele
: Ein Spiel für lange Autofahrten

Lange Autofahrten können ganz schön langweilig sein. Bartek und Kaas von den Orsons schaffen Abhilfe: Lasst uns Abenteuerpfeil spielen!
Von
Bartek Nikodemski
Stuttgart
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Quer durchs Land cruisen die Orsons immer wieder. Gut, wenn man dabei etwas machen kann, was die Langeweile erträglicher macht.

/privat

Mein Beruf führt mich immer wieder quer durch Deutschland. Mittlerweile gibt kaum noch eine Raststätte, deren lauwarm vertrocknete Wurst ich noch nicht probiert hätte. Jedes Autobahnkreuz und die meisten Dauerbaustellen sind mir ein Begriff. Und auf vielen langen Autofahrten hatte ich das Vergnügen, einen wichtigen Kopf und Zeitgenossen an meiner Seite zu haben: meinen Orsons-Freund Kaas!

Richtung: Abenteuer!

Um jegliche aufkommende Langeweile aufkommen zu lassen, haben wir ein neues Spiel erfunden: den Abenteuerpfeil! Seine Anfänge gehen einige Jahre zurück. Auf einer unserer illustren Fahrten von Stuttgart nach Berlin ist uns damals etwas Folgenreiches passiert: Wir wurden unerwartet durch eine Villengegend am Rande von Berlin umgeleitet. Da wir schon jedes neu erschienene Rap-Album durchgehört hatten und etwas matt von der Fahrt waren, kam es uns sehr gelegen, dass Kaas hinter einem Umleitungsschild, an einem Baum befestigt, einen Zettel entdeckte, auf dem mit schwarzem Edding ein Pfeil zu sehen war. Warum nicht dem Pfeil folgen? Wir waren sofort hellwach.

Einige Minuten sind wir durch begrünte Straßen gefahren, moderne Wohnhäuser wechselten sich mit alten Prunkbauten ab. Da! Der nächste Pfeil. Zack, abgebogen. Wir kicherten und fühlten uns, als ob wir etwas ganz Großem auf der Spur wären. Was hatten die mysteriösen Pfeile zu bedeuten? Waren wir zufällig Teil einer Autoschnitzeljagd geworden? Oder hatte eine Gruppe Jugendlicher ein geheimes Treffen organisiert? Oder führten die Pfeile auf eine Geburtstagsfeier im Garten eines dieser crazy teuren Häuser?

Kaas riss das Steuer erneut herum, diesmal nach links. Wir fanden einen weiteren Pfeil auf einem Zettel, dieses Mal mit Klebeband an einer Ampel befestigt. Wir fuhren in ein Waldgebiet ein. Eine Viertelstunde später entdeckten wir ein Umleitungsschild, hinter dem ein weiterer Zettel mit einem Pfeil angebracht war – daneben ein großes Plakat, das ein zwei Tage zurückliegendes Fahrradrennen durch Kleinmachnow bewarb! Ah ja, jetzt war alles klar.

Ein neues Spiel war geboren: der Abenteuerpfeil

Doch wir hatten Blut geleckt. Von nun an, da waren wir uns einig, würden wir auf unseren gemeinsamen Fahrten einen Abenteuerpfeil ausrufen. Da es auf Autobahnen aber selten Zettel mit Pfeilen drauf gab, denen man spontan ins Unbekannte folgen konnte, entschieden wir uns für folgende Spielregeln für den Abenteuerpfeil:

Wenn eine Fahrt etwas träge zu werden droht, schaut man sich die schönen braunen Schilder an, die wichtige, altbekannte lokale Sehenswürdigkeiten am Rande der Fahrbahn bewerben. Wenn etwas komisch, weird und/oder lustig klingt, biegen wir ab und besuchen diesen Ort. Regel Nummer zwei: Er sollte nicht weiter als 20 Minuten von der Ausfahrt entfernt sein. Ansonsten: Feuer frei!

Orte, die man sonst nicht besucht

Ob zum Mittagessen, für einen kleinen Spaziergang oder zum Meditieren, so viele schöne Orte hat uns dieser Brauch schon beschert. Wir waren als Orsons gemeinsam in der „Einhornhöhle“, besuchten Nietzsches Geburtshaus, besuchten die sehr triste Stadt Dessau (ein Bauhaus-Museumsschild hatte uns angelockt), flanierten durch Weimar auf den Spuren Schillers und Goethes und lernten den Thüringer Wald aus nächster Perspektive kennen.

Vor allem für eine Essenspause auf einer langen Fahrt bietet der Abenteuerpfeil eine zauberhafte Alternative zu herkömmlichen Raststätten. Er eignet sich aber auch einfach, Deutschland besser kennenzulernen. Ich kann nur empfehlen, bei braunen touristischen Hinweisschildern oder „Unterrichtungsschildern“, wie sie auch heißen, hin und wieder spontan rauszufahren und das abgebildete Objekt zu erkunden. Ich habe noch fast keinen Abenteuerpfeil bereut (Grüße an Dessau).

Man kommt zwar ein bis zwei Stunden später am Ziel an, aber man ist um viele Geschichten, Gerichte und Eindrücke reicher.

Nächste Ausfahrt: Da lang ->

Euer Bartek

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