116 Kinder unter den Opfern
: Royals gedenken der Katastrophe von Aberfan

Ein bewegender Termin für die britischen Royals: König Charles III., Königin Camilla und Prinz William haben in Wales an die Opfer des Aberfan Disasters erinnert.
Von
Katrin Jokic
Aberfan
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Jahrestag der Katastrophe von Aberfan: Der britische König Charles III. und Königin Camilla legten Kränze nieder, beobachtet von der letzten noch lebenden Lehrerin der Pantglas Junior School, Mair Morgan (l), im Aberfan Memorial Garden, wo Überlebende, trauernde Eltern und Mitglieder der Gemeinde den 144 Menschen gedenken, die am 21. Oktober 1966 bei der Katastrophe von Aberfan ums Leben kamen. Der 21. Oktober markiert den 60. Jahrestag der Katastrophe, bei der 116 Kinder und 28 Erwachsene ums Leben kamen, als die Pantglas Junior School und eine Wohnstraße von Abraum aus dem Kohlebergbau verschüttet wurden. (zu dpa: «60 Jahre Aberfan: Britische Royals gedenken Erdrutsch-Opfer»)

Jahrestag der Katastrophe von Aberfan: Der britische König Charles III. und Königin Camilla legten Kränze nieder, beobachtet von der letzten noch lebenden Lehrerin der Pantglas Junior School, Mair Morgan (l), im Aberfan Memorial Garden.

Aaron Chown/Press Association/PA Wire/dpa

Am 21. Oktober 1966 ereignete sich in dem walisischen Bergarbeiterdorf Aberfan eine der schlimmsten Katastrophen der britischen Geschichte. Eine gewaltige Halde mit Kohleabfällen geriet ins Rutschen und begrub die Pantglas-Grundschule sowie mehrere Wohnhäuser unter sich. Rund 150.000 Tonnen Bergbauabfälle rasten den Hang hinab. 116 Kinder und 28 Erwachsene verloren ihr Leben. Viele weitere Menschen wurden verletzt oder traumatisiert.

Zum 60. Jahrestag der Tragödie reisten König Charles III. (77), Königin Camilla (79) und Prinz William (44) am Mittwoch nach Aberfan, um gemeinsam mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer zu gedenken. Veröffentlichte Aufnahmen zeigen, wie die Royals Blumen und Kränze an der Gedenkstätte niederlegen und sich Zeit für persönliche Gespräche mit den Betroffenen nehmen.

Bei einer anschließenden Veranstaltung im Gemeindezentrum hielt Charles eine bewegende Rede. Er bezeichnete das Unglück als einen der traurigsten und tragischsten Tage, die man sich vorstellen könne. Es sei zutiefst bewegend, die Erinnerungen der Überlebenden, Hinterbliebenen und damaligen Rettungskräfte zu hören. Zugleich würdigte der Monarch den Mut und den außergewöhnlichen Zusammenhalt der Menschen in Aberfan.

Niemand sollte jemals ertragen müssen, was diese Gemeinschaft durchgemacht habe, erklärte Charles. Doch kaum jemand hätte der Tragödie mit größerer Stärke, Widerstandskraft und Hoffnung begegnen können.

Queen Elizabeth II. wurde für ihre späte Reaktion kritisiert

Für die britische Königsfamilie ist das Gedenken an Aberfan auch deshalb besonders bedeutsam, weil die Katastrophe mit einem umstrittenen Kapitel der Regentschaft von Queen Elizabeth II. verbunden ist.

Die 2022 verstorbene Monarchin besuchte den Unglücksort damals erst acht Tage nach dem verheerenden Erdrutsch – und damit nach einer großen Trauerfeier. Ihr langes Fernbleiben wurde als mangelndes Mitgefühl gegenüber den betroffenen Familien ausgelegt. Bis heute gilt die Entscheidung, nicht früher nach Aberfan zu reisen, als eines der größten Versäumnisse ihrer jahrzehntelangen Regentschaft.

Später kehrte Elizabeth II. mehrfach in die walisische Gemeinde zurück, offenbar auch, um ihre Verbundenheit mit den Hinterbliebenen zum Ausdruck zu bringen. Ihr Sohn Charles besuchte Aberfan ebenfalls bereits in der Vergangenheit.

Prinz William setzt ein besonderes Zeichen

Während Charles und Camilla mit Überlebenden, Hinterbliebenen und ehemaligen Rettungskräften zusammentrafen, besuchte Prinz William zusätzlich die Ynysowen Community Primary School. Dort enthüllte der Thronfolger einen Gedenkbaum aus Metall, der an die Opfer der Katastrophe erinnern soll.

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich zuvor intensiv mit dem Unglück beschäftigt und eigene Gedichte verfasst. William hörte ihnen aufmerksam zu und zeigte sich beeindruckt von ihrem Engagement. Es zeige, dass sich auch die nächste Generation an die Opfer erinnere und ihr Schicksal nicht in Vergessenheit gerate, erklärte der Prinz.

Die Tragödie von Aberfan beschäftigt Großbritannien bis heute. Eine offizielle Untersuchung machte damals die staatliche Bergbaugesellschaft National Coal Board für das Unglück verantwortlich. Strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen wurde jedoch niemand.

Mit ihrem gemeinsamen Besuch wollten Charles, Camilla und William nun nicht nur der 144 Todesopfer gedenken, sondern auch ihre Solidarität mit einer Gemeinde zeigen, die bis heute von den Ereignissen des 21. Oktober 1966 geprägt ist.