Einmal im Leben reich werden
: Wie groß sind die Chancen den Lottojackpot zu gewinnen?

Im Lottojackpot geht es bei der Ziehung der Gewinnzahlen am Freitag weiter um 120 Millionen Euro. Nach 18 Ziehungen ohne Hauptgewinn ist damit weiterhin die Einstellung des deutschen Gewinnrekordes im Lotto möglich. Doch wie groß sind die Chancen wirklich?
Von
Markus Brauer
Münster
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Ein Plakat weist in einem Kiosk auf den 50 Millionen Euro Lotto-Jackpot „6aus49“. Im Lotto „6aus49“ liegen weiterhin 50 Millionen Euro im Jackpot der Gewinnklasse 1. Das ist Rekord.

Ein Plakat weist in einem Kiosk auf den 50 Millionen Euro Lotto-Jackpot „6aus49“. Im Lotto „6aus49“ liegen weiterhin 50 Millionen Euro im Jackpot der Gewinnklasse 1. Das ist Rekord.

Rolf Vennenbernd/dpa
  • Eurojackpot bleibt bei 120 Mio. Euro – nach 18 Ziehungen ohne Hauptgewinn.
  • Beim Lotto „6 aus 49“ stehen 50 Mio. Euro im Jackpot der Gewinnklasse 1.
  • Gewinnchance für die erste Klasse in beiden Lotterien: 1 zu 140 Millionen.
  • Obergrenze: „6 aus 49“ deckelt bei 50 Mio., Eurojackpot füllt Klasse 2 nach.
  • Expertinnen warnen: sehr geringe Gewinnchancen, Lotto birgt geringeres Suchtrisiko.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seit mehr als sieben Wochen liegen 50 Millionen Euro im Lotto-Jackpot. Das ist für die klassische Lotterie „6 aus 49“ sehr ungewöhnlich. Selbst Lotto-Profis finden es bemerkenswert, dass so lange niemand die sechs Zahlen und die Superzahl richtig getippt hat. Das Phänomen verleitet sehr viele, es doch mal zu versuchen mit dem Lottoglück. Doch macht das wirklich Sinn?

Um welche Summe geht es?

Nach mittlerweile 31 Ziehungen ohne Hauptgewinn ist die Gewinnsumme im ersten Rang auf 92,61 Millionen Euro gestiegen. Seit 14 Ziehungen ist aber die gesetzlich festgelegte Obergrenze von 50 Millionen Euro erreicht. Das bedeutet: Sollte der Jackpot bei der Ziehung am Mittwoch geknackt werden, lägen sofort mehr als 42 Millionen Euro für den nächsten Gewinner der folgenden Ziehung bereit, wie ein Sprecher von Westlotto in Münster erklärt. Zuletzt wurde die erste Gewinnklasse am 25. März geknackt. Damals gingen 44,2 Millionen Euro nach Bayern.

Die Regeln für den Jackpot beim klassischen Lotto waren Ende 2023 geändert worden: Die Obergrenze wurde von 45 auf 50 Millionen Euro angehoben, zudem wurde die Ausschüttung bei Erreichen der Obergrenze abgeschafft. Bis dahin konnte der Jackpot nach Erreichen der 45 Millionen Euro mit nur sechs Richtigen, aber ohne richtige Superzahl (Gewinnklasse 2) geknackt werden.

Spielscheine für den Eurojackpot liegen in einer Lottoannahmestelle.

Spielscheine für den Eurojackpot liegen in einer Lottoannahmestelle.

Rolf Vennenbernd/dpa

Was ist anders als beim Eurojackpot?

Bei der europäischen Lotterie Eurojackpot wandert jeder zusätzlich eingenommene Euro nach Erreichen der Obergrenze von 120 Millionen in die 2. Gewinnklasse. Dort bildet sich also ein zweiter Jackpot. Die Gewinnwahrscheinlichkeit liegt in beiden Lotterien für die erste Gewinnklasse bei 1:140 Millionen.

Sicherer Gewinn bei 139.838.160 verschiedenen Tipps

„Gibt man 139.838.160 verschiedene Tipps ab, denn so viele verschiedene Kombinationen gibt es, dann würde man auf jeden Fall gewinnen“, erklärt die Ökonomin für angewandte Statistik, Lisa Hanzl. Lohnen würde sich das aber nicht: Ein Tipp kostet 2 Euro, man müsste also etwa 280 Millionen Euro zahlen, um 120 Millionen Euro zu erhalten.

Lisa Hanzl rechnet vor: Es ist 70 Mal wahrscheinlicher, in Deutschland in diesem Jahr von einem Blitz getroffen zu werden, als mit einem Tipp den Jackpot zu gewinnen. Auch wenn man nur auf den Tag der Ziehung blickt, passieren andere Dinge viel eher als ein Hauptgewinn. Das Risiko, im Straßenverkehr zu sterben, ist laut Hanzl viel höher, als an dem Tag mit einem Tipp den Eurojackpot zu knacken.

Die Ziehungsmaschine der Lottozahlen 6 aus 49 steht in der Studio-Kulisse. Die Maschine ist mit Probekugeln mit der Zahl 50 gefüllt.

