Mehr als 1300 Vermisste: Nach Himalaya-Flutwelle: Karte und Videos zeigen zerstörte Orte in Nepal

Ein Alptraum-Szenario für alle, die am Mittwoch in der Region Rasuwa an der Grenze zwischen Nepal und Tibet unterwegs waren - und das waren viele, darunter auch mehr als 500 Touristen aus anderen Teilen der Welt. Die nepalesische Tourismusbehörde spricht auch von acht Deutschen und einem Schweizer, zu denen es keinen Kontakt mehr gebe. Ihr Schicksal ist unklar.
RSS via Xinhua/dpa- Sturzflut im Grenzgebiet Nepal/China: Hunderte vermisst, viele Touristen betroffen.
- China meldet 558 Vermisste, darunter 260 Ausländer; Nepal zählt 162 Tote und über 40 Verletzte.
- Über 350 Touristen nicht erreichbar, laut Agenturen auch acht Deutsche; viele Inder, US- und Briten.
- Rettung erschwert durch Schlamm und zerstörte Infrastruktur – weitere Profiretter unterwegs.
- Ursache wird geprüft: Hinweise auf Gletscherlawine und kurzzeitigen See, USGS registrierte Erschütterung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China ist die Zahl der Opfer und der Vermissten weiter angestiegen. Die Zahl der Vermissten auf chinesischer Seite mehr als verdoppelte sich auf 558 Menschen, darunter 260 Ausländer, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Am Vortag hatten die Behörden noch von insgesamt 265 Vermissten gesprochen.
Die nepalesische Polizei gab die Zahl der Todesopfer mit 162 an. Mehr als 40 Verletzte wurden demnach in Krankenhäusern behandelt. Von Hunderten Menschen fehlt allein auf nepalesischer Seite noch jede Spur. Chinas Staatsmedien meldeten bislang nur drei Todesopfer in dem betroffenen Kreis in Tibet.
Bilder und Videos aus dem Gebiet im Himalaya legten ein erschreckendes Ausmaß der Zerstörung nahe. Es war davon auszugehen, dass die Opferzahlen weiter ansteigen würden.
Mehr als 350 Touristen nicht erreichbar
Der Chef der nepalesischen Touristenpolizei, Bishow Raj Adhikari, sagte, derzeit seien mehr als 350 Touristen nicht erreichbar. Nach Angaben von Trekkingagenturen befänden sich darunter acht deutsche Staatsangehörige. Die Mehrheit der Vermissten seien Inder, zudem seien viele Menschen aus den USA und Großbritannien darunter, erklärte Adhikari.
Die Rettungskräfte in den Katastrophengebieten in Nepal und China suchten einen Tag nach dem Unglück weiter mit Hochdruck nach Verschütteten. Weitere 111 Profiretter der Feuerwehr erreichten am Vormittag (Ortszeit) den Flughafen in Tingri, im Südwesten Tibets, um von dort ins Katastrophengebiet aufzubrechen, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete.
Die dicken Schlammmassen am dramatisch überspülten Grenzübergang Gyirong erschwerten aber die Rettungsarbeiten. Die Schlammassen hatten demnach Straßen für schweres Gerät und große Fahrzeuge unpassierbar gemacht und die Kommunikationsnetze teilweise zusammenbrechen lassen.
Was war passiert?
Am Mittwoch (26. August) hatten gewaltige Schlamm- und Gesteinsmassen in der Gebirgsregion zwischen Nepal und dem Südwesten Tibets entlang des Flusses Bhotekoshi bis nach Zentralnepal hinein eine Schneise der Verwüstung geschlagen.
Die Flut riss Brücken mit sich, beschädigte Staudämme und ließ Häuser in Sekundenschnelle im Schlamm versinken, wie dramatische Videoaufnahmen zeigten. Der Moment des Unglücks wirkte wie aus einem Katastrophenfilm.

Dieses von Planet Labs PBC zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt den Trishuli-Fluss, der von den Sturzfluten in und um Nepal betroffen ist.
Planet Labs PBC/dpa
Karte des betroffenen Gebiets in Nepal
dpa-Infografik
Nach Sturzfluten im nepalesischen Distrikt Nuwakot stehen beschädigte Häuser gefährlich nahe an den angeschwollenen, mit Treibgut verstopften Ufern des Trishuli-Flusses.
