„Meine letzte Chance“
: Wie Uwe seine Fettleber wieder entlastete

Nach einem Arbeitsunfall geriet Uwes Leben aus dem Gleichgewicht. Der 59-Jährige wurde zunehmend krank. Bei den „Ernährungs-Docs“ wagt er einen Neustart.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Doc Riedl zeigt Uwe B., wie viel Fett sich bereits in seiner Leber eingelagert hat.

Doc Riedl zeigt Uwe B., wie viel Fett sich bereits in seiner Leber eingelagert hat.

NDR/ Moritz Schwarz

Als Uwe B. bei den „Ernährungs-Docs“ um Hilfe bittet, klingt seine Bewerbung beinahe verzweifelt: „Meine letzte Chance“, sagt der 59-Jährige.

Seit einem schweren Arbeitsunfall, bei dem ein Mensch ums Leben kam, hat sich sein Leben verändert. Uwe steht dauerhaft unter Druck, leidet unter Ängsten und hohem inneren Stress. Zwei psychosomatische Reha-Aufenthalte liegen bereits hinter ihm. Trotzdem geht es gesundheitlich weiter bergab.

Er nimmt zu, entwickelt Bluthochdruck, Sodbrennen und Kopfschmerzen. Besonders besorgniserregend ist jedoch seine Leber: Mehr als 60 Prozent der Leberzellen sind verfettet. Normal wären höchstens etwa fünf Prozent.

Süßigkeiten wurden für Uwe zum Ventil

Uwes Alltag ist geprägt von Anspannung und ungünstigen Essgewohnheiten. Tagsüber isst er besonders gerne Brot, Wurst, Weißmehlprodukte und Snacks. Am Abend greift er regelmäßig in seine „Lieblingsschublade“ mit Süßigkeiten.

Das Essen wird für ihn zum Ventil. Stress kann die Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin und Kortisol erhöhen und dadurch Heißhunger begünstigen. Genau dieser Kreislauf setzt Uwe immer weiter zu: Stress führt zum Essen, das Essen zum Übergewicht – und das Übergewicht verschärft seine gesundheitlichen Probleme.

Die Ernährungsmediziner warnen, dass Uwe kurz davorsteht, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln. Dabei kommen mehrere Risikofaktoren zusammen: zu viel Bauchfett, erhöhter Blutzucker, ungünstige Blutfettwerte und Bluthochdruck.

Morgens reichhaltig, abends leicht

Um seine Leber zu entlasten, soll Uwe nicht nur anders essen, sondern auch die Verteilung seiner Mahlzeiten verändern. Die Ernährungs-Docs empfehlen ihm das sogenannte Kaiser-König-Bettelmann-Prinzip:

Morgens soll er besonders reichhaltig essen, mittags moderat und abends nur noch eine kleine, leichte und eiweißreiche Mahlzeit.

Etwa 45 Prozent der täglichen Kalorien sind für das Frühstück vorgesehen, 35 Prozent für das Mittagessen und nur rund 20 Prozent für den Abend.

Statt Wurst, Weißbrot und Süßigkeiten kommen nun Hafer, Hülsenfrüchte, Gemüse und hochwertige Pflanzenöle auf den Tisch. Am Abend soll Uwe besonders auf leichte Gerichte mit Eiweiß achten.

Auch sein Essverhalten muss sich ändern. Er soll kleinere Besteckteile verwenden, langsamer essen und aufhören, sobald er satt ist – selbst wenn noch etwas auf dem Teller liegt.

Nicht nur das Essen musste sich verändern

Den Ernährungs-Docs ist klar: Bei Uwe reicht ein neuer Speiseplan allein nicht aus. Seine psychische Belastung spielt eine zentrale Rolle.

Deshalb beginnt er zusätzlich mit Qigong. Die ruhigen Bewegungs- und Atemübungen sollen ihm helfen, Stress abzubauen und aus der Spirale aus Druck, Heißhunger und schlechtem Gewissen auszubrechen.

Für Uwe bedeutet die Behandlung damit weit mehr als eine Diät. Er muss lernen, wieder auf seinen Körper zu hören und anders mit den Folgen seines traumatischen Erlebnisses umzugehen.

Nach sechs Monaten sind die Werte deutlich besser

Ein halbes Jahr später zeigt sich, dass sich die Veränderungen ausgezahlt haben.

Uwe hat 13 Kilogramm abgenommen und 13 Zentimeter Bauchumfang verloren. Der Fettanteil seiner Leber ist um 21 Prozentpunkte gesunken. Seine Leberwerte haben sich normalisiert. Auch Blutdruck und Blutzucker liegen wieder im Normalbereich.

Der Fall zeigt, wie eng psychische Belastungen, Essverhalten und körperliche Gesundheit miteinander verbunden sein können. Vor allem aber macht er deutlich, dass sich eine Fettleber durch Gewichtsverlust und eine dauerhafte Ernährungsumstellung häufig wieder deutlich verbessern kann.

Uwe hat damit nicht nur seine Leber entlastet. Er hat sich ein Stück Kontrolle über sein Leben zurückgeholt.

Die Geschichte von Uwe B. ist in Staffel 12, Folge 3 der „Ernährungs-Docs“ zu sehen. Sie kann jederzeit in der ARD-Mediathek abgerufen werden.