Zwischen Hip-Hop und Stäffele: K.I. versus Kolumnist: Nimmt mir ChatGPT den Job weg?

„Schreib eine Kolumne für mich!“ Bartek hat eine der individuellsten Textformen versucht die K.I. verfassen zu lassen.
/Petra XayaphoumHeute gibt es etwas längst Überfälliges: eine Kolumne, von Deppseek und ChatGPT verfasst!
Die neue kreative Tätigkeit ist hier ja nicht die Sache selbst, sondern der Eingabebefehl für die künstliche Intelligenz. Das Prompten. Man verwendet alle Kraft in die Beschreibung und Ausführung und Eingrenzung eines Themas, gibt Vorgaben zu Struktur und Länge eines Textes.
Bloß nicht selber schreiben, oder zumindest nicht zu viel: 650 Wörter sollen es sein, dazu Meta Gags und sich selbst (also die K.I.) etwas aufs Korn nehmen.
Kann eine K.I. Kolumnen schreiben?
Hier kommt das Ergebnis (die in Klammern gesetzten Kommentare sind von mir):
„‘Prompten‘ könnte tatsächlich als eine neue Art des Schreibens betrachtet werden, besonders im Kontext von KI-gestützter Textgenerierung. Während traditionelles Schreiben auf dem eigenen Formulieren von Sätzen und Gedanken basiert, besteht das Prompten darin, gezielte Eingaben zu machen, die eine KI dazu bringen, gewünschten Text zu erzeugen.
Es verändert also den kreativen Prozess: Statt alles selbst zu formulieren, entwickelt man die Fähigkeit, durch präzise und kreative Anweisungen den besten Output aus einer KI herauszuholen. Manche sehen das als eine neue Form des Schreibens, andere eher als eine Art Regiearbeit oder Co-Kreation mit einer Maschine.
Gutes Prompting ist die Königsdisziplin
Früher galt: Wer gut schreiben konnte, dem lag die Welt der Worte zu Füßen. Doch heute? Heute ist gutes Prompting die neue Königsdisziplin. Während einst Sprachgefühl, Stil und feinsinniger Witz gefragt waren, geht es nun darum, Maschinen genau das zu entlocken, was man selbst nicht mehr in Worte fassen will oder kann. Willkommen in einer Welt, in der das eigentliche Talent darin besteht, präzise zu fragen, anstatt kunstvoll zu formulieren.
Man sagt ja, man solle mit dem Fortschritt gehen. Aber was, wenn der Fortschritt so unverschämt schnell rennt, dass man ihn nur noch von hinten sieht, wie einen Jogger am Sonntagmorgen, der einen um Haaresbreite vom Radweg schubst? So fühlt sich das an mit dieser Künstlichen Intelligenz. Die rennt nämlich nicht, die sprintet. Und ich, ich versuche tapfer, hinterherzuwanken. (Guter Versuch, direkt ein Sport-Bild, das passt gut zu mir.)
Jetzt schreiben also Maschinen. Schreiben! Wo wir uns Menschen doch so viel auf unser Talent, unseren Stil und unser Fingerspitzengefühl eingebildet haben. Ich wette, irgendwo weint gerade eine Germanistik-Studentin in ihren Matcha Latte, weil sie ahnt, dass selbst ihre furchtbar komplizierte Masterarbeit über „Metaphorik als transzendentes Bindeglied zwischen Existenzialismus und postmoderner Poesie“ demnächst von einem Algorithmus getippt werden könnte.
Alle schreiben alles mit K.I.
Aber was schreibe ich da? Es gibt ja schon Menschen, die ihre Bewerbungsschreiben, ihre Liebesbriefe und vermutlich auch die ein oder andere Scheidungserklärung von K.I.s formulieren lassen. Der Duden weint leise, während ChatGPT charmant und geschmeidig Sätze formt, die so perfekt sind, dass man fast vergisst, dass sie eigentlich zu perfekt sind.
