Reisen in unsicheren Zeiten: Was Urlauber jetzt unbedingt beachten sollten

Eine Rauchwolke am 1. März 2026, verursacht durch einen iranischen Angriff, ist im Hintergrund zu sehen, während Flugzeuge der Emirates nach der Schließung des Flughafens auf dem Dubai International Airport geparkt sind.
APDie geopolitische Lage im Nahen Osten ist angespannt und hat auch spürbare Auswirkungen auf Reisende weltweit. Wir haben mit dem Reiseexperten Marcel Conrad, Deputy Chief Content Officer bei A3M Global Monitoring, gesprochen: Was sollten Reisende jetzt wissen, wenn sie in den kommenden Monaten verreisen wollen?
Aktuelle Sicherheitslage im Nahen Osten
Die Situation in Teilen des Nahen Ostens ist derzeit kritisch. „Die Sicherheitslage in großen Teilen des Nahen Ostens hat sich durch den Irankrieg deutlich verschlechtert“, sagt Marcel Conrad. Besonders betroffen seien „der Südlibanon, die Kurdengebiete im Irak, Israel und die Golfstaaten, wo es nahezu täglich zu Luftangriffen kommt.“
Auch wenn viele Angriffe abgewehrt werden, bleibe ein Risiko bestehen. „Viele Drohnen- und Raketenangriffe aus dem Iran werden zwar abgefangen, doch auch Trümmerteile können Schäden und Opfer verursachen.“ Zudem seien auch zivile Schifffahrtsrouten betroffen: „Schiffe im Persischen Golf und im Golf von Oman sind ebenfalls Angriffen ausgesetzt.“
Auswirkungen auf Urlaubsländer: Die Folgen für Reisen in die Türkei, nach Ägypten, Thailand und Co.
Nicht alle beliebten Reiseziele der Deutschen sind gleichermaßen betroffen. Conrad differenziert: „Im äußersten Süden der Türkei wurden seit Beginn des Krieges am 28. Februar einzelne iranische Raketen von der Luftabwehr abgefangen. Die beliebten Urlaubsregionen liegen jedoch hunderte Kilometer weiter westlich und sind derzeit nicht betroffen.“
Auch Ägypten bleibt bislang stabil: „Ägypten war bisher nicht betroffen.“ Anders ist die Lage auf Zypern: „In Zypern wurden vereinzelt Drohnen abgeschossen; in der Nähe von Militärstützpunkten und am Flughafen in Paphos kam es zwischenzeitlich zu Evakuierungen.“ Der Flugverkehr habe sich zwar beruhigt, „Zwischenfälle bleiben jedoch möglich.“
Auch weit entfernte Reiseziele sind indirekt über den Flugverkehr betroffen. „Die Golf-Region dient hier als zentrales Drehkreuz für Umsteigerverbindungen, die derzeit nur eingeschränkt oder gar nicht durchgeführt werden“, sagt Conrad. Große Flughäfen seien weiterhin beeinträchtigt: „An großen Drehkreuzen wie Dubai hat sich der Betrieb noch nicht normalisiert.“
Das hat konkrete Folgen: „Entsprechend muss hier auf Direktverbindungen ausgewichen werden, die jedoch extrem gefragt und damit sehr teuer sind.“ Besonders bei Reisen nach Thailand, Bali oder Australien könnten Urlauber diese Entwicklung deutlich merken. „Luftraumsperrungen führen auf Routen zwischen Europa und Asien zu erheblichen Verspätungen.“ Airlines reagieren mit Umleitungen. „Fluggesellschaften meiden voraussichtlich langfristig den iranischen Luftraum, sodass Reisende weiterhin mit verlängerten Flugzeiten rechnen müssen.“
Was Reisende jetzt konkret tun sollten
Angesichts der Lage empfiehlt der Experte vor allem eine gute Vorbereitung. „Reisende sollten sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen, um im Notfall schnell kontaktiert werden zu können.“
Auch die Informationsbeschaffung ist entscheidend. „Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sind ein guter Ausgangspunkt“, so Conrad. Zusätzlich empfiehlt er aktuelle Nachrichtenquellen wie „Newsticker großer Medien wie BBC oder Al Jazeera.“
Reisetipp: Pauschalreise oder individuell buchen?
