Blutiges Osterspektakel
: Philippiner leiden wie Jesus

Auf den Philippinen hört man am stillen Feiertag vor allem Schmerzensschreie. Dort stellen fanatische Gläubige die Kreuzigung Jesu am Karfreitag nach – werden ausgepeitscht und ans Kreuz genagelt.
Von
Christoph Donauer
Stuttgart
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  • Blutiges Spektakel: Auf den Philippinen wird die Kreuzigung am Karfreitag nachgestellt. Inklusive Nägeln. Bilder der blutigen Zeremonie sehen Sie in unserer Fotostrecke. (Archivbild)

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  • Ruben Enaje lässt sich am Karfreitag wieder an eines dieser Holzkreuze nageln. Der 56-jährige erhofft sich, ein Zeichen für andere Gläubige zu setzen.

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  • Diese Nägel werden in seine Hände gerammt. „Wenn die Nägel später raus sind und die Wunden versorgt, fühle ich mich leicht und erneuert“, sagt er. Seine Familie steht dankbar hinter ihm.

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  • In San Fernando City stellten Philippiner auch in diesem Jahr die Kreuzigung Jesu nach. Am morgigen Karfreitag werden sie an die schweren Holzkreuze genagelt. Die katholische Kirche verurteilt die fanatische Praxis.

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  • Auch Jesus wurde am Morgen des Karfreitag von den Römern ausgepeitscht und musste sein Kreuz zum Berg Golgatha tragen. Außerdem verspotteten ihn die Römer und krönten den „König der Juden“ mit einer Dornenkrone. Die Philippiner stellen diese Szenen inklusive Auspeitschen realitätsgetreu nach.

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  • Das Auspeitschen ist sehr schmerzhaft. Hier ein Jesus-Darsteller in San Fernando City.

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  • Das Ritual kann äußerst blutig enden. Hier sieht man Philippiner in Paombong.

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  • In der Hauptstadt Manila verkleiden sich die Philippiner aufwendig als Jesus und als Römer.

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  • Auch eine Urteilsverkündung durch die Römer gibt es bei dem Spektakel.

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  • Vor der Kreuzigung bleibt noch kurz Zeit für ein Selfie.

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  • Am Karfreitag werden in vielen Teilen der Philippinen Menschen mit ihren Händen ans Kreuz genagelt. Dabei erleiden sie Schmerzen und die Gefahr für Infektionen ist hoch. Das Ritual ist unter Einheimischen dennoch als Glaubensbeweis beliebt und die Gekreuzigten werden für ihre Taten respektiert. (Archivbild)

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Stuttgart - Ruben Enaje wird am Karfreitag höllische Schmerzen durchleiden. Er lebt auf den Philippinen und lässt sich in diesem Jahr bereits das 31. Mal am Karfreitag kreuzigen.

Wie Jesus Christus einst, wird der 56-jährige ein schweres Holzkreuz erst auf seinem Rücken durch den Staub tragen und ausgepeitscht werden. Als Römer verkleidete Männer werden ihm dann Nägel durch die Hände rammen und ihn kreuzigen. Zusammen mit zwei anderen Männern wird er dann am Kreuz hängen und beten, dass die Menschen dabei an das Leid denken, das Jesus seinerzeit erleben musste.

Kreuzigung soll ein Zeichen sein

In seiner Heimatstadt San Pedro Cutud, 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Manila, werden auch in diesem Jahr wieder viele dem blutigen Spektakel am Karfreitag zusehen. Insgesamt werden auf den Philippinen tausende Menschen erwartet, Besucher und Einheimische. Sie werden auch Ruben zusehen, wie er am Kreuz schreit. Die katholische Kirche verurteilt das fanatische Ritual. Sie sagt, es lenke ab von dem Gedanken, echte Buße zu tun. Außerdem dürfe man die Kreuzigung nicht nutzen, um reich oder berühmt zu werden.

Ruben hat nichts davon im Sinn. Er ist arm und ließ sich das erste Mal aus Dankbarkeit an das Holzkreuz nageln, wie er der dpa erzählt. Mittlerweile möchte er ein Zeichen für andere Menschen setzen.

Das Herausziehen schmerzt am meisten

Dafür leidet er auch in diesem Jahr wieder an einem Kreuz in der gleißenden Mittagssonne. Auch viele andere Philippiner lassen sich symbolisch auspeitschen und ans Kreuz nageln. Am schmerzhaftesten sei allerdings das Herausziehen der Nägel, erzählt Ruben der dpa. „Wenn die Nägel sich verbogen haben, reißen sie Fleisch heraus“.

Die Philippinen sind ein sehr katholisches Land. Schätzungen zufolge sind über 80 Prozent der Filipinos römisch-katholischen Glaubens. Viele Menschen sehen die Tradition, die Kreuzigung Jesu nachzuspielen, als Zeichen für Dankbarkeit und erhoffen sich davon die Vergebung ihrer Sünden. Bilder von den Zeremonien sehen Sie in unserer Fotostrecke.

Mit Material von dpa