Grenze Österreich/Schweiz/Südtirol: Reschenpass immer wieder gesperrt

Einer der beliebtesten Wege nach Südtirol: Charakteristische Kirche im Stausee am Reschenpass.
IMAGO/Ulrich WagnerFast überall Probleme auf dem Weg in den Süden: Nicht nur Brenner und Fernpass sind mehrfach beeinträchtigt, sondern auch der Reschenpass (B180 Reschenstraße), der als eine der beliebtesten Alpenüberquerungen für Urlauber auf dem Weg nach Südtirol und Italien gilt. Wer in Richtung Vinschgau oder Gardasee unterwegs ist, braucht aktuell viel Geduld: Der Neubau der Kanzelgalerie sorgt auf der Tiroler Seite im Abschnitt zwischen Pfunds und Nauders regelmäßig für Engpässe, Einspurigkeit und zeitweise auch Vollsperrungen. Das Bauprojekt an der sogenannten Kanzelgalerie ist aktuell die größte Straßenbaustelle des Landes Tirol. Das Hauptziel der Maßnahme ist der dauerhafte Schutz der vielbefahrenen Strecke vor Steinschlag und Lawinen.
Lesen Sie auch: Sperrung am Brenner, Mega-Stau am Gotthard? (von Michael Bosch)
Was wird am Reschenpass gebaut?
Im Rahmen des Projekts wird eine rund 400 Meter lange Schutzgalerie errichtet. Das Investitionsvolumen liegt bei etwa 40 Millionen Euro, wobei mehr als 2.300 Tonnen Stahl und 16.000 Kubikmeter Beton verbaut werden. Durch den unwegsamen Felsbereich oberhalb der Straße kommt es besonders bei Frost-Tau-Wechseln immer wieder zu losem Gestein, was aufwendige Felsräumungen und Schutzmaßnahmen zwingend erforderlich macht.

Hoch über Meran und dem Vinschgau: Relais & Châteaux Castel Fragsburg.
Castel FragsburgEinspurig über den Reschenpass – oder mit Umleitung
Aufgrund der engen Passstraße und der steilen Hangarbeiten lässt sich der Verkehr während der Bauphase nicht durchgehend zweispurig halten. Im normalen Baustellenbetrieb wird der Verkehr einspurig mit einer Ampelregelung durch den Baustellenbereich geführt. Hier müssen Reisende mit Wartezeiten rechnen.
In intensiveren Bauphasen – insbesondere im Herbst – kommt es unter der Woche zu mehrstündigen oder auch ganztägigen Totalsperren für Felsräumungen und Asphaltierungsarbeiten. An stark frequentierten Reisetagen, wie Wochenenden oder Feiertagen, wird die Straße nach Möglichkeit zweispurig freigegeben entlastet. Der finale Abschluss des Großprojekts ist für Ende 2026 geplant.
Reschenpass-Umleitung über die Schweiz
Während der Vollsperrungszeiten wird der PKW-Verkehr lokal umgeleitet. Die Route führt von der Kajetansbrücke in Österreich über die Engadiner Straße (B184) auf Schweizer Staatsgebiet nach Martina. Von dort geht es über die serpentinenreiche Martinsbrucker Straße (B185) hinauf nach Nauders auf die Norbertshöhe, bevor man dann wieder auf die normale Strecke Richtung hinunter Richtung Vinschgau und Meran gelangt.
Diese Umleitung bedeutet einen Zusatzweg von etwa 6,6 Kilometern und einen Zeitverlust von etwa 15 bis 20 Minuten. Da die Strecke kurzzeitig durch die Schweiz führt, sollten Reisende ihren Personalausweis oder Reisepass griffbereit halten.
Beachten Sie die Einschränkungen auf der Umleitungsstrecke: Die B185 führt über zehn enge Kehren steil bergan. PKW mit Wohnwagen sind nur zugelassen, wenn der Anhänger eine maximale Länge von 6,5 Metern nicht überschreitet. Normale Wohnmobile dürfen die Strecke befahren. Für LKW und Busse über 13 Meter Länge ist die Schweizer Route komplett gesperrt.
Reisetipps für den Reschenpass
- Echtzeit-Verkehrslage prüfen: Schauen Sie vor Fahrtantritt in die aktuellen Verkehrsmeldungen von ÖAMTC-, ARBÖ- oder Südtiroler Verkehrszentrale.
- Reisezeiten anpassen: Vermeiden Sie nach Möglichkeit Wochentage mit angekündigten Tagessperren und weichen Sie auf das Wochenende aus.
- Ausweichrouten nutzen: Als weiträumige Ausweichstrecke bieten sich San Bernardino, Gotthard oder die Brennerautobahn (A13/A22) an. Diese ist wegen einer Brückbaustelle allerdings ebenfalls in beide Richtungen auf eine Spur verengt. Lediglich an Hauptreisetagen wird dort teilweise eine zweite Spur geöffnet. Lokal könnte man auch über den Ofenpass (2149 Meter) zwischen der Schweiz und Italien ausweichen und die Landschaft im Engadin genießen.
Wer die steile Reschenpass-Umleitungsstrecke über Martina (CH) und Martinsbruck (AT) in den kühleren Monaten nutzt, sollte indes wintertaugliche Bereifung oder gegebenenfalls sogar Schneeketten mitführen.