Niranjan Shrestha/AP/dpa
Schäden an Gebäuden sind nach Sturzfluten in Devighat zu sehen.
Niranjan Shrestha/AP/dpa
Beschädigte Gebäude und Infrastruktur entlang des angeschwollenen Trishuli-Flusses.
Skanda Gautam/ZUMA Press Wire/dpa
Ein Fahrzeug ist nach den Sturzfluten in Devighat im Bezirk Nuwakot in Nepal zu sehen.
Niranjan Shrestha/AP/dpa
Rettungskräfte setzen Baumaschinen ein, um unter Wasser stehende Häuser nach Sturzfluten entlang des Trishuli-Flusses im nepalesischen Distrikt Nuwakot zu erreichen.
Niranjan Shrestha/AP/dpa
Auf diesem von der Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichten Foto ist ein schlammiges Flussufer mit Trümmern in der Nähe des Hafens von Gyirong in der Autonomen Region Tibet im Südwesten Chinas zu sehen.
Anonymous/Xinhua/AP/dpa
Folgen der Sturzflut entlang des Trishuli-Flusses.
Safal Prakash Shrestha/ZUMA Press Wire/dpa
Ein Verletzter einer Sturzflut wird im nepalesischen Distrikt Nuwakot zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.
Niranjan Shrestha/AP/dpaViele Touristen unter Vermissten
Unklar blieb derweil das Schicksal der zahlreichen nepalesischen und ausländischen Touristen. Das Auswärtige Amt hatte auf Anfrage am Vortag erklärt, keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen zu haben.
Australiens Ministerpräsident Anthony Albanese sprach von einer bekannten Anzahl australischer Staatsbürger in der Region, deren Wohlbefinden man nun versuche zu bestätigen. „Nepal ist ein Entwicklungsland. Es verfügt nicht über die Ressourcen, die in Australien für ein solches Ereignis zur Verfügung stünden. Daher ist die Informationsbeschaffung schwierig“, zitierten ihn australische Medien. Nach Informationen der Regierung in Canberra werden aber mindestens 34 Australier vermisst.
Hilfen aus dem Ausland zugesagt
Die USA sagten Nepal Hilfe mit Notunterkünften, frischem Wasser und anderen Hilfsgütern zu. Insgesamt belaufe sich die Katastrophenhilfe auf 500.000 US-Dollar (rund 430.000 Euro), teilte das Außenministerium mit.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach, europäische Unterstützung zu mobilisieren. Der Erdbeobachtungsdienst Copernicus sei zur Kartografierung der betroffenen Gebiete aktiviert worden.
Unter den Vermissten waren nach Angaben von Nepals Tourismusorganisation Nepal Tourism Board auch US-Amerikaner, Inder und Briten. Die betroffene Region gilt als beliebtes Wandergebiet und Ziel von buddhistischen und hinduistischen Pilgern, die über Nepal zum heiligen Berg Kailash in Tibet wollen.
Bereits vor einem Jahr hatte eine schwere Flut in dem Gebiet Menschen getötet und eine Brücke zerstört. Laut nepalesischen Medien hatte sich damals im Juli 2025 am Oberlauf des Lhende-Flusses in Tibet ein Gletschersee plötzlich in den Bhotekoshi-Fluss ergossen.
Suche nach der Ursache
Was die Flutwelle diesmal auslöste, wird noch untersucht. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde vermutet jedoch nach ersten Analysen von Satellitenbildern, eine Gletscherlawine könnte zunächst einen Zufluss des Bhotekoshi blockiert haben, der im Hochland von Tibet entspringt, wie die „Kathmandu Post“ berichtet.
Dadurch habe sich ein vorübergehender See gebildet, der anschließend über die Ufer getreten sei. Eine Flutwelle aus Wasser, Eis und Geröll sei dann flussabwärts im Himalaya-Staat vorgerückt.
Die US-Erdbebenwarte USGS erklärte, in der Grenzregion zu Tibet seien durch einen Erdrutsch am Mittwochmorgen (Ortszeit) Erschütterungen der Stärke 5,2 verzeichnet worden. Zunächst sei man von einem Erdbeben ausgegangen. Zusätzliche Analysen deuteten allerdings darauf hin, „dass die seismische Energie stattdessen durch einen Gletscherabbruch und Schuttfluss erzeugt wurde“, teilte die USGS mit. (mit AFP-/dpa-Agenturmaterial)