Und da kommen wir zum wunden Punkt: Perfektion ist gar nicht so erstrebenswert, wie man meint. Ein Mensch, der schreibt, macht Fehler. Und Fehler sind, das wusste schon die erste Vokabelarbeit in der fünften Klasse, meistens der unterhaltsamste Teil. Da wird aus ‚Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung‘ schon mal ein ‚Ich freue mich auf Ihre Rückenschmerzen‘ – und aus Versehen wird Literatur. (Ein Gag über Autokorrektur? Der letzte Satz als Aphorismus gefällt mir dann aber doch.)
Maschinen schreiben nicht mit Gefühl
Doch ich will hier nicht klingen wie der Grantler, der im Schwabenland jede Baustelle für einen persönlichen Angriff hält (da lang!). Tatsächlich finde ich es faszinierend, dass eine Maschine schreiben kann. Und schreiben kann sie wirklich. Manchmal mit einer Präzision, die fast unheimlich ist. Aber – und jetzt kommt der wichtige Teil – Maschinen schreiben nicht mit Gefühl, sie schreiben mit Daten. Und das ist ein gewaltiger Unterschied.
Was passiert also, wenn wir das Schreiben den K.I.s überlassen? Vielleicht gar nicht so viel. Vielleicht nur das, was man ohnehin niemand lesen wollte. Der verunglückte Firmennewsletter, der so spannend ist wie eine Bedienungsanleitung für Knäckebrot. Oder die Gebrauchsanweisung für den nervigen Ex-Freund, die man schon dreimal entsorgen wollte. (Was bedeutet dieser Satz? Welcher Ex-Freund und wieso hat er eine Gebrauchsanweisung? Ich check‘s nicht, das ist mir zu hoch. Muss man die entsorgen, diese Gebrauchsanweisung? Vielleicht hat ChatGPT hier einen Stolperstein eingebaut, um zu zeigen, dass es nicht perfekt ist – oder es gibt andere Redewendungen im K.I.versum? Keine Ahnung!)
Für all das – bitte, liebe K.I., tob dich aus.
Aber wenn’s um Herz geht, um Witz und um diese eigentümlich menschliche Art, zwischen den Zeilen zu tanzen, wird die Maschine immer ein bisschen so wirken, als ob sie mit angezogener Handbremse fährt. Sie ist höflich, akkurat und tadellos – aber sie wird nie das Gefühl haben, dass sie beim Schreiben gerade etwas Unglaubliches erschafft. Etwas, das auch dann lebt, wenn es fehlerhaft, verwirrend oder schlichtweg nicht perfekt ist.
Also nein, ich fühle mich nicht bedroht. Zumindest nicht mehr, als ich mich von veganen Maultaschen bedroht fühle.
Die machen mich auch nicht arbeitslos, nur traurig (yes!). Schreiben mit K.I.? Soll’s machen (hä?). Vielleicht sogar gut. Aber solange es uns Menschen gibt, die mit Leidenschaft ins Tastenbrett hauen, wird K.I. nur immer eines sein: ein charmantes Werkzeug. Und kein Künstler.
Gut, vielen Dank liebe K.I.“
Zeitsparend mit K.I. schreiben? Na ja.
Ich habe im Prompt nichts davon erwähnt, dass sich die künstliche Intelligenz sich am Ende etwas kleiner machen soll und das menschliche Schreiben positiv hervorheben. Das kam von ihr selbst. Zeit hat es gespart irgendwo, aber das Feld des Promptens nimmt, wenn man es gut machen will, auch wiederum viel Zeit in Anspruch.
Ich sehe schon, wie wir bald, anstatt einen Roman, lieber den ausführlichen Prompt zum Roman lesen. Das wäre ein logischer Schritt für uns Menschen, die so gerne die Welt irgendwie nachbilden, ob virtuell oder im Kleinformat oder sonstwie, anstatt sich bis ins Letzte mit der gegebenen zu befassen. Diese ist aber auch echt langweilig (lol).
Also gut, weiter im Text.
Bis bald,
euer Bartek