Nach „Free Palestine“-Rufen
: Macklemore fliegt aus Ed Sheerans Tour

Macklemore wird nicht mehr als Support-Act bei Ed Sheerans Tour auftreten. In einem Instagram-Statement schildert der Rapper seine Sicht auf die Entscheidung.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Deichbrand-Festival 2025 - Macklemore: 20.07.2025, Niedersachsen, Nordholz: Der US-Rapper Macklemore spielt auf dem Deichbrand-Festival 2025. Das Open-Air-Festival mit rund 60.000 Besuchern findet vom 17. bis zum 20. Juli statt. Foto: Sina Schuldt/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer aktuellen Berichterstattung über das Deichbrand-Festival 2025 +++ dpa-Bildfunk +++

Der US-Rapper Macklemore fliegt aus Ed Sheerans aktueller Tour in den USA. (Archivbild)

Sina Schuldt/dpa

Macklemore ist nicht länger Teil von Ed Sheerans US-Tour. Nachdem der Rapper Anfang September bei zwei Konzerten im MetLife Stadium in New Jersey öffentlich „Free Palestine“ gesagt und sich mit den Menschen in Gaza und im Westjordanland solidarisiert hatte, wird er bei den verbleibenden geplanten Shows nicht mehr als Support auftreten.

In einem ausführlichen Instagram-Post äußert sich Macklemore nun erstmals zu den Hintergründen. Ed Sheeran und dessen Team hätten die Entscheidung getroffen, ihn von der „Loop Tour“ zu nehmen, schreibt der 43-Jährige.

Gleichzeitig stellt Macklemore klar, dass er sich selbst nicht als Opfer der Situation betrachtet. Das gelte auch für Sheeran und Sängerin Pink, die sich zuvor in die Debatte eingeschaltet hatte. Die wirklichen Opfer seien die Palästinenser, die getötet, vertrieben und ausgehungert würden, schreibt Macklemore.

Pink teilt Kritik an Macklemores Auftritt

Die Kontroverse hatte nach dem ersten der beiden MetLife-Konzerte am 4. September deutlich an Fahrt aufgenommen. Macklemore hatte während seines Auftritts „Free Palestine“ gerufen und anschließend seinen 2024 veröffentlichten Protestsong „Hind’s Hall“ gespielt, während auf den Stadionleinwänden Bilder aus Gaza zu sehen waren.

Daraufhin kritisierte die Organisation StopAntisemitism den Auftritt und warf dem Rapper vor, Konzertbesucher mit antiisraelischer Propaganda zu konfrontieren. Pink teilte den Beitrag auf ihrem eigenen Instagram-Profil – und geriet anschließend selbst in die Kritik.

Die Sängerin stellte später ausführlicher klar, dass sie Macklemores Forderung nach einem „Free Palestine“ nicht grundsätzlich ablehne. Sie habe weder verlangt, ihn zum Schweigen zu bringen, noch wolle sie, dass er gefeuert werde. Gleichzeitig verteidigte sie ihre Reaktion als Jüdin.

Petition fordert Sheeran auf, Macklemore rauszuwerfen

Parallel dazu erhöhte auch der Israeli-American Council (IAC) den Druck. Die Organisation startete eine Petition, die Ed Sheeran dazu aufforderte, Macklemore von den restlichen Konzerten der Tour zu entfernen.

Die Organisation argumentierte, es handle sich um ein Ed-Sheeran-Konzert und nicht um eine politische Kundgebung.

Macklemore ließ sich davon zunächst nicht beirren. Beim zweiten MetLife-Konzert am folgenden Abend bekräftigte er seine Position. Kritik an Israel, an Apartheid und am Vorgehen in Gaza sei keine Kritik an jüdischen Menschen, erklärte er sinngemäß. Seine Botschaft gelte Frieden, Liebe und dem Anspruch, dass alle Menschen mit Würde, Respekt und Gleichheit behandelt werden.

