Flammenhölle in Frankreich: Unberechenbar und zerstörerisch: Feuer kommen Bordeaux immer näher

Da der Wind gedreht hat, hatdas Feuer seine Ausbreitungsrichtung geändert. Die Flammen breiteten sich nun nach Osten in Richtung des Ballungsraums von Bordeaux aus.
Maximilien Lamy/AFP/dpa- Schwere Waldbrände in Frankreich und Spanien – die Lage bei Bordeaux spitzt sich zu.
- Feuer rückt bis auf etwa 15 km an Bordeaux heran, Evakuierungen laufen weiter.
- Seit Mittwoch in der Gironde rund 220.000 Menschen in Sicherheit, 42.000 Hektar zerstört.
- Pyrocumulonimbus erschwert Kontrolle; 2500 Feuerwehrleute, 1500 Soldaten im Einsatz.
- Verkehr betroffen: A63 teils gesperrt, Bahn südlich Bordeaux gestoppt, Tour-de-France-Etappe verkürzt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Waldbrand im Großraum Bordeaux im Südwesten Frankreichs spitzt sich zu. Das Feuer ist nach Angaben von Bürgermeister Thomas Cazenave inzwischen rund 15 Kilometer von der Metropole entfernt. Er sagte nach Angaben der Regionalzeitung „L'Indépendant“, die Einwohner von Bordeaux bereiteten sich derzeit nicht auf eine Evakuierung vor. Zugleich betonte er, die Stadt sei darauf vorbereitet, auf jede mögliche Entwicklung zu reagieren.
Nach Angaben der Behörden wurden seit Mittwoch (22. Juli) in der Gironde, dem Verwaltungsbezirk rund um Bordeaux, rund 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der größte Waldbrand der Region hat inzwischen rund 42.000 Hektar Wald und Buschland zerstört.
Weitere Evakuierungen angeordnet
Der Brand bleibt schwer kontrollierbar. In der Nacht sei das Feuer in der Gironde wieder „äußerst heftig und unberechenbar“ geworden, erklärte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez. Die Flammen hätten eigene Winde erzeugt und sich in Richtung des Großraums Bordeaux bewegt.
Zeitweise entwickelte sich ein sogenannter Pyrocumulonimbus - eine gewaltige Rauchwolke, die das Feuer weiter anfachen und seine Ausbreitung schwer vorhersehbar machen kann.

Über 200 000 Menschen wurden mittlerweile in Sicherheit gebracht.
© Emma Da Silva/AP/dpaDie gewaltige Hitze eines solchen „Feuerhaufenwolke“ produziert Winde, die ständig die Richtung ändern und immer mehr Brände entfachen. Die Feuerwehr ist dagegen oft machtlos. Zudem bewirken die Feuersbrünste durch die steigende Heißluft plötzliche Gewitter, deren Blitze neue Brände auslösen. Der Regen verdampft, bevor er den Boden erreicht hat, erklärte Meteorologe Eric Rigolot am Sonntag.
Wegen der anhaltenden Gefahr ordnete die Präfektur in der Nacht die vorsorgliche Evakuierung von 55.000 weiteren Menschen in mehreren Gemeinden westlich und südwestlich von Bordeaux an. Nach Angaben der Behörden wurden rund 140 Wohnhäuser zerstört.
Warnung vor langem Kampf gegen Feuer
Innenminister Nuñez warnte vor einem langwierigen Einsatz. „Das Feuer wird lange zu bekämpfen sein.“ Rund 2500 Feuerwehrleute, unterstützt von etwa 1500 Soldaten, kämpfen gegen die Flammen. Zusätzlich kommen Löschflugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz. Landwirte unterstützen die Einsatzkräfte mit Wasseranhängern und Verpflegung.
Parallel dauerten die Löscharbeiten in anderen Teilen Frankreichs an. Im Département Landes ist ein Feuer zwar besser unter Kontrolle, aber noch nicht gelöscht. An der Mittelmeerküste im südfranzösischen Var hat ein Brand bei Gros Bessillon rund 4500 Hektar erfasst.

