Eier-Engpass vor Ostern: Warum viele Regale leer sind
Kurz vor Ostern spitzt sich die Lage auf dem Eiermarkt zu. In vielen Supermärkten sind Regale zeitweise leer oder nur eingeschränkt gefüllt. Die Versorgung gilt allgemein allerdings als stabil, Engpässe würden hauptsächlich regional und kurzfristig auftreten. Was sind die Ursachen und worauf müssen sich Verbraucher einstellen?
Ostern 2026: Keine Eier im Supermarkt? Handel sieht stabile, aber angespannte Versorgung
Der Lebensmitteleinzelhandel sieht die Lage trotz regionaler Engpässe insgesamt unter Kontrolle. Rewe sprach auf STZ-Anfrage Mitte März von einer „herausfordernden“ Situation durch die Vogelgrippe und Newcastle-Krankheit, betont aber die enge Abstimmung mit Lieferanten. Auch Edeka und Lidl erklärten uns gegenüber, die Versorgung sei „grundsätzlich sichergestellt“, eine flächendeckende Knappheit werde derzeit nicht erwartet. Kaufland berichtete uns von gestiegener Nachfrage, sieht die Versorgung dank breitem Sortiment und täglicher Belieferung aber ebenfalls gewährleistet. Deutlich kritischer äußerte sich Aldi Nord: Man beobachte europaweit „spürbare Lieferengpässe und Preissteigerungen“, verursacht insbesondere durch Tierseuchen und eine stark gestiegene Nachfrage. Insgesamt gilt die Versorgung somit als stabil, kann aber regional und kurzfristig unter Druck geraten.
Nachfrage steigt schneller als die Produktion
Eier sind in Deutschland so gefragt wie lange nicht. Nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2025 bei 252 Eiern pro Jahr, vier mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden rund 21 Milliarden Eier konsumiert. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Die Produktion kann mit diesem Wachstum nicht Schritt halten. Laut Statistischem Bundesamt stieg sie zuletzt nur um 0,5 Prozent. In größeren Betrieben wurden 13,7 Milliarden Eier erzeugt, insgesamt rund 15,3 Milliarden. Deutschland bleibt damit auf Importe angewiesen, primär aus den Niederlanden (69 Prozent der Importe) und Polen (knapp 16 Prozent der Importe). Der Selbstversorgungsgrad liegt bei etwa 72 Prozent und sinkt seit vier Jahren.
Der Konsum nimmt der Behörde zufolge bereits seit 2022 kontinuierlich zu. Damals lag der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei durchschnittlich 234 Eiern im Jahr. In den Zahlen sind auch verarbeitete Eier inbegriffen. Vor Ostern befindet sich die Nachfrage nach Eiern auf dem Höhepunkt: Im März und April 2025 wurden in Deutschland monatlich rund 1,1 Milliarden Eier gekauft – etwa 14 % mehr als im Rest des Jahres (ca. 973 Millionen). Rund 90 % davon sind rohe Eier. Der Absatz bunter gekochter Eier stieg 2025 auf 108 Millionen (+11 % zum Vorjahr), vermutlich wegen wachsender Bequemlichkeit. Auch rohe Eier wurden häufiger gekauft, jedoch weniger stark.
Warum Eier so begehrt sind
Der Leiter des BZL, Josef Goos, sieht mehrere Gründe für die Entwicklung. „Eier stellen eine kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß dar.“ Ein weiterer Grund könne der Trend zu vegetarischer Ernährung oder Low Carb sein. Goos bezeichnet, Angaben der dpa zufolge, die aktuelle Marktlage als schwierig und angespannt. Zu Ostern wird ein knappes Eierangebot erwartet.
„Auf der einen Seite haben wir eine erneut gestiegene Nachfrage nach Eiern. Auf der anderen Seite sehen wir sinkende Tierbestände“, sagte der Experte. Als Ursachen nannte er die Vogelgrippe, die neu aufgetretene Krankheit Newcastle Disease sowie den Rückbau der Kleingruppenhaltung. Der Lebensmitteleinzelhandel werde den Bedarf dennoch so gut wie möglich bedienen, so Goos.