Gerade in unsicheren Zeiten spielt die Buchungsart eine große Rolle. „Bei einer unklaren Sicherheitslage oder um grundsätzlich gegenüber Risiken besser abgesichert zu sein, empfiehlt sich die Buchung einer Pauschalreise“, sagt Conrad.
Denn hier gilt: „Pauschalreisen in Länder mit aktueller Reisewarnung können kostenlos storniert oder umgebucht werden.“ Für Individualreisende sieht das anders aus: „Diese Möglichkeit haben Individualreisende nicht.“
Versicherungen helfen nur eingeschränkt
Viele Urlauber setzen auf Versicherungen, doch deren Schutz ist zum Teil begrenzt. „Reiserücktrittsversicherungen und Reiseabbruchversicherungen decken grundsätzlich finanzielle Schäden ab, wenn eine Reise aus bestimmten, unerwarteten persönlichen Gründen nicht angetreten werden kann oder vorzeitig beendet werden muss.“
Allerdings gibt es Einschränkungen: „Die Deckung bezieht sich jedoch in der Regel nicht auf allgemeine geopolitische Entwicklungen.“ Auch Reisewarnungen allein reichen oft nicht aus. „Auch Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes sind allein meist kein Versicherungsfall.“ Bei Pauschalreisen hingegen greift der Veranstalter: „Hier übernimmt im Ernstfall der Reiseveranstalter die Kosten.“
Warum Reisen teurer werden
Ein weiterer Effekt: steigende Preise. „Die aktuelle Eskalation im Nahen Osten wirkt sich bereits spürbar auf die Kostenstruktur der Luftfahrt aus“, sagt Conrad. Zwei Faktoren treiben die Preise: „steigende Treibstoffpreise und längere Flugrouten durch Luftraumumleitungen.“ Erste Airlines haben bereits reagiert: „Mehrere Airlines haben bereits ihre Preise angehoben, so z.B. Quantas, Air New Zealand, Thai Airways und Air India.“
Langfristig dürfte sich das fortsetzen: „Im Allgemeinen ist jedoch damit zu rechnen, dass sich die Flugpreise und damit auch mittelfristig die Pauschalreisen verteuern werden.“
Reise-Alternativen
Die Nachfrage könnte sich als Reaktion auf die veränderte geopolitische Lage verschieben. „Wahrscheinlich profitieren Ziele, die als stabil und gut erreichbar gelten – etwa Südeuropa, Kanaren, Portugal, die Karibik und weitere Fernziele mit Direktflügen“, erklärt Conrad.
Auch Airlines reagieren: „So hat die Lufthansa bereits ihr Angebot an Direktflügen nach Südafrika und Singapur deutlich erhöht.“ Preislich sei die Entwicklung noch offen: „Kurzfristig sind noch keine Regionen günstiger geworden, aber dies ist möglich, wenn hier mittelfristig Nachfrage wegbricht. Allerdings kann dies durch knappe Flugkapazitäten und steigende Kerosinkosten kompensiert werden. Am Ende kommt es darauf an, wie lange der Konflikt dauert und wann sich das zentrale Flugverkehrsdrehkreuz der Golf-Region wieder stabilisiert.“
Fazit: Planungssicherheit aktuell eingeschränkt
Trotz aller Unsicherheiten rät Conrad nicht grundsätzlich von Reisen ab. „Wir raten Urlaubern generell zur Buchung einer Pauschalreise, da dieser hier im Ernstfall abgesichert ist und im Falle von Reisewarnungen vom Vertrag zurücktreten kann. Wer unsicher ist, sollte Flexoptionen buchen, um kurzfristig umbuchen zu können.“
Für Fernreisen gilt: „Fernreisen Richtung Westen sind unkritisch, Richtung Südostasien sollte man auf Direktflüge setzen, die jedoch eine starke Nachfrage und damit gestiegene Preise verzeichnen. Nicht jede Fernreise ist derzeit unvernünftig – aber Umsteigeverbindungen über die Golf-Hubs sind momentan klar störanfälliger als üblich.“
