Sanierungsarbeiten im Magdeburger Dom: Grabmal Kaiser Ottos des Großen wird restauriert

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt zeigt in der Sakristei des Magdeburger Doms Medienvertretern ein Live-Video, welches das Innere der Holzkiste des Grabes von Otto dem Großen zeigt. Seit Januar führen das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt Untersuchungen zur Bewahrung des Denkmals durch.
Klaus-Dietmar Gabbert/dpaIm Magdeburger Dom ist das berühmte Grabmal von Kaiser Otto dem Großen (912-973) für einige Zeit nicht zu sehen. Für Konservierungsmaßnahmen wird darüber aktuell eine geschlossene Einhausung errichtet.
Mit einer Fläche von 5,80 mal 9,30 Metern und einer Höhe von rund 3,7 Metern nehme die Hülle aus Holzwerkstoffplatten nahezu den gesamten Hohen Chor ein, teilten die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mit.

Experten sehen das Otto-Grab gefährdet. Es weist verschiedene Schäden auf.
Foto: dpa/Klaus-Dietmar GabbertFragiler Sarkophag des Kaisers
Domprediger Jörg Uhle-Wettler habe zuvor am Dreikönigstag einen biblischen Text gelesen, den der schon Kaiser gekannt habe, und ein Gebet gesprochen mit der Bitte um Vergebung, da die Ruhe gestört werde.
Experten sehen das Otto-Grab gefährdet. Es weist verschiedene Schäden auf. Eisenklammern rosten, dehnen sich zunehmend aus und drohen, die marmorne Abdeckplatte und den Kalksteinkörper zu sprengen, wie es heißt. Die Deckplatte und der Sarkophagkasten wiesen bereits erhebliche Risse auf.
Der Sarkophag sei als relativ fragil zu beschreiben. Im Inneren befindet sich ein Holzsarg mit Textilien und menschlichen Überresten. Er wurde zuletzt 1844 geöffnet. Mithilfe einer Kamera wurde jüngst entdeckt, dass auch der Holzsarg Schäden und Öffnungen aufweist.

Im Inneren des Sarkophags befindet sich ein Holzsarg mit Textilien und menschlichen Überresten.
Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert
Experten wollen die Standfestigkeit und Stabilität des Sarkophags überprüfen
Foto: dpa/Klaus-Dietmar GabbertDokumentation der Schäden
Wie die Kulturstiftung und das Landesamt weiter mitteilten, sind zunächst detaillierte zeichnerische, fotografische und digitale Dokumentationen der von außen sichtbaren Schäden geplant.
Zudem sollen verschiedene naturwissenschaftliche Analysen durchgeführt werden, etwa eine Riss- und Werkstoffprüfung und geophysikalische Untersuchungen. Weiterhin wollen Experten die Standfestigkeit und Stabilität des Sarkophags überprüfen. Das soll über nichtinvasive Methoden geschehen.
Herrschaft der Ottonen

Otto I. der Große in der Schlacht auf dem Lechfeld, 10. August 955. Es war der entscheidende Sieg für ihn über die Ungarn.
Foto: Imago/ImagebrokerDie Bezeichnung Ottonen geht auf die drei liudolfingischen Kaiser Otto I. (936–973), Otto II. (973–983) und Otto III. (996-1002) zurück.

Otto I. gilt als einer der bedeutendsten Herrscher im frühen Mittelalter. Nach der Abwehr von Normannen, Ungarn und Sarazenen erlebte Europa in seiner Zeit einen unvergleichlichen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.
Foto: Imago/ImagebrokerBereits zu Regierungszeiten von König Heinrich I. (um 876-936, König des Ostfrankenreiches von 919-936) aus dem Geschlecht der sächsischen Liudolfinger war Quedlinburg einer der Hauptorte der Herrscherdynastie der Ottonen. Sie wurde durch Heinrichs I. Sohn, den ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Otto den Großen (912-973) begründet.

Otto I. war ab 936 deutscher König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, hier vergibt er seinem Sohn Ludolf, Historisch, digital restaurierte Reproduktion einer Vorlage aus dem 19. Jahrhundert
Foto: Imago//H.Tschanz-HofmannOtto I. gilt als einer der bedeutendsten Herrscher im frühen Mittelalter. Nach der Abwehr von Normannen, Ungarn und Sarazenen erlebte Europa in seiner Zeit einen unvergleichlichen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Unter anderen bildete sich in Ansätzen das heutige Gefüge der Nationalstaaten heraus.Otto I., auch Otto der Große genannt, war der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Otto wurde 962 in Rom zum Kaiser gekrönt. 968 gründete er das Erzbistum Magdeburg. 973 starb er im Memleben. Er wurde im Magdeburger Dom an der Seite seiner schon 946 verstorbenen Frau Editha beigesetzt.