Berühmteste Leiche am Mount Everest: Indien will toten Bergsteiger „Green Boots“ nach 30 Jahren bergen

Der als "Green Boots" bekannte Leichnam im Jahr 2006
Dave Watson/AP/dpa- Indiens Regierung plant die Bergung von „Green Boots“ aus der Everest-Todeszone.
- Der Tote gilt nun als Dorje Morup, Ex-Mitglied der Indo-Tibetischen Grenzpolizei.
- Eine DNA-Analyse klärte laut Medien die Identität – Ausschreibung läuft seit Juni.
- Die Leiche liegt auf tibetischer Seite – China muss zustimmen, Transport nach Nepal nötig.
- Die Bergung ist riskant und erfordert mindestens sechs erfahrene Sherpas.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer auf den Mount Everest will, geht an gefrorenen Leichnamen vorbei. Mehr als 300 Menschen starben auf dem steinernen Giganten. Und viele Tote sind nach wie vor Ort, auch weil Bergungen aufwendig und teuer sind.
Mitglied der Indo-Tibetischen Grenzpolize
Indiens Regierung will die Leiche eines vor 30 Jahren gestorbenen Bergsteigers von der sogenannten Todeszone des Mount Everest in mehr als 8000 Meter Höhe bergen. Bei dem Mann handle es sich um ein ehemaliges Mitglied der Indo-Tibetischen Grenzpolizei (ITBP), berichteten die Zeitung „The Tribune“ und andere indische Medien.
Der Inder sei 1996 während einer ITBP-Expedition am höchsten Berg der Erde gestorben. Drei Mitglieder der Gruppe hatten nach der Expedition als vermisst gegolten.
Wer ist „Green Boots“?
Die Leiche erlangte in Bergsteigerkreisen traurige Berühmtheit. Wegen der grünen Stiefel an den Füßen wird sie auch „Green Boots“ genannt. Sie wurde quasi zur Wegmarke für viele Bergsteiger auf tibetischer Seite. Wie manch andere Tote am 8849 Meter hohen Berg blieb sie dort in Sichtweite der Route liegen.
Öffentliche Ausschreibung für Bergung
Wie aus einer Ausschreibung der indischen Regierung vom Juni hervorgeht, soll bis zum September eine „Agentur“ beauftragt werden, um die sterblichen Überreste des Mannes mit dem Namen Dorje Morup alias „Green Boots“ zu bergen.
Gut 30 Jahre lang wurde den Berichten zufolge über die Identität des Toten spekuliert. Die Ausschreibung legt laut „The Tribune“ nahe, dass sich die Grenzpolizei, die dem indischen Innenministerium unterstellt ist, jetzt wegen der Identität sicher ist. Wie die Medienplattform „The Better India“ unter Berufung auf amtliche Dokumente berichtete, half eine DNA-Analyse, das Rätsel zu lüften.
Bergung ist riskant
Doch ob die Leiche in den nächsten Monaten wirklich geborgen werden kann, gilt als unklar. Die Bergung erfordere angesichts der Risiken für Auf- und Abstieg mindestens sechs erfahrene Bergsteiger aus der nepalesischen Volksgruppe der Sherpas, berichtet „The Tribune“. Da die Leiche in einer Felsnische auf tibetischer Seite des Everest liege, müssten die chinesischen Behörden dem Vorhaben erst noch zustimmen.

