Keine Sonnenfinsternisbrille bekommen: Wie kann man das Spektakel ohne Brille beobachten?

Was, wenn man keine der Brillen bekommen hat?
Manuel Genolet/dpaWer keine Sonnenfinsternisbrille zur Hand hat, muss auf das Himmelsereignis nicht vollständig verzichten. Entscheidend ist allerdings, dass die Sonne nicht direkt betrachtet wird.
Am Mittwochabend ist in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Je nach Standort werden große Teile der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt, in Deutschland sind es bis zu rund 90 Prozent. Trotzdem bleibt der direkte Blick in die Sonne gefährlich. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt, dass die Netzhaut innerhalb kurzer Zeit irreparabel geschädigt werden kann.
Aber kann man die Sonnenfinsternis auch beobachten, wenn man keine spezielle Brille besitzt? Die Antwort lautet: Ja – allerdings nur indirekt.
Ohne Sonnenfinsternisbrille: Lochkamera ist eine Alternative
Das Bundesamt für Strahlenschutz bezeichnet die indirekte Betrachtung mittels Lochkamera, auch Camera obscura genannt, sogar als sicherste Methode zur Sonnenbeobachtung. Dabei schaut man nicht zur Sonne, sondern betrachtet lediglich ihr auf eine Fläche projiziertes Abbild.
Das Prinzip ist einfach: Durch eine kleine Öffnung fällt Sonnenlicht auf eine dahinterliegende helle Fläche. Dort erscheint ein kleines Abbild der Sonne. Während der Finsternis lässt sich so erkennen, wie der Mond einen immer größeren Teil der Sonnenscheibe bedeckt.
Auch die NASA empfiehlt eine solche sogenannte Pinhole-Projektion als sichere Alternative, wenn keine Sonnenfinsternisbrille vorhanden ist. Wichtig dabei: Die Sonne befindet sich hinter dem Beobachter. Angeschaut wird ausschließlich die Projektion – niemals durch das Loch direkt in die Sonne.
Auch ein Küchensieb kann die Sonnenfinsternis sichtbar machen
Für die indirekte Beobachtung braucht es nicht zwingend eine selbst gebaute Lochkamera. Kleine Öffnungen können ebenfalls Bilder der Sonnensichel auf eine Fläche projizieren.
Die NASA nennt beispielsweise die Löcher eines Küchensiebs: Während einer partiellen Sonnenfinsternis erscheinen auf dem Boden oder einer anderen hellen Fläche zahlreiche kleine Abbilder der teilweise verdeckten Sonne. Auch die Zwischenräume von Blättern eines Baumes können diesen Effekt erzeugen.
Der entscheidende Punkt bleibt immer derselbe: Nicht die Sonne selbst wird angeschaut, sondern lediglich ihr projiziertes Bild.
Normale Sonnenbrille reicht nicht aus
Keine Alternative ist eine gewöhnliche Sonnenbrille – unabhängig davon, wie dunkel ihre Gläser sind. Für den direkten Blick auf die Sonne sind spezielle Schutzbrillen beziehungsweise Sonnenfilter erforderlich. NASA und BfS warnen ausdrücklich davor, normale Sonnenbrillen als Ersatz zu verwenden.
Das gilt auch dann, wenn der Mond einen sehr großen Teil der Sonne verdeckt. Da die Sonnenfinsternis in Deutschland nur partiell zu sehen ist, gibt es hier keinen Zeitpunkt, an dem gefahrlos mit bloßem Auge zur Sonne geschaut werden kann.
Kann man stattdessen das Smartphone benutzen?
Naheliegend ist auch ein anderer Trick: Das Smartphone mit der Rückkamera zur Sonne halten und die Finsternis ausschließlich auf dem Display verfolgen.
Das vermeidet zwar den direkten Blick in die Sonne, ist nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz aber ebenfalls keine gute Lösung. „Handykameras ohne Filter vor der Optik sollte man auch nicht nutzen, denn der Chip vom Handy kann dabei kaputt gehen“, erklärte eine Sprecherin des BfS auf Anfrage.
Wer mit dem Smartphone fotografieren oder filmen möchte, sollte deshalb einen dafür geeigneten Sonnenfilter vor der Kameraoptik verwenden.
Fernglas und Teleskop ohne Filter sind besonders gefährlich
Keinesfalls sollte man die fehlende Sonnenfinsternisbrille durch ein Fernglas, ein Teleskop oder eine Kamera ersetzen. Solche optischen Geräte bündeln das Sonnenlicht und können die Gefahr für die Augen dadurch noch erheblich erhöhen.
Auch eine Sonnenfinsternisbrille vor den Augen macht den Blick durch ein ungeschütztes Fernglas oder Teleskop nicht sicher. Ein geeigneter Sonnenfilter muss vor der Optik des jeweiligen Geräts angebracht werden. Darauf weisen sowohl das BfS als auch die NASA hin.