Vogelgrippe und Newcastle-Krankheit: Tierseuchen verschärfen die Lage
Zusätzlichen Druck auf das Angebot üben laut der dpa Tierseuchen aus. Neben der anhaltenden Vogelgrippe ist erstmals seit rund 30 Jahren in Deutschland zuletzt auch die Newcastle-Krankheit wieder aufgetreten.
In Brandenburg mussten bis zur vierten März-Woche rund 2,1 Millionen Tiere getötet werden. Dazu kommen Ausbrüche in Bayern. In anderen Bundesländern wächst die Sorge. Fälle gab es laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zudem in Polen, Tschechien und der Slowakei.
Beim Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) hieß es: „Das Angebot an Eiern im Handel ist zwar knapp, aber stabil.“ Eier seien in den letzten Jahren immer beliebter geworden. „Diese hohe Nachfrage trifft auf ein geschwächtes Angebot durch das Seuchengeschehen“, sagte der Präsident des ZDG, Hans-Peter Goldnick.
Wie groß ist die Gefahr der Ausbreitung und der Schaden?
„Das passiert zur Unzeit“, meinte Brandenburgs Landesbauernpräsident Henrik Wendorff auch mit Blick auf die Osterzeit. Für Legehennen-Betriebe sei es ein besonders herber Verlust. Es dauere längere Zeit, bis die Zuchttiere ersetzt werden könnten. „Das Loch, das dadurch entsteht, ist größer als beim reinen Mastbetrieb“, so Wendorff gegenüber der dpa.
Wie groß der wirtschaftliche Schaden ist, konnte der Geflügelwirtschaft-Verband bislang nicht sagen. „Für die betroffenen Betriebe und deren Mitarbeiter sind das immer auch persönliche Schocksituationen“, so Goldnick.
Das Friedrich-Loeffler-Institut sieht derzeit eine erhöhte Gefährdungslage für Geflügelhaltungen sowie andere Vogelhaltungen, beispielsweise in Zoos und Tierparks, weil auch immer noch die klassische Geflügelpest grassiert. Eine Entspannung der Lage in Brandenburg und Bayern sei momentan nicht erkennbar. Eine Infektion des Menschen gilt als sehr selten, aber möglich. Meist beschränken sich gesundheitliche Folgen laut Experten auf eine Bindehautentzündung.
Haltungsform: Bodenhaltung dominiert
Mit einem Anteil von 56,7 Prozent blieb die Bodenhaltung laut dpa 2025 in den größeren Betrieben die dominierende Haltungsform für die Tiere, wie das Statistikamt in Wiesbaden berichtet. Die Zahl der Hennen in diesem Bereich ging aber 0,9 Prozent auf durchschnittlich 25,9 Millionen zurück. Zulegen konnten Freilandhaltung (+5,0 Prozent auf 11,2 Mio. Tiere) und die ökologische Haltung (+3,3 Prozent auf 6,7 Mio. Tiere).
Kaum noch eine Rolle spielte die zum Jahresende auslaufende Haltung in Käfigen, die Altbetrieben noch für eine Übergangszeit erlaubt worden war. Hier gab es noch 1,4 Millionen Hennen oder knapp 29 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Anteil der Käfigeier an der Gesamtproduktion ging auf 3,1 Prozent zurück.“
PETA: Kritik am Eierkonsum
Tierschützer sehen die Entwicklung kritisch. Julia Weibel von der Organisation PETA spricht von einem „fragilen und krisenanfälligen System“ und kritisiert die Bedingungen in der Eierproduktion grundsätzlich als ausbeuterisch: „Diese Branche lebt davon, Hühner durch Qualzucht in Hochleistungsmaschinen zu deformieren [...] und sie zu töten, sobald ihre ‚Leistung‘ nachlässt. Entzündete Legeorgane, brüchige Knochen, Verhaltensstörungen und tödliche Viren sind dort ebenfalls Alltag.“ PETA fordert daher einen stärkeren Umstieg auf pflanzliche Alternativen.
Mit Material der dpa
