Glühwein und Gedränge: Warum Hunde beim Weihnachtsmarkt besser zu Hause bleiben

Ein Hund mit einem Plüsch-Geweih auf dem Kopf: ARCHIV - Festlich geschmückt, aber fehl am Platz: Für Hunde können Weihnachtsmärkte mit Menschenmengen und Lärm puren Stress bedeuten.
Andreas Arnold/dpa-tmn/dpaGlühweinduft, festliche Musik und dichtes Gedränge: Was für viele Menschen zur Vorweihnachtszeit dazugehört, kann für Hunde schnell zum Albtraum werden. Eine Hundetrainerin schlägt nach Erlebnissen auf einer Kirmes Alarm. Auch ein Weihnachtsmarkt richtet einen eindringlichen Appell an Tierhalter.
Die ersten Kirmessen locken bereits Tausende Besucher an, Ende November öffnen vielerorts die Weihnachts- und Wintermärkte. Zwischen gebrannten Mandeln, Glühweinständen und Karussells sind dabei immer wieder auch Hunde zu sehen. Schließlich möchten viele Besitzer ihre geliebten Vierbeiner möglichst überallhin mitnehmen.
Doch was für Herrchen und Frauchen ein schöner Ausflug ist, kann für ihre Hunde enormen Stress bedeuten. Lautstarke Musik, fremde Gerüche, dichtes Gedränge und unzählige Menschenbeine auf Augenhöhe: Gerade für kleinere Hunde kann ein solcher Besuch zur echten Belastungsprobe werden.
Hundetrainerin entsetzt, Weihnachtsmarkt mit Bitte
Wie schlimm es für die Tiere werden kann, schildert Hundetrainerin Jessica Piche von der Hundeschule „train_pawsitive“ in Soest. Nach einem Besuch der Allerheiligenkirmes, die vom 4. bis 8. November stattfindet, machte sie ihrem Ärger auf Instagram Luft.
Innerhalb von nur vier Stunden seien ihr fünf kleine Hunde begegnet, deren Anblick sie betroffen gemacht habe. Die Tiere seien von ihren Besitzern durch die völlig überfüllte Kirmes gezogen worden.
Die Hunde hätten sich zwischen Menschenbeinen, Kinderwagen und dicht gedrängten Besuchern ihren Weg bahnen müssen. Immer wieder sei an ihren Leinen gezogen worden.
Die Hundetrainerin appelliert deshalb an die Besitzer, sich in die Lage ihrer Tiere zu versetzen. Denn aus rund 30 Zentimetern Höhe sieht eine überfüllte Kirmes völlig anders aus als aus menschlicher Perspektive.
Mit Blick auf die bevorstehende Adventszeit richtet auch der Altdeutsche Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen eine klare Bitte an Tierhalter.
Auf Social Media weist der Weihnachtsmarkt darauf hin, dass das Veranstaltungsgelände für Hunde und andere Tiere kein geeigneter Ort sei. Die vielen Menschen, lauten Geräusche und intensiven Gerüche könnten für die Vierbeiner sehr belastend sein.
Die Veranstalter bitten Besucher deshalb, ihre tierischen Begleiter lieber in der vertrauten, ruhigen Umgebung zu Hause zu lassen.
Warum der Weihnachtsmarkt für Hunde zum Problem werden kann
Tatsächlich sind es gleich mehrere Faktoren, die einen Weihnachtsmarktbesuch für Vierbeiner unangenehm oder sogar gefährlich machen können.
Hunde nehmen Geräusche und Gerüche deutlich intensiver wahr als Menschen. Laute Musik, Stimmengewirr und die vielen unterschiedlichen Gerüche können sie überfordern. Dazu kommt das Gedränge: Zwischen zahllosen Beinen haben besonders kleine Hunde kaum eine Möglichkeit, auszuweichen. Im schlimmsten Fall werden sie versehentlich getreten.
Auch auf dem Boden lauern Gefahren. Glasscherben, Essensreste oder heruntergefallene Süßigkeiten können für Hunde gefährlich werden.
Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN empfiehlt deshalb ebenfalls, Hunde beim Weihnachtsmarktbesuch möglichst zu Hause zu lassen.
So erkennen Besitzer, dass ihr Hund gestresst ist
Das Problem: Nicht jeder Hund zeigt seine Überforderung durch Bellen oder offensichtliche Panik. Oft sind es kleine Signale, die Besitzer übersehen.
Eine eingeklemmte Rute, angelegte Ohren, häufiges Lecken über die Lippen oder auffälliges Hecheln können darauf hindeuten, dass sich der Vierbeiner unwohl fühlt. Auch wenn ein Hund immer wieder versucht, Abstand zu gewinnen, sollte das ernst genommen werden.
Und nur weil ein Tier brav an der Leine mitläuft, bedeutet das noch lange nicht, dass es den Ausflug genießt.
Natürlich reagiert nicht jeder Hund gleich. Manche sind an Trubel gewöhnt und bleiben auch in belebter Umgebung entspannt. Doch gerade überfüllte Weihnachtsmärkte bieten wenig Raum, um sich zurückzuziehen.
Manchmal ist Zuhausebleiben die bessere Entscheidung
Wer seinen Hund liebt, möchte ihm möglichst viel bieten. Doch nicht jedes Erlebnis, das Menschen begeistert, ist auch für Tiere schön.
Für einen Weihnachtsmarktbesuch ist es daher häufig die bessere Entscheidung, den Hund in seiner vertrauten Umgebung zu lassen – vorausgesetzt, er kann entspannt allein bleiben. Andernfalls kann eine Betreuung durch vertraute Personen sinnvoll sein.
Sollte die Mitnahme unvermeidbar sein, empfiehlt es sich, ruhige Besuchszeiten zu wählen, Gedränge zu meiden und den Hund genau zu beobachten.
Die Hundetrainerin aus Soest bringt den Gedanken auf Instagram auf den Punkt: „Ein Hund muss nicht überall dabei sein.“
Vielleicht ist genau das der wichtigste Vorsatz für die bevorstehende Weihnachtsmarktsaison: Den Glühwein können Herrchen und Frauchen auch einmal ohne ihren Vierbeiner genießen.
