„Dreisteste Werbelüge des Jahres“: LaVita gewinnt Negativpreis

LaVita erhält den Negativpreis Goldener Windbeutel.
foodwatch.orgRund 66.000 Menschen haben bei der diesjährigen Wahl von foodwatch abgestimmt. Mit deutlichem Vorsprung erhielt das Mikronährstoffkonzentrat LaVita den Negativpreis „Goldener Windbeutel“. Der Hersteller weist zentrale Kritikpunkte zurück und kündigt eine erneute rechtliche Prüfung seines Werbeslogans an.
LaVita bekommt den „Goldenen Windbeutel 2026“. Bei der von der Verbraucherorganisation foodwatch organisierten Abstimmung entfielen 39 Prozent der gültigen Stimmen auf das sogenannte Mikronährstoffkonzentrat. Insgesamt beteiligten sich seit Mitte Juni rund 66.000 Verbraucherinnen und Verbraucher an der Wahl.
Foodwatch bezeichnet den Preis als Auszeichnung für die „dreisteste Werbelüge des Jahres“. Die Organisation kritisiert insbesondere das Verhältnis zwischen Zusammensetzung, Werbeversprechen und Verkaufspreis des Produkts. LaVita bestehe überwiegend aus Fruchtsaftkonzentrat, dem unter anderem Vitamine und weitere Nährstoffe zugesetzt würden. Der umgerechnete Preis liege bei etwa 100 Euro pro Liter.
Kritik an Werbeaussagen wie „Fit fürs Leben“
Im Mittelpunkt der Kritik stehen mehrere Werbeaussagen des Unternehmens. LaVita wurde unter anderem mit dem Slogan „Fit fürs Leben“ beworben. Zudem verwendete der Hersteller zeitweise den Begriff „Saubertrank“.
Nach Ansicht von foodwatch vermitteln solche Formulierungen den Eindruck, das Produkt könne einen umfassenden Beitrag zu Gesundheit und Leistungsfähigkeit leisten. Die Organisation sieht LaVita deshalb als Beispiel für einen wachsenden Markt, auf dem Lebensmittel mit zugesetzten Vitaminen und Nahrungsergänzungsmittel mit weitreichenden Gesundheitsbotschaften vermarktet werden.
Alina Nitsche aus dem Recherche- und Kampagnenteam von foodwatch fordert eine stärkere staatliche Kontrolle. Der Markt für Vitaminprodukte und Nahrungsergänzungsmittel wachse stark, werde jedoch bislang nur unzureichend überwacht. Bund und Länder müssten die Lebensmittelüberwachung besser ausstatten, damit irreführende Werbung wirksamer verfolgt werden könne.
Ernährungsexpertin rät bei Verdacht auf Mangel zum Arztbesuch
Auch Prof. Dr. Diana Rubin, Leiterin des Zentrums für Ernährungsmedizin und Diabetologie am Vivantes Humboldt-Klinikum, beurteilt die Werbung kritisch. Ihrer Einschätzung nach könne der Eindruck entstehen, LaVita sei eine natürliche Komplettlösung für ein gesundes und aktives Leben.
Die Grundlage einer ausreichenden Nährstoffversorgung sei jedoch eine ausgewogene Ernährung. Wer einen konkreten Mangel vermute, solle diesen zunächst medizinisch abklären lassen, anstatt ohne gesicherte Diagnose zu hoch dosierten und vergleichsweise teuren Multivitaminprodukten zu greifen.
Neben LaVita standen vier weitere Produkte zur Wahl. Den zweiten Platz belegte nach Angaben von foodwatch ein Airfryer-Backpulver von Dr. Oetker. LaVita setzte sich bei der Abstimmung mit deutlichem Abstand gegen die übrigen Nominierten durch.

Neben dem Saft von LaVita standen auch das Airfryer Backpulver von Dr. Oetker, Matcha Joghurt von Andechser Natur, "Oh Yeah Bear Libido"-Drops von Beautybears sowie "Airwaves Cool Cassis" von Mars zur Wahl.
foodwatch.orgLaVita weist Vorwürfe teilweise zurück
Der Hersteller reagierte sowohl direkt gegenüber foodwatch als auch gegenüber Medien auf die Kritik. LaVita verteidigt insbesondere die Bezeichnung des Produkts als weitgehend natürlich.
Das Unternehmen verweist darauf, dass der Begriff „Naturprodukt“ gesetzlich nicht eindeutig definiert sei. LaVita enthalte mehr als 70 natürliche Zutaten und komme nach Angaben des Herstellers ohne Zusatzstoffe aus. Auch ein großer Teil der ergänzten Substanzen stamme aus natürlichen Quellen.
Gleichzeitig räumt das Unternehmen ein, dass nicht sämtliche Bestandteile vollständig natürlichen Ursprungs seien. Nach eigener Darstellung liege der Anteil natürlicher Zutaten bei mindestens 95 Prozent. Bei den übrigen Bestandteilen handele es sich um zugelassene und als sicher bewertete Stoffe.
LaVita verweist außerdem auf eine veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung, die nach Angaben des Unternehmens die Bioverfügbarkeit der enthaltenen Stoffe bestätigt habe.
Werbeslogan soll erneut geprüft werden
Auch zum Claim „Fit fürs Leben“ nahm LaVita Stellung. Der Slogan werde bereits seit der Einführung des Produkts verwendet und sei nach Inkrafttreten der europäischen Health-Claims-Verordnung rechtlich überprüft worden. Beanstandungen habe es damals nicht gegeben.
Das Unternehmen kündigte dennoch an, den Claim aufgrund der aktuellen Kritik erneut prüfen zu lassen.
Die Bezeichnung „Saubertrank“ sei nach Darstellung von LaVita nicht als Gesundheitsversprechen gemeint gewesen. In der entsprechenden Anzeige sei zusätzlich darauf hingewiesen worden, dass das Produkt ohne Konservierungsstoffe oder andere Zusatzstoffe auskomme. Die betreffende Werbung sei inzwischen eingestellt worden.
Negativpreis wird zum 15. Mal vergeben
Foodwatch verleiht den „Goldenen Windbeutel“ in diesem Jahr zum 15. Mal. Mit der Aktion will die Organisation nach eigener Aussage auf aus ihrer Sicht irreführende Werbe- und Vermarktungspraktiken in der Lebensmittelbranche aufmerksam machen.
Im vergangenen Jahr erhielt die Milka Alpenmilch den Negativpreis. Kritisiert wurde damals, dass die Schokoladentafel bei weitgehend unveränderter Verpackung verkleinert worden war. In früheren Jahren führten die Kampagnen teilweise zu Änderungen bei den betroffenen Herstellern. So stellte Rewe 2022 eine als „klimaneutral“ bezeichnete Werbung für Hähnchenfleisch ein.
Ob LaVita nach der erneuten Prüfung weitere Werbeaussagen verändern wird, ist derzeit offen.
