STZ+STZ+Mythos Autobahn
: Der deutscheste aller Träume

Warum die Deutschen zu Ferienbeginn lieber geduldig im Stau stehen, als auf die Bahn umzusteigen, trotzdem aber gegen eine Maut sind und mit einem Tempolimit fremdeln. Und überhaupt: Warum sie niemals etwas auf ihre liebste Straße kommen lassen.
Von
Götz Thieme
Stuttgart
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  • 38,6 Autobahnkilometer pro 100 000 Einwohner hat Zypern. Rekord für Europa! Gemessen an der Fläche liegen innerhalb der EU die Niederlande ganz vorne: 57,5 Kilometer Autobahn pro 1000 Quadratkilometer.

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  • 26,8 Millionen Euro kostet in Deutschland ein Kilometer Autobahn. Die reinen Baukosten für einen einfachen Abschnitt liegen nur bei vier bis sechs Millionen Euro. Planungsprozess, Genehmigungsverfahren, erschwerte Umstände und Extrawünsche verteuern das Ganze aber erheblich.

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  • 1929 schlug Robert Otzen (1872–1934) erstmals vor, „Autobahn“ zu sagen statt wie bis dahin „Nur-Automobilstraße“ – in Anlehnung an die positiv besetzte Eisenbahn. Otzen war Statik-Professor in Hannover und Vorsitzender eines 1926 gegründeten Vereins. Der Verein hatte den Bau einer Autobahn von Hamburg über Frankfurt nach Basel zum Ziel, genannt HaFraBa.

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  • Die Autobahn als Objekt der Kunst: Ein Foto aus dem noch nicht abgeschlossenen Langzeitprojekt „Autobahn“ von Jörg Brüggemann.

    Jörg Brüggemann/www.ostkreuz.de
  • 3 Kilometer lang ist ein schnurgerades Autobahnstück, das als Behelfsflugplatz angelegt ist. Der Mittelstreifen ist betoniert, die Leitplanken sind leicht zu entfernen. Zum Beispiel auf der A 81 zwischen Osterburken und Möckmühl. Im Notfall könnten Kampfjets starten und landen.

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  • 13 000 Kilometer umfasst das deutsche Autobahnnetz. Es ist das viertlängste der Welt. Davor liegen China (130 000 km), die USA (77 000 km) und Spanien (17 000 km).

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  • Die Autobahn als Objekt der Kunst: Aus der Serie „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ von Hans-Christian Schick.

    Hans-Christian Schick
  • 31 Prozent der Fahrleistung entfallen in Deutschland auf den Autobahnverkehr. Dessen Anteil an den Verkehrstoten liegt aber deutlich niedriger: nämlich bei elf Prozent.

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  • Die Autobahn als Objekt der Kunst: Aus der Serie „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ von Hans-Christian Schick.

    Hans-Christian Schick
  • 1932 wurde die erste öffentliche Autobahn Deutschlands vom Kölner OB Konrad Adenauer eingeweiht: die „kreuzungsfreie Kraftfahr-Straße“ zwischen Köln und Bonn, die heu­tige A 555. Als die Nazis ab 1934 das Thema Autobahn für sich vereinnahmten, degradierten sie die Adenauer-Autobahn rasch zur Landstraße, damit Adolf Hitler als Erfinder der Autobahn dargestellt werden konnte.

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  • 168 000 Fahrzeuge fahren täglich auf der A 100 zwischen Alboinstraße und Tempelhofer Damm in Berlin. Dieser Abschnitt der Stadtautobahn ist der am stärksten befahrene Autobahnabschnitt Deutschlands. In Baden-Württemberg liegt die A 81 zwischen Autobahnkreuz Stuttgart und Sindelfingen-Ost vorne: 128 000 Fahrzeuge (letzte verfügbare Zählung von 2015).

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  • Im kürzlich bei Hartmann Books (in Deutsch, Englisch, Italienisch) erschienenem Buch „Sue Barr – The Architecture of Transit“ zeigt die Fotografin auch die im August 2018 eingestürzte Morandi-Brücke, in Genua (vor dem Einsturz, fotografiert 2014).

    Sue Barr
  • 60 Kilometer pro Stunde – Fahrzeuge, die bauart­bedingt dieses Tempo nicht erreichen, dürfen nicht auf deutschen Autobahnen fahren. Darüber hinaus ist kein Mindesttempo vorgeschrieben. Grundloses Bummeln, das den Verkehr lähmt, ist aber verboten. Im Krieg durften ab 1943 auch Fahrräder auf den deutschen Autobahnen fahren.

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  • 1968 wurde das Wiener Abkommen über Straßenverkehrszeichen geschlossen. Seitdem dürfen Autobahnschilder blau oder grün sein. Der spätere Versuch, eine einheitliche Farbe durchzusetzen, nämlich Rot, scheiterte in der Praxis: zu teuer!

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  • 962 Kilometer misst die längste deutsche Autobahn. Es ist die A 7, die von Ellund an der dänischen Grenze bis zur österreichischen Grenze bei Füssen führt.

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  • Im Bildband „The Architecture of Transit“ (Hartmann Books, 34 Euro) folgt die Fotografin Sue Barr der Autobahnarchitektur zwischen Neapel und den Alpen. Auch ihre Bilder sind noch bis zum 10. August in der Ausstellung „Autobahn“ im Galerienhaus Stuttgart (Breitscheidstraße 48, Stuttgart-Mitte) zu sehen. Öffnungszeiten: Do., Fr. 14–19, Sa. 11–16 Uhr sowie nach Vereinbarung. www.hartmannprojects.com

    Sue Barr
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