Das Sommerloch
: Was schreiben, wenn nichts passiert?

Sommerzeit ist Urlaubszeit – auch für relevante Themen. Jedes Jahr, wenn es draußen sonnig und heiß wird, herrscht in den Redaktionen dieses Landes gähnende Leere. Wir zeigen, wie die Medien es doch geschafft haben, das Sommerloch zu überbrücken.
Von
Anna Lammers
Stuttgart
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  • Alle Jahre wieder – das Sommerloch beschert den meisten Journalisten Magenschmerzen.

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  • Der Klassiker: denn auch schon 1975 gab es das Sommerloch. Und da kam das Seeungeheuer aus dem Loch Ness, genannt „Nessi“, gerade recht. Auch heute dient das mysteriöse Wesen in dem See in Schottland als Sommerthema.

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  • Viele wussten es schon lange, aber dank Flaute im Sommer, sollte 1993 aus Deutschlands Lieblingsinsel Mallorca ein 17. Bundesland werden – für 50 Milliarden DM. Zumindest verbreitete dies die Bild-Zeitung.

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  • 1994 sorgte ein Krokodil in Dormagen für Aufsehen. In einem Baggersee büxte Kaiman „Sammy“ seinem Besitzer aus. Schnell machte das Gerücht eines Riesen-Krokodils im See die Runde. „Sammy“ konnte letztendlich wieder eingefangen werden.

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  • Im Jahr 2000 waren alle verrückt nach dem Computerspiel „Moorhuhn“. Viele Chefs befürchteten mangelnde Arbeitsmoral, weil sich Mitarbeiter die langweilige Zeit im Büro mit dem Abschießen von Moorhühnern vertrieben.

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  • Das nächste Tier, das ein Sommerloch füllen musste, war 2001 der Riesen-Wels „Kuno“, der im Volksgartenweiher in Mönchengladbach einen ganzen Dackel samt Halsband gefressen haben soll. Zwei Jahre später fischte ein Angler den Wels aus dem Weiher und siehe da: im Magen des Ungetüms wurde tatsächlich ein Hundeskelett entdeckt.

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  • Currywurst, Pommes und Burger sollten 2004 teurer werden. Der Grund: eine Steuer auf alle ungesunden Lebensmittel – zumindest wenn es nach der Grünen-Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken gegangen wäre.

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  • Problembär „Bruno“ sorgte 2006 für ein trauriges Sommerloch-Thema: immer wieder tauchte der Braunbär an der deutsch-österreichischen-Grenze auf und riss auf seinem Streifzug etliche Schafe. Auch ein Expertenteam konnte ihn nicht einfangen und so wurde Bruno zum Abschuss freigegeben.

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  • Gabriele Pauli (ehemals CSU) – auch bekannt als „Latex-Gabi“ – füllte das Sommerloch 2007 mit ihrem Vorschlag, eine „Ehe auf Zeit“ einzuführen. Nach sieben Jahren Probezeit müssten Ehepaare einen Antrag auf Verlängerung stellen.

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  • Auch ein gern gesehenes Sommerthema: wie machen Politiker eigentlich Urlaub? Frank-Walter Steinmeier zum Beispiel machte 2008 Wander-Urlaub in den Bergen.

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  • Auch wenn es um die meisten Promis in den Sommermonaten ruhiger wird, schaffen es einige ins Sommerloch. Lady Gaga sorgte 2009 für Furore, als alle darüber spekulierten, was sich denn da bei der Sängerin untenrum so wölbt. Spekulationen über einen möglichen Penis beantwortete Lady Gaga mit: „Ja, ich habe beide Geschlechter“ – ob’s stimmt?

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  • So ein Dienstwagen ist schon etwa Schönes. Das dachte sich auch Ulla Schmidt 2009. Ganze 2500 Kilometer lies sie sich ihren Dienstwagen in den Urlaub nach Spanien hinterherfahren und dort wurde er auch noch gestohlen. Politiker tun eben alles gegen das Sommerloch!

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  • Schade, dass nicht jedes Jahr eine Welt- oder Europameisterschaft ansteht. Denn so ein Tierorakel stopft ein Sommerloch recht gut. Auch Krake „Paul“, die 2010 zur WM die deutschen Spiele orakelte. In den folgenden Jahren taten es ihm etliche andere Tiere gleich.

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  • Nach Seeungeheuer, Kaiman, Wels, Problembär und Krake Paul, kam 2011 die Kuh „Yvonne“. Die intelligente Milchkuh ist in Oberbayern vor ihrem Bauern abgehauen und hat sich ganze drei Monate in den Wäldern versteckt. Nicht einmal ihre Schwester „Waltraud“ konnte sie anlocken. Mittlerweile lebt sie im Gnadenhof Gut Aiderbichl.

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  • Auch 2013 hat schon ein Sommerloch-Thema: Passend zur besten Ballermann-Reisezeit gilt das Eimersauf-Verbot in El Arenal: Zwischen 22 und 1 Uhr nachts ist es allen Urlaubern verboten, im Freien Alkohol zu trinken. Na dann Prost!

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  • Und jedes Jahr gilt, falls es doch mal keine Sommerloch-Themen geben sollte: auch das Sommerloch selbst ist ein Sommerloch-Thema.

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Stuttgart - Jedes Jahr hoffen etliche Journalisten, dass es nicht kommt, aber meistens ist es da wieder – das Sommerloch oder auch Saure-Gurken-Zeit genannt. Alle haben Urlaub: Politiker, Promis, sogar Sportler. Nur Journalisten müssen fleißig über das berichten, was in den Sommermonaten passiert – nichts.

Und so ächzen alle Medienschaffenden nach Themen, wie die Urlauber nach kühlen Getränken. Da werden schnell relevante Themen, wie ausgebüxte Tiere, verrückte Politikeraussagen oder Spekulationen über Prominente, zu Top-Themen erkoren. Aber zum Glück gibt es immer Sommerloch-Themen und wenn mal nicht, dann berichtet man eben über das Sommerloch selbst.

Deshalb: Selbstmitleid aus, Sommerloch an – wir zeigen die bekanntesten Sommerloch-Themen in den Medien der vergangenen Jahre. Klicken Sie sich durch die (natürlich nur aus reinem Themenmangel geborene) Bilderstrecke!

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