„Cruising Ducks“: Warum werden auf Kreuzfahrtschiffen Enten versteckt?

„Cruising Ducks“ auf der MSC Virtuosa.
IMAGO/Martin WagnerWer auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist, hält meist Ausschau nach dem weiten Meer oder dem nächsten Hafen. Doch immer häufiger wandert der Blick der Passagiere in Nischen, hinter Pflanzenkübel oder auf Geländer. Der Grund dafür ist ein kurioser Trend namens „Cruising Ducks“. Reisende aus aller Welt verstecken kleine, quietschgelbe oder bunt gestaltete Gummienten an Bord, damit andere Gäste sie finden. Die Idee zu diesem maritimen Suchspiel ist noch relativ jung. Im Frühjahr 2018 ging die damals zehnjährige US-Amerikanerin Abby Davis mit ihrer Familie an Bord der Carnival Breeze.
Um anderen Passagieren eine kleine Freude zu machen, brachte sie 50 Gummienten mit und versteckte sie überall auf dem Schiff. Der spielerische Funke sprang sofort über. Die Finder freuten sich über die unerwarteten Entdeckungen, und die Aktion entwickelte sich über die sozialen Medien rasch zu einem weltweiten Trend. Heute zählen Facebook-Gruppen rund um die Cruising Ducks Hunderttausende Mitglieder, die Fotos ihrer Funde teilen.

Manche Kreuzfahrt-Reedereien wollen die Gummienten an Bord nun reduzieren.
IMAGO/Political-MomentsSchnitzeljagd auf dem Kreuzfahrtschiff
Das Prinzip hinter dem Gummienten-Trend ist denkbar einfach. Die Enten werden in der Regel mit einem kleinen Zettel oder einem Etikett versehen. Darauf steht meist ein Spruch wie „Keep or hide, you decide“ (Behalten oder weiterverstecken, entscheide selbst). Zudem vermerken die ursprünglichen Besitzer oft ihren Namen, den Heimatort, das aktuelle Datum und den Namen des Schiffes. Wer eine Ente findet, kann das Souvenir als Andenken mit nach Hause nehmen oder es an einem neuen Ort auf dem Schiff verstecken, damit das Spiel weitergeht. Wichtigste Regel unter den Fans: Tabu sind sensible Bereiche wie Bordshops, Pools, Whirlpools oder Orte, an denen die Enten ins Meer geweht werden könnten.
Enten-Tracking mit QR-Code und Weltkarte
Was mit handgeschriebenen Zetteln und einfachen Pappanhängern begann, hat im Zeitalter der Smartphones ein großes technologisches Upgrade erhalten. Wer heute auf einem Kreuzfahrtschiff eine versteckte Gummiente findet, stößt immer häufiger auf einen aufgedruckten QR‑Code. Dieser verwandelt das einfache Suchspiel in ein interaktives Geocaching-Erlebnis auf hoher See. Die Besitzer der Enten nutzen spezielle Webseiten oder Apps, um für jedes Tier einen individuellen QR-Code zu erstellen. Dieser Code wird auf einem wetterfesten Anhänger an der Ente befestigt. Findet ein anderer Passagier die Ente, scannt er den Code einfach mit der Smartphone-Kamera.
Nach dem Scan öffnet sich eine Webseite oder eine App, auf der die Reise der Ente dokumentiert ist. Der Finder kann eintragen, auf welchem Schiff und an welchem Deck das Spielzeug entdeckt wurde, seinen Namen hinterlassen und oft sogar ein Foto der Ente hochladen. Danach entscheidet der Finder, ob er die Ente behält oder an einem neuen Ort an Bord wieder versteckt. Durch diese digitale Erfassung entstehen spannende Reiserouten mit interaktiven Weltkarten. Und manche Enten tragen sogar NFC-Chips zur Ortung.
„Enten treiben Besatzung in den Wahnsinn“
Hinter den Kulissen der Kreuzfahrtgesellschaften sorgt das Phänomen zunehmend für Probleme. Im August 2026 sorgte die britische Reederei Marella Cruises für Aufsehen, als sie Gummienten an Bord offiziell für unerwünscht erklärte. In einem Schreiben an die Gäste hieß es mit einem Augenzwinkern, die Enten trieben die Besatzung langsam in den Wahnsinn. Die Crew muss die Spielzeuge mühsam einsammeln und entsorgen. Zudem weisen Reedereien wie Disney Cruise Line oder Norwegian Cruise Line darauf hin, dass die Plastikfiguren ein Sicherheitsrisiko darstellen können, wenn sie im Weg liegen, und nicht zu den Bemühungen passen, Plastikmüll an Bord zu reduzieren.
Obwohl der Trend somit offenbar etwas ausgebremst werden soll, bleibt die Suche nach den Cruising Ducks für viele Kreuzfahrt-Begeisterte weiterhin ein beliebter Zeitvertreib, der den Urlaubsalltag auf hoher See auflockert.
