Aber keine Entschuldigung
: König Charles erkennt Leid durch Sklaverei in der Karibik an

Zum Auftakt seiner Karibikreise hat König Charles III. das Leid durch die koloniale Vergangenheit Großbritanniens anerkannt. Entschädigungen sind jedoch nicht vorgesehen.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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König Charles III. auf den Bahamas: König Charles III. unterhält sich mit den Darstellern, als er die „Future Bahamas Youth Rally and Exhibition“ im Clifford Park in Nassau verlässt, wo er sich Darbietungen und Ausstellungen der nächsten Generation von Bahamanern angesehen hat, um die Bedeutung der jungen Menschen für die Zukunft der Bahamas und des Commonwealth zu unterstreichen. (zu dpa: «Britischer König erkennt «großes Leid» der Sklaverei an»)

König Charles III. auf den Bahamas: König Charles III. unterhält sich mit den Darstellern, als er die „Future Bahamas Youth Rally and Exhibition“ im Clifford Park in Nassau verlässt, wo er sich Darbietungen und Ausstellungen der nächsten Generation von Bahamanern angesehen hat, um die Bedeutung der jungen Menschen für die Zukunft der Bahamas und des Commonwealth zu unterstreichen.

Ben Stansall/PA Wire/dpa

König Charles III. hat seine neuntägige Reise durch die Karibik mit einem Hinweis auf das historische Unrecht der Sklaverei begonnen. Bei einer Veranstaltung mit jungen Menschen auf den Bahamas sprach der britische Monarch vom „großen Leid der Vergangenheit“. Die Kultur des Inselstaates sei aus einer dunklen Geschichte hervorgegangen. Es sei daher nur richtig, die historischen Ungerechtigkeiten anzuerkennen.

Der Besuch findet vor dem Hintergrund wachsender Forderungen mehrerer Karibikstaaten statt, die von Großbritannien eine offizielle Entschuldigung und Entschädigungszahlungen für die jahrhundertelange Versklavung und Ausbeutung von Menschen verlangen.

Der Buckingham-Palast hatte bereits vor Reisebeginn erklärt, dass sich Charles mit dem kolonialen Erbe und den Folgen des Sklavenhandels auseinandersetzen werde. Eine formelle Entschuldigung oder die Zusage von Reparationszahlungen sei jedoch nicht geplant. Damit folgt der König der Haltung der britischen Regierung.

Proteste bei Empfang auf den Bahamas

Am Dienstag wurde Charles nach seiner Ankunft auf den Bahamas von Generalgouverneurin Cynthia A. Pratt und Premierminister Philip Edward Davis empfangen. Anschließend nahm er eine militärische Ehrenformation ab.

Seinen ersten öffentlichen Auftritt absolvierte der König bei einer Jugendveranstaltung im Clifford Park in der Hauptstadt Nassau. Dort hatte er bereits 1973 als damaliger Prinz von Wales an den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit der Bahamas teilgenommen.

Während zahlreiche junge Menschen den Monarchen begeistert empfingen, versammelte sich in der Nähe eine kleine Gruppe von Demonstranten. Rund ein Dutzend Menschen forderten Großbritannien auf, Entschädigungen zu zahlen und während der Kolonialzeit geraubte Kulturgüter zurückzugeben.

Eine Demonstrantin, Sharon Purcer-Cooper, verwies auf den politischen Einfluss des Monarchen. Sollte Großbritannien den ehemaligen Kolonien keinen Respekt entgegenbringen, müsse auch über die Abschaffung der Monarchie und die Gründung einer Republik nachgedacht werden.

König warnt vor Folgen des Klimawandels

Neben der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte stellte Charles den Klimaschutz in den Mittelpunkt seiner Rede. Der 77-Jährige engagiert sich seit mehr als fünf Jahrzehnten für Umwelt- und Klimafragen.

Besonders die tief liegenden Inselstaaten der Karibik seien durch den Klimawandel bedroht. Charles rief die jungen Menschen dazu auf, Verantwortung für den Schutz der Erde zu übernehmen. Künftige Generationen würden daran gemessen, wie sie auf die Herausforderungen für den Planeten reagiert hätten.

Im weiteren Verlauf seines Aufenthalts auf den Bahamas will sich der Monarch über die Folgen des Klimawandels für die Inseln informieren. Außerdem steht die traditionelle Junkanoo-Kultur auf dem Programm, die insbesondere für ihre farbenfrohen Straßenumzüge und Musik bekannt ist.

Kolonialgeschichte auch Thema beim Commonwealth-Gipfel

Die Reise führt Charles neben den Bahamas auch nach Guyana sowie Antigua und Barbuda. Nach Angaben des Buckingham-Palastes sind mehrere Besuche an Gedenkstätten vorgesehen, die an die Geschichte des Sklavenhandels erinnern.

Zugleich soll die Reise die Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und den Staaten der Karibik stärken. Im Mittelpunkt stehen dabei gemeinsame Zukunftsprojekte, insbesondere in den Bereichen Umwelt, Biodiversität und wirtschaftliche Entwicklung.

In Guyana wird sich Charles vor allem mit Natur- und Artenschutz beschäftigen. Anschließend reist er nach Antigua und Barbuda weiter, wo Königin Camilla zu ihm stoßen wird.

Dort findet zum Abschluss der Reise das Treffen der Regierungschefs des Commonwealth statt. An dem Gipfel nehmen Vertreter der 56 Mitgliedstaaten teil. Auch die Folgen der Sklaverei und die Forderungen nach Wiedergutmachung sollen zur Sprache kommen.

Für Charles ist es die erste offizielle Karibikreise seit seiner Thronbesteigung. Der Besuch verdeutlicht das Spannungsfeld, in dem sich die britische Monarchie bewegt: Während Charles das historische Unrecht anerkennt, bleiben die Forderungen ehemaliger Kolonien nach einer offiziellen Entschuldigung und finanzieller Wiedergutmachung bislang unerfüllt.