„Ein Mann, den man lieben musste“
: Ian McKellen trauert um Patrick Stewart

Nach dem Tod von Patrick Stewart hat sich Ian McKellen mit einem emotionalen Nachruf von seinem langjährigen Weggefährten verabschiedet.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Die britischen Schauspieler Sir Ian McKellen (links) und Sir Patrick Stewart (rechts) treffen 2014 zur Premiere von „X-Men: Days of Future Past“ am Leicester Square in London ein.

Die britischen Schauspieler Sir Ian McKellen (links) und Sir Patrick Stewart (rechts) treffen 2014 zur Premiere von „X-Men: Days of Future Past“ am Leicester Square in London ein.

picture alliance / dpa | Will Oliver

Der Tod von Patrick Stewart hat in der Film- und Theaterwelt große Trauer ausgelöst. Der britische Schauspieler, der als Captain Jean-Luc Picard in „Star Trek“ und als Professor Charles Xavier in den „X-Men“-Filmen weltberühmt wurde, starb am 28. Oktober im Alter von 86 Jahren in Los Angeles. Er hatte an Alzheimer und Lewy-Körper-Demenz gelitten. Besonders persönlich fällt der Abschied seines langjährigen Freundes und Schauspielkollegen Ian McKellen (87) aus.

Auf Instagram veröffentlichte McKellen am Donnerstag (29. Oktober) einen ausführlichen Nachruf, in dem er nicht nur Stewarts außergewöhnliche Karriere würdigte, sondern vor allem den Menschen hinter den berühmten Rollen beschrieb.

„Er trug sein Herz auf der Zunge, was ihn zu einem Mann machte, auf den man sich verlassen konnte, den man bewundern konnte und den man in meinem Fall liebte“, schrieb McKellen.

Ian McKellen riet Patrick Stewart einst von „Star Trek“ ab

In seinem Nachruf erinnerte sich McKellen auch an die Anfänge ihrer Bekanntschaft. Die beiden Schauspieler begegneten sich vor rund einem halben Jahrhundert als junge Mitglieder der Royal Shakespeare Company, standen damals allerdings noch nicht gemeinsam auf der Bühne.

Besonders im Gedächtnis geblieben sei McKellen eine zufällige Begegnung auf einer Straße in der Londoner Innenstadt. Stewart erzählte ihm damals von dem Angebot, eine Hauptrolle in der Science-Fiction-Serie „Star Trek“ zu übernehmen.

McKellen war skeptisch. Er fürchtete, sein Kollege könnte damit seine vielversprechende Theaterkarriere in Großbritannien aufs Spiel setzen und auf Jahre in Hollywood verschwinden.

Doch Stewart schlug den Rat seines Kollegen in den Wind und übernahm 1987 die Rolle des Captain Jean-Luc Picard in „Star Trek: The Next Generation“. Die Entscheidung machte ihn zu einem internationalen Star.

Rückblickend zeigte sich McKellen darüber ausgesprochen glücklich. Stewart habe mit seinem Erfolg nicht nur die Herzen der „Star Trek“-Fans erobert, sondern seine weltweite Bekanntheit auch genutzt, um weiterhin anspruchsvolle Theaterrollen zu spielen. Neben seinen Auftritten in den „X-Men“-Filmen stand er unter anderem in Werken von Shakespeare, Henrik Ibsen, Arthur Miller, Harold Pinter und Samuel Beckett auf der Bühne.

Aus Filmkollegen wurden enge Freunde

Eine besonders enge Freundschaft entwickelte sich zwischen den beiden Schauspielern während der Dreharbeiten zu den „X-Men“-Filmen. Während Stewart den telepathisch begabten Professor Charles Xavier verkörperte, spielte McKellen dessen Gegenspieler Magneto.

Anders als ihre häufig zerstrittenen Filmfiguren verstanden sich die beiden Darsteller auch privat hervorragend. Ihre Freundschaft führte sie schließlich wieder auf die Theaterbühne. Gemeinsam standen sie unter anderem in Samuel Becketts „Warten auf Godot“ und Harold Pinters „Niemandsland“ auf der Bühne.

Auch abseits ihrer Arbeit teilten Stewart und McKellen viele persönliche Momente. Als Stewart 2013 die amerikanische Sängerin Sunny Ozell heiratete, übernahm ausgerechnet McKellen die Rolle des Trauredners. Die beiden zeigten sich außerdem immer wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit und begeisterten ihre Fans mit humorvollen Fotos in den sozialen Medien.

„Er hat seine Herkunft nie vergessen“

In seinem Abschiedsbrief hob McKellen besonders hervor, wie sehr Stewart seiner Heimat Yorkshire verbunden geblieben sei. Der Schauspieler wurde 1940 in Mirfield im Norden Englands geboren.

Seine Herkunft habe Stewart bis zuletzt geprägt, schrieb McKellen. Das habe man nicht nur an seinem Akzent hören können, sondern auch an seiner direkten, aufrichtigen Art. Menschen aus Yorkshire hätten wenig übrig für Halbwahrheiten oder dafür, schwierigen Themen auszuweichen.

Obwohl die Vereinigten Staaten zu seiner zweiten Heimat geworden seien, habe Stewart seine Wurzeln niemals vergessen. Als eine seiner größten persönlichen Errungenschaften bezeichnete McKellen deshalb Stewarts Ernennung zum Kanzler der University of Huddersfield in Yorkshire.

Auch Stewarts Ehefrau Sunny Ozell würdigte er ausdrücklich. Sie habe ihren Mann in guten wie in schlechten Zeiten begleitet und sich während seiner Krankheit um ihn gekümmert.

Ein letzter gemeinsamer Auftritt steht noch bevor

Besonders bewegend ist der letzte Satz von McKellens Nachruf. Denn obwohl Patrick Stewart gestorben ist, steht sein letzter Filmauftritt noch aus.

„Sein Abschiedsauftritt in ‚Avengers: Doomsday‘ ist noch zu sehen“, schrieb McKellen.

In dem Marvel-Film, der im Dezember 2026 in die Kinos kommen soll, wird Stewart noch einmal als Professor Charles Xavier zu sehen sein. Auch McKellen kehrt als Magneto zurück. Damit werden die beiden langjährigen Freunde ein letztes Mal gemeinsam auf der Leinwand erscheinen.

Für McKellen bleibt von Stewart jedoch weit mehr als die Erinnerung an einen großen Schauspieler. Sein Nachruf ist vor allem die Liebeserklärung eines Freundes an einen Menschen, den er über Jahrzehnte kannte, bewunderte und liebte.