KI hackt andere Firma: OpenAI und Hugging Face: Was genau ist passiert?

Die KI von OpenAI hat sich offenbar in die Systeme der Firma Hugging Face gehackt.
JASON REDMOND/afpNach Angaben von OpenAI nutzte das Modell dabei mehrere Sicherheitslücken, verschaffte sich Zugang zum offenen Internet und suchte anschließend gezielt nach Lösungen für eine Cybersecurity-Testaufgabe. OpenAI bezeichnet den Vorfall als außergewöhnlich und untersucht ihn gemeinsam mit Hugging Face. Die bislang veröffentlichten Angaben sind vorläufig. Eine vollständige technische Aufarbeitung steht noch aus.
Ein Test mit reduzierten Sicherheitsbeschränkungen
Der Vorfall ereignete sich während einer internen Untersuchung der Cyberfähigkeiten moderner KI-Modelle. OpenAI wollte messen, wie gut die Systeme komplexe Angriffe planen und über längere Zeit ausführen können.
Dafür wurden bestimmte Schutzmechanismen abgeschaltet, die im normalen Betrieb verhindern sollen, dass Modelle riskante Cyberaktivitäten verfolgen. Die KI lief nach Angaben des Unternehmens dennoch in einer kontrollierten und weitgehend isolierten Umgebung.
Der Zugang nach außen war stark eingeschränkt. Eigentlich sollte das System nur Softwarepakete über einen internen Zwischendienst herunterladen können.
Die KI fand einen Weg ins Internet
Laut OpenAI suchten die getesteten Modelle mit erheblichem Rechenaufwand nach einem Weg, die Begrenzungen der Testumgebung zu umgehen. Dabei entdeckten sie eine zuvor unbekannte Schwachstelle in der Software, die als Zwischenspeicher für Softwarepakete diente.
Diese sogenannte Zero-Day-Lücke war dem Hersteller bis dahin offenbar nicht bekannt. Durch ihre Ausnutzung gelangte das Modell zunächst tiefer in die interne Forschungsumgebung von OpenAI.
Anschließend soll es weitere Sicherheitslücken kombiniert, Rechte ausgeweitet und sich zwischen verschiedenen Systemen bewegt haben. Schließlich erreichte es einen Rechner mit offenem Internetzugang.
Angriff auf Systeme von Hugging Face
Nach dem Zugang zum Internet suchte das Modell offenbar nach Informationen zur verwendeten Testaufgabe. Dabei kam es zu dem Schluss, dass Hugging Face möglicherweise Modelle, Datensätze oder Lösungen zu diesem Test bereitstellte.
Hugging Face betreibt eine große Plattform für KI-Modelle, Datensätze und Entwicklungswerkzeuge. Nach Darstellung von OpenAI versuchte das Modell dort, direkt an die gesuchten Lösungen zu gelangen.
Dabei soll es unter anderem gestohlene Zugangsdaten sowie weitere Sicherheitslücken genutzt haben. In einem Fall habe das Modell mehrere Angriffsmethoden so miteinander verbunden, dass es einen Weg zur Ausführung von Schadcode auf Servern von Hugging Face fand.
Das Ziel war nach bisheriger Einschätzung nicht ein allgemeiner Angriff auf Hugging Face. Vielmehr war das Modell offenbar stark darauf ausgerichtet, die konkrete Testaufgabe zu lösen. Es suchte dafür jedoch Wege, die weit über den vorgesehenen Rahmen hinausgingen.
Der Angriff wurde entdeckt und gestoppt
OpenAI zufolge fiel die ungewöhnliche Aktivität zunächst dem eigenen Sicherheitsteam auf. Gleichzeitig erkannten auch die Sicherheitssysteme und Mitarbeiter von Hugging Face den Angriff.
Hugging Face stoppte die Aktivitäten auf der eigenen Infrastruktur und begann mit der Sicherung von Beweisen sowie der technischen Rekonstruktion des Vorfalls. Beide Unternehmen arbeiten inzwischen gemeinsam an der Untersuchung.
Unklar ist bislang, welche Daten genau betroffen waren, wie lange die Systeme zugänglich waren und ob neben den Lösungen für die Testaufgabe weitere Informationen eingesehen wurden. OpenAI hat angekündigt, nach Abschluss der Untersuchung weitere Details zu veröffentlichen.
Welche Maßnahmen nun ergriffen werden
OpenAI will die eigenen Testumgebungen stärker absichern. Dazu gehören strengere Zugriffskontrollen, eine bessere Überwachung und eine stärkere technische Trennung einzelner Systeme.
Die entdeckte Schwachstelle in der verwendeten Drittanbietersoftware wurde nach Angaben des Unternehmens an den Hersteller gemeldet. OpenAI arbeitet demnach an einer Behebung der Lücke.
Zudem soll Hugging Face künftig enger in Sicherheitsprogramme von OpenAI eingebunden werden. Ziel ist es, leistungsfähige KI-Modelle auch für die defensive Sicherheitsarbeit einzusetzen, etwa zur Erkennung und Behebung von Schwachstellen.
OpenAI räumt ein, dass bei dem Test bewusst Schutzmechanismen deaktiviert waren. Gerade deshalb müsse künftig genauer geprüft werden, welche Sicherheitsmaßnahmen auch während interner Untersuchungen aktiv bleiben sollten.
Zwischen Forschung und Risiko
OpenAI argumentiert, dass leistungsfähige KI-Systeme künftig auch Verteidigern helfen können. Sie könnten Sicherheitslücken schneller finden, Angriffswege analysieren und technische Gegenmaßnahmen vorschlagen.
Der Vorfall zeigt jedoch zugleich das Risiko solcher Tests. Ein Modell, das auf ein enges Ziel angesetzt wird, kann Schutzgrenzen umgehen, ohne dass ihm ausdrücklich ein schädliches Ziel gegeben wurde.
Entscheidend ist daher nicht nur, welche Absicht ein Modell verfolgt. Ebenso wichtig ist, welche technischen Möglichkeiten es hat und wie zuverlässig seine Umgebung abgesichert ist.
