Superzellen wie in Stuttgart
: Hagelkörner so groß wie Tennisbälle: Wieder fegen Unwetter über Norditalien

Erneut wird Norditalien von schweren Unwetter heimgesucht. Riesige Hagelkörner verwüsten Autos, Häuser und Felder. Und ein Ende der Superzellen-Saison ist noch lange nicht in Sicht.
Von
Markus Brauer
Turin/Cortina d‘Ampezzo
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Norditalien ist von schweren Unwettern heimgesucht worden. Der Hagel führte zu massiven Schäden.

Norditalien ist von schweren Unwettern heimgesucht worden. Der Hagel führte zu massiven Schäden.

Imago/NurPhoto
  • Schwere Unwetter trafen Norditalien: Superzellen zogen von Piemont bis Friaul.
  • Riesige Hagelkörner verwüsteten Autos, Häuser und Felder, teils tennisballgroß.
  • Bei Turin wurden bis zu neun Zentimeter große Körner gemeldet – Dächer und Verkehr betroffen.
  • Cortina d’Ampezzo lag unter starkem Hagel, Straßen wurden überflutet, Temperaturen sanken stark.
  • Auch Freitag und Samstag drohen lokal schwere Gewitter nahe Frankreich, Österreich und Schweiz.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Schwere Unwetter haben in den vergangenen Tagen den Norden Italiens getroffen. Superzellen fegten vom Piemont über die Emilia-Romagna bis nach Friaul-Julisch-Venetien hinweg.

Gefährliche Superzellen

Superzellen-Gewitter zählen zu den gefährlichsten Wetterphänomenen Europas. Diese besonders intensiven Gewitterzellen treten meistens im Sommer auf. Sie zeichnen sich durch einen rotierenden Aufwind, also aufsteigende, warme, feuchte Luft aus und bringen heftige Windböen, großen Hagelkörnern, und starke Regenfälle mit sich.

Superzellen-Gewitter führen regelmäßig zu erheblichen Sachschäden, Ernteverlusten, Verkehrsproblemen und zu Verletzungen und Todesfällen. Auch das Tornadorisiko ist höher als bei anderen Gewitterarten.

Orkanböden und Hagelschauer wüten

Im Piemont fiel lokal Hagel so groß wie Golfbälle, nahe Turin sogar Körner mit einem Durchmesser von neun Zentimetern. Rund um Bologna rissen Orkanböen um 120 Kilometer pro Stunde Bäume um und beschädigten Dächer. Der Verkehr kam vielerorts zum Erliegen.

Auch an diesem Freitag (17. Juli) und am Samstag (18. Juli) drohen in der Region örtlich wieder schwere Gewitter – vor allem nahe der Grenze zu Frankreich, Österreich und der Schweiz.

Cortina d’Ampezzo wird zur Eislandschaft

Vor allem der bekannte Wintersportort Cortina d’Ampezzo verwandelte sich in eine Eislandschaft, die Temperaturen stürzten innerhalb weniger Minuten ins Bodenlose. „Cortina d’Ampezzo gerade jetzt unter einem unglaublichen Gewitter und starkem Hagelschauer. Aber wenigstens haben wir jetzt 14 Grad, eine angenehme Frische“, schreibt eine Userin auf Facebook.

Das Video wurde von der Website Passione Neve e Montagna geteilt und ging in den sozialen Medien viral.

Auch über der Provinz Turin und Teilen der Region Cuneo ging Hagel nieder. In Carmagnola, südlich von Turin, gingen Hagelkörner so groß wie Tennisbälle nieder, wie auf der Facebook-Seite „Andrea Vuolo – Meteo in Piemonte“ zu sehen ist.

Das Unwetter hinterließ eine Schneise der Zerstörung. Im Ortsteil Oselle bei Carmagnola beschädigten orangengroße Hagelkörner zahlreiche Autos und richteten Schäden an Gebäuden an, wie der Corriere di Carmagnola berichtete.

In San Pietro Val Lemina und Cerreto di Carignano zerstörte Hagel Autodächer und riss Hausdächer ab, Straßen verwandelten sich in Seen, Felder wurden großflächig verwüstet. Weitere betroffene Orte waren Villar Perosa, Alba, Pinerolo, Cantalupa, Roletto und Frossasco.

Wie entsteht Hagel?

Voraussetzung für Hagel sind Gewitterwolken. Diese bilden sich, wenn zwischen der Luft direkt über dem Boden und der Atmosphäre ein großer Temperaturunterschied herrscht – also vor allem im Sommer, wenn die Sonne den Erdboden erwärmt.

Während wir unten schwitzen, herrschen in bis zu elf Kilometern Höhe eisige Minusgrade. Dadurch können sich innerhalb der Wolke starke Aufwinde bilden, die entscheidend für die Entstehung von Hagel sind.

Am warmen Erdboden verdampft Wasser, das in der kühlen Atmosphäre wieder kondensiert. Durch die herrschenden Aufwinde werden die Wassertröpfchen höher und höher getragen, bis sie zu Eiskristallen gefrieren. Das schwere Eisteilchen fällt durch die Schwerkraft hinab und wird durch die Aufwinde immer wieder nach oben geschleudert.

Bei jedem Vorgang wächst die Eisschicht, die Körner werden größer und größer, bis sie schließlich zu schwer werden, um von den Aufwinden getragen zu werden. Sie fallen als Hagel hinab.