Adipositas bei Vorschulkindern: Armut zeigt sich schon vor der Einschulung auf der Waage

Noch vor dem ersten Schultag zeigen sich erhebliche gesundheitliche Unterschiede zwischen Kindern. (Symbolbild)
Fabian Sommer/dpaIn sozial benachteiligten Regionen sind Vorschulkinder deutlich häufiger übergewichtig. Das zeigen Daten des Robert Koch-Instituts. Zwischen einzelnen Kreisen liegen die Werte weit auseinander.
Noch vor dem Schulstart zeigen sich deutliche gesundheitliche Unterschiede. Für eine Studie des Robert Koch-Instituts wurden die Daten von rund 4,27 Millionen Kindern im Alter von vier bis sieben Jahren ausgewertet.
Im Durchschnitt waren 10,3 Prozent der Kinder übergewichtig. 4,3 Prozent hatten Adipositas, also starkes Übergewicht. Zwischen Mädchen und Jungen gab es nur geringe Unterschiede.
Mehr Adipositas in benachteiligten Regionen
Besonders deutlich ist der Zusammenhang mit der sozialen Lage des Wohnorts. Für das Jahr 2019 verglichen die Forschenden Kreise mit niedriger, mittlerer und hoher sozialer Benachteiligung.
In wenig benachteiligten Kreisen waren 8,8 Prozent der Kinder übergewichtig und 3,5 Prozent adipös.
In stark benachteiligten Kreisen waren es dagegen 12,8 Prozent übergewichtige und 5,8 Prozent adipöse Kinder.
Adipositas kam dort also rund zwei Drittel häufiger vor.
Die Studie beweist allerdings nicht, dass der Wohnort allein die Ursache ist. Sie zeigt einen deutlichen Zusammenhang. Mögliche Gründe sind weniger Geld für gesunde Lebensmittel, fehlende Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten oder schlechter erreichbare Freizeitangebote.
Stadt oder Land ist weniger entscheidend
Auch zwischen Stadt und Land gab es laut Studie des RKI Unterschiede. In städtischen Kreisen waren die Werte etwas niedriger als in ländlichen Regionen und Großstädten. Der Abstand war jedoch deutlich kleiner als der Unterschied zwischen sozial besser und schlechter gestellten Kreisen.
Die soziale Lage scheint damit wichtiger zu sein als die Frage, ob ein Kind auf dem Land oder in der Stadt lebt.
Am niedrigsten war die Adipositasquote mit 2,6 Prozent in wenig benachteiligten ländlichen Kreisen mit Nähe zu Städten. Am höchsten lag sie mit 6,0 Prozent in stark benachteiligten Großstädten.

Viele Kinder sind zu dick - das zeigt eine Auswertung der Schuleingangsuntersuchungen. (Symbolbild)
Markus Scholz/dpaGroße Unterschiede zwischen den Regionen
Im Salzlandkreis (Sachsen-Anhalt) sind nach den Daten des AdiRaum-Dashboards 8,8 Prozent der untersuchten Kinder adipös. Insgesamt gelten 17,7 Prozent als übergewichtig – darin sind die adipösen Kinder bereits enthalten.
Ähnlich hoch sind die Werte in Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt). Dort sind 8,6 Prozent der Kinder adipös und 17,2 Prozent übergewichtig. In Offenbach am Main (Hessen) liegen die Anteile bei 8,1 beziehungsweise 16,9 Prozent.
In anderen Regionen sind die Werte deutlich niedriger. In Heidelberg (Baden-Württemberg) sind 1,8 Prozent der Kinder adipös und 6,5 Prozent übergewichtig. Im Landkreis München (Bayern) sind es 1,5 beziehungsweise 5,1 Prozent, in Starnberg (Bayern) 1,4 beziehungsweise 4,7 Prozent.
Damit ist der Anteil adipöser Vorschulkinder im Salzlandkreis mehr als sechsmal so hoch wie in Starnberg. Bei Übergewicht ist der Wert knapp viermal so hoch.
