Heidnisch oder harmlos
: Darf man als Christ Halloween feiern?

Ist Halloween für Christen ein harmloser Spaß oder eine bedenkliche Feier mit heidnischen Wurzeln? Wie ein ausgewogener Umgang möglich ist.
Von
Katrin Jokic
Stuttgart
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Kürbis-Gesichter leuchten in einem Garten.

Kürbis-Gesichter leuchten in einem Garten.

picture alliance/dpa | Patrick Pleul

Am 31. Oktober 2026 ist wieder Halloween. Kinder ziehen verkleidet von Haus zu Haus, Kürbisse leuchten vor den Haustüren und vielerorts finden Gruselpartys statt. Doch nicht alle stehen dem Fest unkritisch gegenüber. Besonders unter Christen ist Halloween umstritten. Schließlich fallen auf denselben Tag auch der evangelische Reformationstag und der Vorabend des katholischen Feiertags Allerheiligen.

Dürfen Christen also Halloween feiern oder widerspricht das Fest ihrem Glauben? Wir stellen die wichtigsten Argumente dafür und dagegen vor und zeigen, wie die Kirchen in Stuttgart dazu stehen.

Pro-Halloween: Warum Christen Halloween feiern können

Halloween ist heute vor allem ein gesellschaftliches Fest. Zwar hat das Fest religiöse und historische Wurzeln, doch für die meisten Menschen stehen inzwischen Verkleidungen, Süßigkeiten und gemeinsame Unternehmungen im Vordergrund. Wer Halloween feiert, beschäftigt sich deshalb nicht automatisch mit okkulten Praktiken oder religiösen Ritualen.

Besonders für Kinder ist Halloween eine Gelegenheit, mit Freunden Spaß zu haben. Das Sammeln von Süßigkeiten, das Tragen von gruseligen Kostümen und das gemeinsame Feiern müssen nicht im Widerspruch zum christlichen Glauben stehen.

Ein weiteres Argument: Halloween und christliche Traditionen schließen sich nicht zwangsläufig aus. So können Familien am 31. Oktober Halloween feiern und gleichzeitig den Reformationstag oder Allerheiligen bewusst begehen.

Auch verschiedene evangelische Kirchengemeinden gehen inzwischen kreativ mit Halloween um. Sie veranstalten beispielsweise sogenannte Church Nights zum Reformationstag, bei denen Musik, Gemeinschaft und christliche Inhalte im Mittelpunkt stehen.

Contra-Halloween: Warum manche Christen das Fest ablehnen

Nicht alle Christen betrachten Halloween als harmloses Vergnügen. Einige lehnen das Fest aus religiösen Gründen ab.

Ein Kritikpunkt sind die historischen Wurzeln. Halloween wird unter anderem mit dem keltischen Samhain-Fest in Verbindung gebracht, das den Übergang in die dunkle Jahreszeit markierte. Auch Vorstellungen von Geistern und der Welt der Toten spielten dabei eine Rolle. Wie genau sich diese Bräuche mit späteren christlichen Traditionen vermischten, ist historisch allerdings nicht in allen Einzelheiten geklärt.

Manche Christen sehen in den typischen Halloween-Symbolen wie Hexen, Geistern und Dämonen einen Widerspruch zu ihrem Glauben. Sie befürchten, dass durch das Fest übernatürliche oder okkulte Vorstellungen verharmlost werden.

Besonders kritisch betrachten einige Gläubige die Wirkung auf Kinder. Sie argumentieren, dass die Beschäftigung mit Tod, Dämonen und Angst nicht zu den christlichen Werten passe.

Hinzu kommt ein weiterer Einwand: Halloween könnte die eigentliche Bedeutung christlicher Gedenktage verdrängen. Während evangelische Christen am 31. Oktober an die Reformation erinnern, feiern Katholiken am 1. November Allerheiligen und gedenken am 2. November, an Allerseelen, besonders der Verstorbenen.

Was sagen die Kirchen in Stuttgart zu Halloween?

Die beiden großen Kirchen in Stuttgart haben sich bereits 2024 auf Anfrage unserer Zeitung mit dem Thema beschäftigt. Ihre damaligen Einschätzungen zeigen, dass Halloween aus christlicher Sicht nicht grundsätzlich abgelehnt werden muss.

Evangelische Kirche: Gegen fröhliches Feiern ist nichts einzuwenden

Eckart Schultz-Berg, Dekan der Evangelischen Kirche in Stuttgart, sah kein grundsätzliches Problem darin, Halloween zu feiern. „Von bösen Dämonen, die man durch altheidnische Riten abwehren muss, halten wir in der Evangelischen Kirche eigentlich nichts“, erklärte er 2024 gegenüber unserer Zeitung. Zugleich betonte er: „Trotzdem ist gegen fröhliches Feiern nichts einzuwenden.“

Für Protestanten steht am 31. Oktober traditionell der Reformationstag im Mittelpunkt. Schultz-Berg verwies deshalb auf die sogenannten Church Nights, die in evangelischen Kirchengemeinden veranstaltet werden. Dort wird der Reformationstag mit Musik und einem abwechslungsreichen Programm gefeiert.

Katholische Kirche: Halloween hat auch christliche Wurzeln

Auch Johannes Reich, Theologe und Geschäftsführer des Stadtdekanats Stuttgart, stellte in seiner damaligen Antwort die christlichen Traditionen rund um Halloween heraus.

„In die dunkle Jahreszeit Licht und Farbe zu bringen und die Beziehung mit ‚Untoten‘ zu pflegen, gehört zum Christentum“, erklärte Reich 2024 gegenüber unserer Zeitung.

Halloween ist die Kurzform von „All Hallows' Eve“, dem englischen Namen für den Abend vor Allerheiligen. Am 1. November gedenkt die katholische Kirche der Heiligen. Am darauffolgenden Allerseelentag stehen die Verstorbenen besonders im Mittelpunkt.

Reich regte dazu an, den „Geister-Kitsch“ rund um Halloween kritisch zu hinterfragen und sich auch mit anderen Traditionen zu beschäftigen. Als Beispiele nannte er den Besuch am Grab eines verstorbenen Angehörigen oder Freundes, Ausstellungen zur Reformationszeit und die ersten Sankt-Martin-Umzüge.

In einer damaligen Pressemitteilung verwies die katholische Kirche Stuttgart außerdem auf die internationale Bedeutung von Allerheiligen. In zahlreichen katholisch geprägten Ländern ist der Feiertag eng mit dem Gedenken an die Verstorbenen verbunden.

Fazit: Dürfen Christen Halloween feiern?

Ja, grundsätzlich können Christen Halloween feiern. Ein allgemeines christliches Verbot gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr, welche Bedeutung man dem Fest selbst beimisst.

Wer Halloween als Gelegenheit betrachtet, sich zu verkleiden, Süßigkeiten zu verteilen und gemeinsam mit Freunden oder der Familie zu feiern, muss darin keinen Widerspruch zum christlichen Glauben sehen. Wer dagegen bestimmte Symbole und Bräuche aus religiösen Gründen ablehnt, kann auf die Teilnahme verzichten.

Auch die evangelische und die katholische Kirche in Stuttgart zeigten sich in ihren Stellungnahmen aus dem Jahr 2024 offen für einen differenzierten Umgang mit dem Fest.

Christen müssen sich also nicht zwangsläufig zwischen Halloween und ihrem Glauben entscheiden. Wer möchte, kann den Gruselspaß mit den christlichen Traditionen rund um den Reformationstag, Allerheiligen und Allerseelen verbinden.