Mallorca: 10.000 demonstrieren mit Menschenkette für beliebten Strand

Drei Kilometer Menschenkette am bekannten Naturstrand im Süden Mallorcas.
IMAGO/Europa PressMallorcas Naturstrand Es Trenc als Schauplatz eines Großprotests: Am Sonntag versammelten sich rund 10.000 Menschen im Süden der Insel, um ein Zeichen für den Naturschutz und gegen ausufernden Massentourismus zu setzen.
Die Aktion, die von den namhaften Umweltorganisationen GOB und Terraferida sowie der Bürgerplattform „Menys Turisme, Més Vida“ (Weniger Tourismus, mehr Leben) organisiert wurde, übertraf alle Erwartungen. Die Teilnehmer bildeten eine knapp drei Kilometer lange Menschenkette, die sich teilweise direkt durch das flache, türkisblauem Wasser zog.
Drei Kilometer lange Menschenkette auf Mallorca
Unter dem Motto „Es Trenc no es toca“ (Hände weg von Es Trenc) richtet sich der friedliche, aber lautstarke Protest direkt gegen die aktuelle Politik der Balearen-Regierung.
Hintergrund der Aufregung ist eine geplante Gesetzesänderung der Regionalregierung. Umweltverbände und Einheimische befürchten, dass bestehende Schutzauflagen in Naturschutzgebieten und auf unberührten Flächen aufgeweicht werden könnten, falls Kompetenzen vom gewählten Balearen-Parlament auf die Inselräte von Mallorca und Ibiza übergehen.

Viele Kilometer Sandstrand: Es Trenc Strand und Colònia de Sant Jordi auf Mallorca.
IMAGO/ZoonarAuf der luxuriösen Nachbarinsel könnten bis zu 15 Quadratkilometer Agrarfläche zu Bauland umgewidmet werden, befürchtet die linke Opposition. Ähnliches könnte demzufolge auch im Bereich Es Trenc drohen, obwohl dort bislang strenger Naturschutz gilt. Das bestreitet jedoch die rechte Balearen-Regierung, die sich auf die konservative Volkspartei PP und die Rechtspopulisten von Vox stützt. Francina Porquer, die PP-Bürgermeisterin der Anrainergemeinde Campos, tauchte im Bikini bei der Protestveranstaltung auf und wollte ihren Standpunkt erklären. Allerdings wurde ihr von den Organisatoren nicht das Wort erteilt.
Mallorca-Protest schon 1983 am Strand von Es Trenc
Es Trenc steht symbolisch für die Zerreißprobe der Insel: Einerseits ist der Strand ein weltbekanntes Postkartenmotiv und Magnet für Urlauber, andererseits ein hochsensibles Ökosystem mit Dünenlandschaften, das unter dem menschlichen Druck leidet. Eine direkte Zufahrt ist seit einigen Jahren nur noch in der Nebensaison möglich. Stattdessen gibt es nun Auffang-Parkplätze und Zubringer-Busse.
Dass etwas an den aktuellen Befürchtungen dran sein könnte, zeigt die Geschichte: 1983 kamen mehr als 10.000 Menschen in die Stadtmitte von Palma, um das Projekt einer schwedischen Firma zu stoppen, die auf den Dünen des Strands bauen wollte. Die Bürger hatten damals Erfolg und markierten einen historischen Erfolg für die Umweltbewegung in ganz Spanien.
2012 gab es dann eine Menschenkette gegen ein geplantes Hotel mit Golfplatz im benachbarten Sa Ràpita. Auch dieses Vorhaben scheiterte. Mit an vorderster Front kämpft seit Jahrzehnten die Natur- und Vogelschutz-Vereinigung GOB (Grup Balear d’Ornitologia). Neu mit dabei sind nun aber auch jüngere Bündnisse, die sich gegen überzogenen Massentourismus wehren, etwa „Menys Turisme, Més Vida“ („Weniger Tourismus, mehr Leben“). Für 26. Juli ist erneut eine Großdemonstration in Palma geplant.
