Drei Zinnen: Video zeigt irren Besucherandrang

Oben angekommen: Auf der Drei-Zinnen-Hütte können Wanderer sich ihre verdiente Pause gönnen. (Symbolbild)
picture alliance / Bernd F. Meier/dpa/tmnDie Drei Zinnen gehören zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten der Dolomiten. Im Sommer zieht die markante Felsformation Tausende Urlauber an. Aktuelle Aufnahmen aus dem italienischen Bergort Misurina zeigen nun, welche Ausmaße der Besucherandrang angenommen hat: An einer Haltestelle warten Hunderte Menschen auf einen Shuttlebus zur Auronzo-Hütte.
Die Bilder haben in Italien eine neue Diskussion über Massentourismus in den Bergen ausgelöst. Die Warteschlange soll sich zeitweise über mehrere Hundert Meter erstreckt haben. Für viele Besucher ist der Bus derzeit eine der wenigen Möglichkeiten, den Ausgangspunkt der beliebten Rundwanderung um die Drei Zinnen zu erreichen.
Zufahrt zur Auronzo-Hütte begrenzt
Seit diesem Sommer ist die Zahl der Fahrzeuge auf der mautpflichtigen Zufahrtsstraße zur Auronzo-Hütte beschränkt. Pro Tag dürfen demnach nur noch 800 Autos hinauffahren. Die Plätze müssen im Voraus reserviert werden, die Zufahrt kostet rund 40 Euro.
Wer keine Reservierung erhält oder auf das eigene Auto verzichten möchte, ist auf die Shuttlebusse angewiesen. Die Begrenzung soll den Verkehr reduzieren, die Besucherströme besser steuern und die empfindliche Berglandschaft schützen. Gleichzeitig verlagert sich der Andrang dadurch sichtbar auf die Haltestellen.
In der Hauptsaison werden nach Angaben des Tourismusportals „dolomiti.it“ rund um die Drei Zinnen bis zu 14.000 Besucher am Tag erwartet. Für die nahe gelegenen Gemeinden, die Verkehrsbetriebe und die Betreiber der Wanderwege stellt diese Zahl eine erhebliche Belastung dar.
Einheimische kritisieren den Fototourismus
Der wachsende Andrang beschäftigt die Region bereits seit Jahren. Besonders kritisch sehen manche Einheimische Besucher, die nur für wenige Stunden anreisen und vor allem bekannte Fotomotive für soziale Netzwerke suchen.
So mancher kritisiert, dass der eigentliche Aufenthalt in der Natur bei einigen Gästen zunehmend in den Hintergrund rücke. Statt das Gebirge bewusst zu erleben, gehe es häufig nur noch darum, möglichst spektakuläre Bilder aufzunehmen.
Hinzu kommen Beschwerden über zurückgelassenen Müll, beschädigte Einrichtungen und einen rücksichtslosen Umgang mit der Natur. Berichten zufolge wird deshalb sogar darüber nachgedacht, einzelne unbewirtschaftete Notunterkünfte abzubauen, sofern sie weiterhin beschädigt oder zweckentfremdet werden.
Die Dolomiten bieten mehr als bekannte Fotomotive
Die Drei Zinnen bleiben ein außergewöhnliches Reiseziel, das viele Menschen wenigstens einmal sehen möchten. Die aktuellen Bilder zeigen jedoch, dass selbst eine regulierte Zufahrt den Andrang nicht vollständig lösen kann.
Tourismusverantwortliche weisen deshalb verstärkt auf weniger bekannte Ziele in den Dolomiten hin. Abseits der berühmtesten Aussichtspunkte gibt es zahlreiche Täler, Wanderwege und Gipfel, die deutlich ruhiger sind.
Wer seine Route flexibel plant, außerhalb der Hauptreisezeiten kommt oder weniger bekannte Orte besucht, kann nicht nur Warteschlangen vermeiden. Er trägt auch dazu bei, besonders stark frequentierte Gebiete zu entlasten. Denn die Dolomiten bestehen aus weit mehr als einigen wenigen Motiven, die täglich in sozialen Netzwerken zu sehen sind.
