125 Kranke: Virus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff – was ist passiert?

„Ruby Princess“ 2025 im Hafen von San Francisco.
IMAGO/Anadolu AgencyEin Traumurlaub in der Arktis, der für viele auf der Kabinen-Toilette endete: Auf dem Kreuzfahrtschiff „Ruby Princess“ ist ein massiver Magen-Darm-Ausbruch gemeldet worden. Insgesamt steckten sich über 100 Menschen mit dem hochinfektiösen Norovirus an. Zum wiederholten Mal ist das Schiff somit durch Viren in die Schlagzeilen geraten – im März 2020 war es einer der ersten globalen Herde von COVID-19, noch bevor wenig später weltweit Lockdowns verhängt wurden.
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Was ist auf der „Ruby Princess“ passiert?
Das Schiff der Reederei Princess Cruises, die zu Carnival gehört, befand sich auf einer 20-tägigen Rundreise von San Francisco über Kanada nach Alaska. Als der Luxusliner wieder in San Francisco anlegte, zog die US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) Bilanz: 102 Passagiere und 23 Besatzungsmitglieder – also insgesamt 125 Personen – hatten sich während der Reise infiziert.
Wer bei Krankheitsmeldungen auf hoher See an schwere, lebensgefährliche Erreger wie das Hantavirus denkt, kann im Fall der „Ruby Princess“ aufatmen. Labortests der CDC bestätigten eindeutig das Norovirus. Die von ihm verursachten Erkrankungen sind zwar extrem unangenehm und hochansteckend, verlaufen bei gesunden Erwachsenen in der Regel aber nach ein bis drei Tagen glimpflich.
Betroffene auf dem Schiff klagten über plötzliche, heftige Symptome:
- Starker Durchfall
- Akutes Erbrechen
- Begleitende Magen- und Muskelschmerzen
Norovirus auf Kreuzfahrtschiff – nicht Hantavirus
Gefährlich ist hier vor allem der massive Flüssigkeitsverlust für Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen. Auch für Kleinkinder und Babys kann das Norovirus unter Umständen schon nach wenigen Stunden kritisch werden, sie benötigen dann eventuell intravenöse Flüssigkeitszufuhr oder zumindest eine spezielle Trinklösung für Durchfall und Erbrechen.
Immer wieder Virus-Ausbrüche auf Kreuzfahrtschiffen
Warum treffen Ausbrüche so oft Kreuzfahrtschiffe? Die Erklärung ist simpel: Tausende Menschen leben tagelang auf engem Raum zusammen. Das Norovirus überlebt problemlos auf Oberflächen und verbreitet sich rasant per Schmierinfektion (etwa über Türklinken oder die Zangen am Buffet). Das kann auch in Hotels oder Sammelunterkünften leicht vorkommen.
Hygienetipp für die Reise: Herkömmliches Desinfektionsmittel für die Hände wirkt gegen Noroviren oft nicht ausreichend. Das effektivste Mittel bleibt deswegen gründliches Händewaschen mit Seife und fließendem Wasser für mindestens 20 Sekunden.
Die Reederei der „Ruby Princess“ reagierte jedenfalls umgehend, isolierte die Erkrankten an Bord und unterzog das Schiff vor der nächsten Abfahrt einer intensiven Tiefenreinigung und Desinfektion.

Gesundheitsminister Ryan Park im April 2020 vor der „Ruby Princess“ in Sidney. Es soll damals viele Todesfälle gegeben haben.
imago images/AAPNorovirus auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart
Auch auf dem Cannstatter Volksfest in Stuttgart hatte es vor einigen Jahren einen Norovirus-Ausbruch gegeben. Naturgemäß bewegen sich auch bei solchen Festen viele Menschen auf engem Raum. Ein Festzelt musste damals zeitweise geschlossen werden. Dann gelang aber rasch die Eindämmung der Ausbreitung. Seitdem gab es auf dem Cannstatter Wasen keine Zwischenfälle mehr.
Corona-Hotspots 2020 in Ischgl – und auf der „Ruby Princess“
Im März 2020 war es auf der „Ruby Princess“ zu einem großen Corona-Ausbruch gekommen. Das Schiff war weltweit einer der ersten Hotspots von COVID-19 – eine Art „Mini-Ischgl auf dem Meer“. Da man die neue Krankheit noch nicht so genau kannte, durften 2.700 Passagiere das Schiff ungehindert in Sidney verlassen. Der Vorfall soll zu hunderten Infektionen und 28 Todesfällen geführt haben. Es gab 2023 in Australien auch zivilrechtliche Urteile gegen die Reederei Carnival Cruises. Die Rechtsstreitigkeiten um Entschädigungsforderungen dauern an.