Unter den Evakuierten sind viele Urlauber aus der bei Touristen beliebten Küstenregion rund um das Bassin d'Arcachon. Schiffe wurden eingesetzt, um Menschen unter anderem von der Halbinsel Cap Ferret in Sicherheit zu bringen.
Maximilien Lamy/AFP/dpaRauch belastet Gesundheit und Verkehr
Die Folgen der Brände sind inzwischen auch im Alltag der Menschen spürbar. Dichter Rauch hat Teile der Départements Gironde und Landes verdunkelt. Die Behörden warnen vor gesundheitsschädlichen Stoffen wie Feinstaub, Kohlenmonoxid und Schwermetallen. In betroffenen Orten steigt die Nachfrage nach Atemmasken.

Aus der Luft sind ausgebrannte Autos nach einem Waldbrand zu sehen.
Florian Plaucheur/AFP/dpaUm Einsatzkräfte und Bevölkerung vor den giftigen Rauchschwaden zu schützen, wurden nach Angaben von Premierminister Sébastien Lecornu 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Gironde gebracht.

Ein vom Rettungskoordinierungshubschrauber des französischen Zivilschutzes aus aufgenommenes Foto zeigt, wie der Airbus A400M erstmals Löschmittel über dem Waldbrand nahe Lacanau abwirft.
Abdul Saboor/Pool Reuters/AP/dpaTour de France verkürzt
Auch der Verkehr war beeinträchtigt: Die Autobahn A63 zwischen Bordeaux und Spanien wurde auf rund 60 Kilometern gesperrt, der Bahnverkehr südlich von Bordeaux blieb bis auf weiteres unterbrochen.
Auch die letzte Etappe der Tour de France war von der angespannten Lage betroffen. Wegen der außergewöhnlichen Mobilisierung von Sicherheitskräften wurde die Strecke zwischen Mantes-la-Ville und Paris am Sonntag von 133 auf 89 Kilometer verkürzt. Ein Teil der Einsatzkräfte sollte in die von den Bränden betroffenen Gebiete, insbesondere in die Gironde, verlegt werden.

Eine Gruppe von Feuerwehrwagen steht auf einer von Rauch eingehüllten Waldstraße.
Emma Da Silva/AP/dpaMehrere Brände halten auch in Spanien in Atem
Auch in Spanien wüteten zahlreiche Waldbrände weiter. Besonders verheerend waren die Feuer in der Umgebung von Madrid sowie in den benachbarten Provinzen Ávila und Toledo, wo die Flammen insgesamt bereits rund 77.000 Hektar Wald- und Buschland erfassten und mehrere Ortschaften bedrohten.

Waldbrände in Frankreich und Spanien
dpa-InfografikGroße Sorgen bereitete auch ein Brand in der Provinz Castellón im Osten des Landes. Insgesamt waren in Spanien nach Angaben des Innenministeriums rund 120.000 Menschen von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen betroffen.
In den vergangenen Stunden gab es jedoch ermutigende Nachrichten. Vor allem in Madrid sowie in den angrenzenden Provinzen konnten die Einsatzkräfte in der Nacht dank niedrigerer Temperaturen, höherer Luftfeuchtigkeit und schwächerer Winde bedeutende Fortschritte erzielen.
Feuerwalze in Italien
Die Feuerwehr in Italien kämpft ebenfalls gegen zahlreiche Brände. Allerdings haben die Feuer längst nicht das Ausmaß wie in Frankreich und Spanien.
Betroffen sind insbesondere Regionen auf dem Festland im Süden sowie Italiens größte Inseln Sizilien und Sardinien. Auf Sardinien musste in der Umgebung der Inselhauptstadt Cagliari ein Altersheim evakuiert werden. Auf Sizilien bereitet Probleme, dass die Feuer durch den Wüstenwind Scirocco angefacht werden, der übers Mittelmeer aus Afrika kommt. (Text: dpa)
