Amerikas tragische Heldin
: Vor 20 Jahren starb Jackie Kennedy

Vor 20 Jahren, am 19. Mai 1994, erlag Jackie Kennedy dem Krebs. Ihr Mythos aber ist lebendiger denn je. Und jede First Lady muss sich an Jacqueline Bouvier Kennedy  messen lassen.
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Stuttgart
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  • Jack und Jackie - US-Präsident John F. Kennedy und seine Frau Jacqueline haben dem Weißen Haus ihren Stempel aufgedrückt wie kaum ein Präsidentenpaar vor oder nach ihnen. Was macht den Mythos dieser beiden aus?

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  • John F. Kennedy, 1917 als Sohn des Self-made-Millionärs Joseph Kennedy und seiner Frau Rose geboren, verdient sich im Zweiten Weltkrieg als Schnellbootkommandant im Südpazifik seine Meriten als Kriegsheld.

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  • 1952 wird John F. Kennedy Senator von Massachusetts, ein Jahr später heiratet er die junge Fotoreporterin und Tochter aus gutem Hause, Jacqueline Lee Bouvier. Die 23-Jährige erdet den jungen, als Schwerenöter bekannten Demokraten.

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  • Das frisch verheiratete Paar zieht in ein Stadthaus in Georgetown. Jackie tut sich - anders als beispielsweise Roberts Frau Ethel - schwer damit, sich dem alles berrschenden Kennedy-Clan unterzuordnen.

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  • Nach einer Fehlgeburt bringt Jackie 1957 Caroline zur Welt, drei Jahre später folgt John jr. - da ist JFK schon mitten in den Vorbereitungen für seinen nächsten politischen Schritt: Er will Präsident der Vereinigten Staaten werden.

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  • 1961 ist Kennedy am Ziel seiner Wünsche - mit nur 43 Jahren wird er zum Präsidenten gewählt. Er will frischen Wind in das Oval Office bringen. "Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt", ist der viel zitierte, zentrale Satz seiner Vereidigungsrede.

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  • Was die Öffentlichkeit nicht wissen darf: Der Präsident ist gesundheitlich stark angeschlagen, nimmt starke Medikamente und trägt ein Stützkorsett, weil ihn rasende Rückenschmerzen plagen.

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  • Rasch wird Jackie zur bewunderten Stilikone ihrer Zeit: Was die First Lady trägt, wird tausendfach kopiert. Jackie erwählt den jungen Designer Oleg Cassini als Leibschneider - er kreiert den legendären Jackie-Look.

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  • Unter Jackies Ägide wird das Weiße Haus zur Anlaufstelle von Schriftstellern, Musikern und Showstars.

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  • Es sind Bilder wie dieses, die die Regierung Kennedy gerne öffentlich machen: Der kleine John John, der mit seinem Vater durch das Weiße Haus trappelt. "Schaut her, wir sind jung und modern", sollen diese Szenen vermitteln.

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  • Doch das Ehepaar Kennedy ist bei weitem nicht so glücklich und harmonisch, wie diese Bilder vermuten lassen: Die Affären ihres Mannes machen Jackie zu schaffen.

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  • Doch in ihrer stoischen Haltung ist sie längst eine Kennedy geworden. Niemals verliert sie ein Wort über JFKs Eskapaden.

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  • "Sie mochte es nicht, dass Jack mit anderen rummachte. Sie war sehr wütend darüber", zitierte ihr Biograph einen engen Freund des Präsidenten. "Aber sie war bereit, wegzusehen, solange er vorsichtig war."

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  • Im Oktober 1962 bringt die Kuba-Krise die Welt an den Rand eines Atomkrieges. Kennedy setzt sich durch, die Sowjets ziehen ihre Raketen von der Karibik-Insel ab. In der Folge bemüht sich der Präsident um erste Schritte in Richtung Entspannungspolitik.

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  • Am 26. Juni 1963 spricht Kennedy vor Hunderttausenden am Schöneberger Rathaus die legendären Worte: "Ich bin ein Berliner!" Damit macht der Präsident die Berliner beinahe vergessen, dass er zwei Jahre zuvor tatenlos zuschaut, wie die DDR die Berliner Mauer errichtet.

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  • Seine Berlinrede ist einer der letzten großen Auftritte Kennedys. An einem strahlenden Herbsttag in Dallas findet das Leben des Präsidenten 1963 ein jähes Ende: ...

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  • Lee Harvey Oswald erschießt John F. Kennedy, der Präsident stirbt in Jackies Armen. Später wird sie dem Journalisten Theodore White erzählen: "Auf dem ganzen Weg ins Krankenhaus habe ich mich immer wieder über ihn gebeugt und gesagt: Jack, Jack, kannst du mich hören? Ich liebe dich, Jack."

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  • Zwei Tage später wird Lee Harvey Oswald seinerseits getötet - vom Nachtclubbesitzer Jack Ruby. Eine Tatsache, die bis heute viel Raum für Spekulationen gibt, ob JFK einer Verschwörung zum Opfer fiel.

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  • Die unter Schock stehende Bevölkerung bewundert die gefasste und würdevoll trauernde Witwe.

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  • Von einem Tag auf den anderen zieht sich die 34-jährige Jackie komplett aus der Öffentlichkeit zurück und kümmert sich intensiv um ihre Kinder, die den gewaltsamen Tod ihres Vaters verkraften lernen müssen.

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  • Jacks Bruder Bobby wird in den Jahren nach dem Attentat zu Jackies engstem Vertrauten. Als auch RFK 1968 ermordert wird, will Jackie nur noch eines - weg. "In diesem Land töten sie Kennedys", soll sie erschüttert gesagt haben.

