Epstein-Skandal: Polizei ermittelt zu möglichem Menschenhandel auf Schloss Balmoral

Am 20. September 2017 wehte die königliche Standarte über dem Schloss Balmoral in Schottland. Die schottische Polizei befindet sich in einem „sehr frühen Stadium“ der Ermittlungen zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und seiner Komplizin Ghislaine Maxwell, die sich Berichten zufolge 1999 auf Einladung des ehemaligen Prinzen Andrew auf dem königlichen Anwesen Balmoral aufgehalten haben sollen, wie britische Medien am Freitag, dem 30. Oktober 2026, berichteten.
ANDREW MILLIGAN/afpDie schottische Polizei untersucht mögliche Verbindungen zwischen dem früheren Prinzen Andrew, dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und dessen langjähriger Vertrauter Ghislaine Maxwell. Im Mittelpunkt stehen Aufenthalte der drei auf Schloss Balmoral, dem schottischen Landsitz der britischen Königsfamilie.
Wie die britische Zeitung „Daily Express“ berichtet, gehen die Ermittler Hinweisen nach, wonach Frauen im Zusammenhang mit Menschenhandel auf das königliche Anwesen in Aberdeenshire gebracht worden sein könnten.
Police Scotland bestätigte gegenüber der BBC, dass entsprechende Informationen eingegangen seien und derzeit aktive Ermittlungen liefen. Diese befänden sich allerdings noch in einem sehr frühen Stadium. Weitere Einzelheiten wollte die Behörde nicht nennen.
Die Untersuchungen orientierten sich an den vorliegenden Beweisen. Dabei stünden die Bedürfnisse möglicher Opfer und Überlebender im Mittelpunkt, erklärte ein Polizeisprecher.
Epstein und Maxwell sollen Gäste auf Balmoral gewesen sein
Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell sollen in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren regelmäßig königliche Anwesen besucht haben. Auch auf Schloss Balmoral sollen sie sich gemeinsam mit Andrew Mountbatten-Windsor aufgehalten haben.
Ein Foto, das Epstein und Maxwell mutmaßlich auf Balmoral zeigt, wurde bereits während des Strafprozesses gegen Maxwell von US-Staatsanwälten veröffentlicht. Die Aufnahme soll aus dem Jahr 1999 stammen. Damals soll Andrew die beiden auf das Schloss eingeladen haben.
Weitere Hinweise auf die Verbindungen liefern Flugaufzeichnungen aus dem Jahr 2006. Demnach flogen Andrew und Maxwell am 1. September gemeinsam mit zwei weiteren Passagieren an Bord von Epsteins Privatjet von Luton nach Edinburgh.
Bereits im Februar hatte die schottische Polizei öffentlich dazu aufgerufen, sich mit Informationen über Flüge von Epsteins Privatjet zum Flughafen Edinburgh zu melden. Zu diesem Zeitpunkt lagen den Beamten nach eigenen Angaben noch keine entsprechenden Anzeigen oder Beschwerden vor.
Brisante E-Mail aus den Epstein-Akten
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Fall durch die Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Akten durch das US-Justizministerium.
Darin befindet sich eine E-Mail vom 16. August 2001, die von einer Person mit der Unterschrift „A“ an Ghislaine Maxwell geschickt wurde.
Der Absender schrieb, er befinde sich auf Balmoral bei der königlichen Familie. Später erkundigte er sich bei Maxwell, ob sie für ihn neue „unangemessene Freunde“ gefunden habe. Die Nachricht endete mit „A xxx“.
Die E-Mail wirft weitere Fragen zu den damaligen Kontakten auf. Ob sie in einem direkten Zusammenhang mit den nun untersuchten Vorwürfen steht, ist bislang nicht bekannt.

Der damalige Prinz Andrew kommt im September 2025 zur Requiem-Messe für Katharine, Herzogin von Kent, in der Westminster Cathedral.
Aaron Chown/PA Wire/dpaAndrew steht weiter unter Druck
Für Andrew Mountbatten-Windsor bedeuten die Untersuchungen eine weitere Belastung. Der Bruder von König Charles III. steht wegen seiner früheren Freundschaft mit Epstein seit Jahren in der Kritik.
Im Oktober 2025 wurde bekannt gegeben, dass Andrew seinen Prinzentitel verliert und seine bisherige Residenz Royal Lodge in Windsor verlassen muss.
Im Februar 2026 wurde er zudem wegen des Verdachts auf Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt festgenommen. Hintergrund waren Informationen aus den in den USA veröffentlichten Epstein-Akten. Später wurde er wieder freigelassen.
Anfang Oktober wurde außerdem bekannt, dass Andrew rechtliche Schritte gegen die Thames Valley Police eingeleitet hat. Dabei geht es um Durchsuchungsbeschlüsse, die vor seiner Festnahme ausgestellt worden waren.
Andrew hat jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein stets bestritten. Seine Vertreter wurden von der BBC um eine Stellungnahme zu den aktuellen Ermittlungen gebeten.
Ermittlungen stehen noch am Anfang
Jeffrey Epstein starb 2019 im Alter von 66 Jahren durch Suizid in einem US-Gefängnis, während er auf seinen Prozess wartete.
Ghislaine Maxwell wurde 2022 wegen ihrer Beteiligung an der Rekrutierung und Vermittlung minderjähriger Mädchen für Epstein zu 20 Jahren Haft verurteilt.
Ob es tatsächlich zu Menschenhandel auf dem königlichen Anwesen Balmoral gekommen ist, bleibt derzeit offen. Die schottische Polizei betont, dass die Untersuchungen erst begonnen haben und weitere Erkenntnisse zunächst abgewartet werden müssen.

