Zwischen Hip-Hop und Stäffele
: Warum jetzt alle einen Airfryer haben

Bartek von den Orsons hat’s lange geschafft, am Airfryer vorbeizukochen. Doch nun hat sich das Ungetüm ungefragt in seine Küche gestellt. Wozu braucht man das blöde Ding eigentlich?
Von
Bartek Nikodemski
Stuttgart
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Waren sich anfangs nicht ganz grün: der Airfryer und Bartek von den Orsons.

privat

Wir alle kennen es, wenn wir irgendwo late to the party sind. Internet? Wird sich nicht durchsetzen. Airfryer? Voll der Klump, ich brauche nicht noch ein Gerät in der Küche. Ich habe doch einen Ofen, was los?!

Zum Glück müssen wir mit unseren Meinungen und Überzeugungen nicht für immer festgefahren bleiben, sondern haben die Chance, unsere Standpunkte zu überdenken und zu ändern. Herrlich, so ein Sinneswandel!

Fryer war alles besser!

Nun war meine Meinung zur Beschaffung einer Heißluftfritteuse bis vor Kurzem genau dieselbe, wie die zur Beschaffung eines Thermomix-Küchengeräts: Was soll ich damit?! Nur faule oder nicht sonderlich am Kochen interessierte Menschen brauchen derartige Hilfe von einer Maschine, lautete meine Meinung (und wenn es ums Allrounder-Küchengerät geht, bleibe ich auch dabei).

Eines Abends, nachdem ich eine Woche in Berlin unterwegs gewesen war, kam ich nach Hause und meine Partnerin hatte uns einen Airfryer in die Küche gestellt. Einfach so! Das schwarze Teil war nicht sonderlich groß, sah sogar in unserer Küche neben dem Wasserkocher – an der Stelle, wo sonst der Toaster gestanden hat – recht schmuck aus. Soviel musste ich zugeben. Ich blickte den ganzen Abend lang misstrauisch zu dem Neuzugang herüber, dessen bloßer Anblick mich provozierte und wusste nicht recht, was sagen. Doch meine Partnerin meinte „entspann dich, du musst nichts tun – ich mach uns was“.

Zwei Lachs-Filets wurden innerhalb von nicht mehr als zwei Minuten mit Teriyaki-Soße eingerieben, mit Salz und Pfeffer gewürzt und rein in die Schublade des Airfryers geschoben. Dann wurde das Gerät eingeschaltet. Ich beobachtete genau, ob da vorgeheizt wurde oder so. Nichts dergleichen!

Schneller frittieren als man gucken kann

Ab Einschalten der Heißluftfritteuse bis zum Servieren vergingen genau 13 Minuten. Und dann hatten wir einen sagenhaft perfekt gegarten Lachs auf unserem Teller. Ich war sprachlos. Aß und sagte erstmal nichts. Gedanklich hatte mich dieser eine Vorgang schon von der Sinnhaftigkeit des Geräts überzeugt. Aber muss man sich als enthusiastischer Hobbykoch nicht schämen, so ein Ungetüm zuhause zu haben?

Meiner Mutter jedenfalls winkte ab. Ihre Nachbarn hätten einen Airfryer gehabt, aber damit könne man nicht mal gescheite Pommes machen. Die kämen lätschig raus. Stimmt, an Pommes hatte ich noch gar nicht gedacht. Die Heißluftfritteuse musste weiteren Tests unterzogen werden!

Test 1, 2, 3

Gesagt, getan: Eine Liste mit Gemüse- und Kartoffel-Rezepten für den Airfryer musste her. Innerhalb von vier Tagen hat mein Leben eine 360-Grad-Wende gemacht (Baerbock-Voice).

Das Lätschige-Pommes-Gerücht stellte sich als das raus was es war: ein Gerücht. Die Tiefkühlpommes kamen nach 15 Minuten perfekt goldgelb gebacken aus dem neuen Gerät heraus. Ohne jegliches Frittieröl oder Vorheizen. Ich flipp aus.

Quick-Rezept für vegane Wings

Und schnell hatte ich mein Airfryer-Lieblingsrezept ausgemacht: Blumenkohl-Wings!

Man gibt zwei bis drei Löffel Mehl in eine Schüssel und fügt für den Extra-Crunch etwas Paniermehl sowie Gewürze seiner Wahl hinzu. Bei mir sind es Salz, Zwiebelpulver (!), Cayenne Pfeffer, Zitronensaft, Chiliflocken und schwarzer Pfeffer. Dann gießt man – je nach Geschmack – Milch oder Wasser nach, etwa ein halbes/dreiviertel Glas. Das Ganze rührt man nun, bis eine pfannkuchenteigartige Masse entsteht.

Jetzt kommen die Blumenkohlröschen hinein und werden mit der Masse ordentlich vermengt. Und dann geht’s für sie schon ab in die Airfryer-Schublade bei 180 Grad! Nach etwa 14 bis 17 Minuten sind die Dinger fertig und schmecken phänomenal!

Das Gefühl der Fryheit

Maronen gelingen in der Heißluftfritteuse ebenso perfekt wie Pizza-Baguettes aus der Tiefkühltruhe. Pollo Fino oder weichgekochte Eier? Kein Problem für den Airfryer.

Ich könnte jetzt alle möglichen Rezepte aufzählen. Doch eigentlich geht’s mir um meine Meinungsänderung, um meinen Opinion Jump, der mir trotz meiner festgefahrenen Meinung gelungen ist. Sich auf neue Dinge einlassen zu können, seine Vorurteile beiseitelegen zu können: Das ist viel Wert.

Euer Bartek

P.S.: Weil ich nicht anders konnte, habe ich natürlich sofort bei den Orsons-Brüdern im Gruppenchat von meiner Neuentdeckung geprahlt. Prompt bekam ich Fotos aus deren Küche, in der wie selbstverständlich schon längst Airfryer standen.

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