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  • Mit 39 Jahren heiratet sie den griechischen Tankermilliardär Aristoteles Onassis und folgt ihm nach Athen. Die Amerikaner sind entsetzt. "Jackie, was hast du uns angetan?", titelt eine Tageszeitung und die Medien nennen ihre ehemalige Ikone nun despektierlich "Jackie O.". Sieben Jahre später stirbt Onassis und hinterlässt seiner Frau ein geschätztes Vermögen von 200 Millionen Euro.

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  • Die Kennedys und mit ihnen Amerika nehmen ihr verlorenes Schaf gerne wieder in ihren Reihen auf. Jackie kehrt nach New York zurück und bezieht ein Appartement an der Upper East Side. Im Central Park sieht man sie mit Kindern und Enkelkindern spazieren gehen, bis zuletzt arbeitet sie für einen New Yorker Verlag als Lektorin. Ihre letzte Liebe findet sie in Maurice Tempelsman, den sie bereits aus ihrer Zeit als First Lady kennt.

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  • 1994 wird bei der 64-Jährigen Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Am 19. Mai stirbt Jackie im Kreise ihrer Familie. Sie wird an der Seite ihres ersten Mannes John beigesetzt.

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  • Das schon fast sprichwörtliche Drama der Kennedys - es geht weiter: 1998 stürzen John jr., seine Frau Carolyn Bessette und deren Schwester Lauren mit ihrem Privatflugzeug ab, als sie sich auf dem Weg zu einer Hochzeit auf Martha's Vinyard befinden. Alle drei kommen ums Leben.

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  • Kennedy-Tochter Caroline führt die Familientradition weiter und macht Politik: Die 56-Jährige ist US-Botschafterin in Japan und die erste Frau in diesem Amt.

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  • Jackie Kennedy wird unsterblich bleiben - als Schöpferin des Mythos Camelot.

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Vor 20 Jahren, am 19. Mai 1994, erlag Jackie Kennedy dem Krebs. Ihr Mythos aber ist lebendiger denn je. Und jede First Lady muss sich an Jacqueline Bouvier Kennedy  messen lassen.

New York - "Ich bin der Mann, der Jackie Kennedy nach Paris begleitet hat." John F. Kennedy wusste nur zu gut, dass selbst er als US-Präsident immer im Schatten seiner eleganten und wunderschönen Frau stand. Nur drei Jahre war Jacqueline Bouvier Kennedy First Lady der USA - die jüngste überhaupt und die Landesmutter, an der sich all ihre Nachfolgerinnen messen lassen müssen. Vor 20 Jahren, am 19. Mai 1994, erlag Jackie dem Krebs. Ihr Mythos aber ist lebendiger denn je.

Das Leben der als Jacqueline Lee Bouvier am 28. Juli 1929 geborenen, späteren First Lady war geprägt von einer Reihe persönlicher Tragödien. In den Jahren vor dem Wahlsieg ihres Mannes verlor sie ein Baby, eine weitere Tochter wurde tot geboren. 1963 überlebte einer ihrer Söhne nur zwei Tage. Wenige Monate später kam der schicksalhafte Tag in Dallas, an dem JFK einem Attentat zum Opfer fiel. Amerika trauerte immer mit seiner tragischen Heldin. Auch nach ihrem Tod fand die Familie keinen Frieden - ihr Sohn John kam 1999 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

"Es wird nie wieder ein neues Camelot geben"

Jackie galt als die letzte herausragende Überlebende des glanzvollen Camelot - diesen Namen hatte sie selbst der jugendlichen Regierungsclique um ihren Mann gegeben. „Es wird wieder große Präsidenten geben“, sagte sie dem Magazin „Life“ nach der Ermordung ihres Mannes. „Aber es wird nie wieder ein neues Camelot geben.“

Jacqueline Kennedys Vorliebe für französische Mode fand begeisterte Nachahmerinnen bei den Amerikanerinnen. Die von ihr geprägte schlanke, elegante Silhouette, kombiniert mit Kittenheel-Schuhen prägte die 60er, und sorgte nach dem eher altmodischen Stil ihrer Vorgängerin Mamie Eisenhower für frischen Wind im Weißen Haus.

In der Öffentlichkeit hielt Jackie lange das Bild der glücklichen jungen Familie aufrecht, das immer noch viel von der Faszination der Kennedys ausmacht. Ihre Heirat 1968 mit dem viel älteren griechischen Reeder Aristoteles Onassis verstörte viele US-Patrioten, denn dies passte so gar nicht in ihr Bild von der ewig trauernden Witwe. Aus Jackie Kennedy wurde Jackie O. - und das war durchaus despektierlich gemeint.

Zu Jacks Affären immer geschwiegen

Das Bekanntwerden von John F. Kennedys außerehelichen Affären - Filmstar Marilyn Monroe soll nur eine davon gewesen sein - in den Jahrzehnten nach seinem Tod trug viel dazu bei, dass die US-Öffentlichkeit Jackie wieder mit mehr Sympathie betrachtete.

Jackie wusste nach Ansicht des Autors Christopher Andersen über die Affären ihres Mannes Bescheid. „Sie mochte es nicht, dass Jack mit anderen rummachte. Sie war sehr wütend darüber“, zitierte Andersen einen engen Freund des Präsidenten, George Smathers. „Aber sie war bereit, wegzusehen, solange er vorsichtig war.“

Nach Onassis’ Tod 1975 zog sie nach New York und arbeitete als Lektorin. In New York setzte sie sich für die Erhaltung der historischen Grand Central Station ein und unterstützte in den 80er Jahren Proteste gegen einen geplanten Wolkenkratzer.

Im Januar 1994 wurde bei ihr Krebs diagnostiziert. Sie starb nur wenige Monate später, doch die Legende Jackie lebt weiter.