Am Mount Everest gibt es 15 offizielle Routen. Die beiden Standardrouten sind die Südroute und die Nordroute. Die weiteren Routen sind technisch deutlich schwieriger und zum größten Teil nur einmal begangen worden.
Imago/DepositphotosRouten auf den Mount Everest
- Klassiker: Wer auf den Gipfel des Mount Everest will, hat die Qual der Wahl. 20 bisher begangene Wege führen auf das Dach der Welt. Die beiden klassischen, meist bestiegenen Routen führen über den Südostgrat sowie über den Nord- und Nordostgrat auf 8848 Meter.
- Extreme: Daneben gibt es Routen, die über den Westgrat (1963), die Südwestwand (1975), die Nordwand, den Südpfeiler (beide 1980), die Ostwand (1983), die Ostwand (Kangshung-Wand, 1988) und den Nordnordost-Couloir (1996) führen.
- Normalroute: Routenverlauf: Basislager – Khumbu-Eisfall – Tal des Schweigens (Western Cwm) – Lhotse-Flanke – Südsattel – Südostgrat – Hillary Step – Gipfel.
- Basislager - Khumbu-Eisfall: Diese Route gingen Edmund Hillary und Tenzing Norgay im Mai 1953 bei ihrer Erstbesteigung des Mount Everest. Das Basislager auf nepalesischer Seite befindet sich 540 Meter unterhalb des Khumbu-Gletschers. Diese 600 Meter hohe Eisbruch beginnt auf 5400 Meter und zieht sich bis zum Tal des Schweigens auf 6000 Meter. Die umstürzenden und brechenden Eisblöcken von teils gigantischer Größe sind extrem gefährlich und verändern sich jeden Tag je nach Wetter und Sonnenstrahlung. Jedes Jahr vor Beginn der Klettersaison im April/Mai sichern Sherpas die Passage mit Fixseilen und Leitern. Der Eisbruch gilt als einer der gefährlichsten Wege auf der Erde.

Auf der Südroute zum Gipfel des Mount Everest.
Imago/Anadolu Agency- Tal des Schweigens: Weiter geht es in das Tal des Schweigens. Dieser Talkessel beginnt auf 6000 Meter und endet nach fast fünf Kilometern auf 6780 Metern Höhe. Hier wird auch das vorgeschobene Basislager errichtet.
- Lhotse-Wand - Südsattel - Südostgrat: Von dort führt der Weg zur Lhotse-Wand auf der Westflanke des Lhotse. Der 8516 Meter hohe Lhotse ist der Nachbarberg des Mount Everest und mit ihm über den 7986 Meter hohen Südsattel verbunden. Die Lhotse-Flanke ist 60 Grad steil und umfasst 1000 Höhenmeter. Auf 7900 Meter erreicht man den Südsattel (South Col). Hier wird das letzte Lager vor dem Aufbruch zum Gipfel aufgeschlagen. Weiter geht es den Südostgrat (Southeast Rigde) hinauf bis zum Südgipfel auf 8751 Meter.
- Hillary Step: Der Gipfel ist schon zum Greifen nah, da tut sich plötzlich das letzte große Hindernis auf – der Hillary Step. Eine zwölf Meter hohe, 70 Grad steile Felsstufe, die nach ihrem Erstbezwinger Edmund Hillary benannt wurde. Die schwierige Kletterpassage ist mit Fixseilen gesichert, die Sherpas vor jeder Klettersaison überprüfen und erneuern.
- Stau vor dem Gipfel: Nach rund zwölf Stunden Kraxelei ist der Gipfel auf 8848 Metern erreicht. An den wenigen freundlichen Tagen im Mai stauen sich auf dem höchsten Punkt der Erde die Bergsteiger. Es kann zu mehrstündigen Wartezeiten kommen, bis man an der Reihe ist. Da niemand später als 14 Uhr den Gipfel wieder verlassen sollte, weil sonst die Gefahr des Auskühlens zu groß ist, müssen viele Bergsteiger 100 Meter unterhalb des Gipfels erschöpft wieder umkehren.
- Gipfel: Endpunkt aller Routen über den Südost-, West-, Nordost- und Nordgrat sowie über den Hornbein-Couloir ist das gerademal zwei Quadratmeter große Gipfelplateau, auf dem an guten Klettertagen ein Kommen und Gehen wie auf einem Jahrmarkt herrscht.

Wegschild am Khumbu Glacier.
Imago/Pond5 ImagesChinas Erlaubnis notwendig
In der abgelaufenen frühjahreszeitlichen Saison hatte China den Aufstieg zum Everest von der tibetischen Seite gesperrt. Zudem müsse ein Leichentransport über die Grenze nach Nepal und die Überführung nach Indien genehmigt werden, hieß es. Der Everest befindet sich an der Grenze zwischen Nepal und China. Von beiden Ländern aus kann er bestiegen werden. (mit dpa-Material)