Die Ziehungsmaschine der Lottozahlen 6 aus 49 steht in der Studio-Kulisse. Die Maschine ist mit Probekugeln mit der Zahl 50 gefüllt.

Oliver Dietze/dpa

Warum jede Zahl gleich gut ist

Manche Menschen schauen sich an, welche Zahlen im Eurojackpot schon lange nicht mehr gezogen worden sind. Die Zahl 12 etwa wurde schon 50 Ziehungen in Folge nicht mehr ausgespielt. Wäre sie also mal wieder dran? „Nein, die Ziehung ist jedes Mal ein komplett unabhängiges Ereignis“, erläutert die Expertin. Die Wahrscheinlichkeit ist für jede Zahl jedes Mal gleich groß.

Aber wie viele Tipps müsste man denn ausfüllen, um wenigstens irgendetwas zu gewinnen? In der niedrigsten Gewinnklasse beträgt die Wahrscheinlichkeit 1 zu 49. „Wenn man die Tipps geschickt kombiniert, müsste man 30 bis 40 Tipps abgeben“, betont Hanzl. Aber auch da gelte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass man mehr Geld investiert, als man rausbekommt, ist sehr hoch.“

Könnte der aktuelle Boom für neue Glücksspielsüchtige sorgen?

Wohl eher nicht. „Jedes Glücksspiel hat ein Risiko“, erklärt  Verena Küpperbusch, Leiterin der Landesfachstelle Glücksspielsucht Nordrhein-Westfalen in Bielefeld. Beim klassischen Lotto sei es aber vergleichsweise gering. „Das liegt am Zeitfaktor. Sportwetten können live stattfinden. Und rund um die Uhr. Es geht Schlag auf Schlag bei hohem Tempo. Das gibt es beim klassischen Lotto so nicht. Durch den Rhythmus Samstag/Mittwoch wird das entzerrt.“

18,3 Prozent der Bevölkerung spielen Lotto. „Das sind relativ viele. Davon haben aber nur wenige ein problematisches Glücksspielverhalten“, betont Küpperbusch.

Auch Steffen Otterbach, der die Forschungsstelle Glücksspiel der Uni Hohenheim in Baden-Württemberg leitet, sieht ein deutlich höheres Risikopotenzial bei virtuellen Automaten und Live-Sportwetten sowie bei illegalen Spielangeboten.

Es sei erst mal auch kein Problem, dass bei einem gut gefüllten Jackpot deutlich mehr Menschen Lotto spielen, heißt es von den Suchtexperten. „Hohe Gewinnsummen bieten aber natürlich extrem starke Anreize“, konstatiert Otterbach. Eine Studie über die spanische Weihnachtslotterie zeige, dass die Nachfrage auch steigt, wenn in der entsprechenden Region ein Gewinner oder eine Gewinnerin gezogen wurde.

Anbieter haben extra Angebote für typische Jackpot-Spieler geschaffen, bei denen der Spielschein erst ab einer bestimmten Jackpot-Höhe an den Ziehungen teilnimmt.

Sportwetten bieten ein deutlich höheres Risiko für Glücksspielsucht als das klassische Lotto.

Sportwetten bieten ein deutlich höheres Risiko für Glücksspielsucht als das klassische Lotto.

© Bernd Weißbrod/dpa

Macht es denn überhaupt Sinn, gerade jetzt zu spielen?

Otterbach weist er auf ein Paradoxon hin: „Die Wahrscheinlichkeit, einen hohen Jackpot für sich alleine zu gewinnen, verringert sich sogar, wenn mehr Menschen an einer Verlosung teilnehmen.“ Menschen neigten dazu, Wahrscheinlichkeiten verzerrt wahrzunehmen. Sie überschätzten sehr kleine Wahrscheinlichkeiten, mittlere und hohe Wahrscheinlichkeiten hingegen würden eher unterschätzt.

Die Wissenschaft nutzt darum gern anschauliche Vergleiche, um extrem geringe Wahrscheinlichkeiten wie einen Hauptgewinn im Lotto zu verdeutlichen: Niemand würde wohl behaupten, dass es wahrscheinlich ist, mit verbundenen Augen den einzigen rot gefärbten Grashalm auf einem Fußballfeld mit rund 140 Millionen grünen Halmen zu finden. Wohl jeder Lottospieler würde zugeben, dass die eigene Hand eher einen der grünen Halme zu fassen bekäme. Den Jackpot im klassischen Lotto oder im Eurojackpot zu knacken, ist genauso (un-)wahrscheinlich, wie blind den roten Halm zu greifen.

„Menschen tendieren dazu, die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen danach zu beurteilen, wie leicht ihnen passende Beispiele in den Sinn kommen, was zu systematischen Fehleinschätzungen führen kann.“, erklärt Otterbach. So werden Lotterien darum auch gern beworben: mit den Geschichten einzelner Gewinner. Indem einzelne Preise und Gewinner in den Vordergrund gestellt würden, werde der Eindruck erweckt, ein Gewinn sei einfacher zu erreichen als es die tatsächlichen Chancen nahelegen. (mit dpa-Agenturmaterial, Carsten Linnhoff)