Der von Macklemore verwendete Begriff „Genozid“ ist dabei selbst Teil des politischen und juristischen Konflikts um den Gazakrieg. Amnesty International kam Ende 2024 zu dem Schluss, Israel begehe einen Genozid an den Palästinensern in Gaza. Im September 2025 gelangte auch die unabhängige UN-Untersuchungskommission für Israel und die palästinensischen Gebiete zu diesem Ergebnis. Israel weist den Genozid-Vorwurf zurück; auch die US-Regierung hatte erklärt, sie teile diese Einordnung nicht.

Macklemore spricht über schwierige Gespräche mit Ed Sheeran

In seinem neuen Statement wird Macklemore anschließend persönlich. Sheeran sei sein Freund, schreibt er. Die beiden kennen sich nach seinen Angaben seit 13 Jahren, haben gemeinsam Zeit im Studio verbracht und auf Bühnen gestanden. Er betrachte Sheeran als eine Art Bruder.

In den vergangenen Tagen hätten sie jedoch mehrere schwierige Gespräche geführt – Gespräche, die von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen seien, aber in einer grundsätzlichen Meinungsverschiedenheit geendet hätten.

Macklemore behauptet, Sheeran habe ihm erklärt, die Worte „Free Palestine“ und die palästinensische Flagge hätten Menschen verletzt, mit denen er gesprochen habe. Er selbst habe entgegnet, dass für ihn angesichts des Leids palästinensischer Zivilisten keine neutrale Haltung möglich sei.

Sheeran selbst hat sich zu Macklemores ausführlicher Darstellung bislang nicht öffentlich geäußert.

Vorwürfe gegen Robert Kraft und andere Stadionbetreiber

Den entscheidenden Druck verortet Macklemore allerdings außerhalb von Sheerans unmittelbarem Umfeld.

Nach seiner Darstellung habe Sheeran ihm am vergangenen Montag erzählt, Robert Kraft habe ihn angerufen. Der Milliardär und Eigentümer der New England Patriots ist über die Kraft Group mit dem Gillette Stadium in Massachusetts verbunden, in dem Sheeran im September auftreten soll.

Kraft habe laut Macklemores Schilderung klargemacht, dass der Rapper dort nicht auftreten werde. Darüber hinaus habe Sheeran ihm gesagt, Kraft habe weitere Stadionbetreiber mobilisiert. Die Botschaft sei demnach eindeutig gewesen: Sollte Macklemore Teil der Tour bleiben, werde Sheeran in mehreren Stadien nicht auftreten können.

Macklemore beschreibt Sheeran deshalb als jemanden, der sich in einer äußerst schwierigen Position befunden habe. Zugleich kritisiert er dessen Versuch, sich politisch nicht auf eine Seite zu stellen.

„Free Palestine“ als geschäftliches Risiko

Macklemore interpretiert seinen Ausschluss als Teil eines größeren Mechanismus. Er vertrete seine Position zu Palästina seit fast drei Jahren öffentlich auf seinen Konzerten. Neu sei dieses Mal die Reichweite gewesen: Als Support eines der größten Popstars der Welt habe er seine Botschaft in einigen der größten Stadien der USA platzieren können.

Ab einem bestimmten Grad an Öffentlichkeit werde „Free Palestine“ offenbar zu einem zu großen Risiko, argumentiert er. Hätte er weiter auf Sheerans Tour auftreten und diese Worte jeden Abend vor Zehntausenden Menschen sagen können, wäre daraus seiner Ansicht nach eine noch größere öffentliche Bewegung entstanden.

Dabei richtet sich Macklemore auch gegen den Vorwurf des Antisemitismus. Antisemitismus sei real und gerade deshalb zu wichtig, um den Begriff als Schutzschild gegen Kritik an der israelischen Regierung zu verwenden, schreibt er. Kritik an Israel oder Zionismus dürfe nicht automatisch mit Hass auf jüdische Menschen gleichgesetzt werden.

Freundschaft mit Sheeran soll nicht vorbei sein

Trotz seiner deutlichen Kritik vermeidet Macklemore in seinem Statement einen persönlichen Angriff auf Ed Sheeran.

Er hoffe, dass der Streit nicht das Ende ihrer Freundschaft bedeute. 13 gemeinsame Jahre würden nicht wegen einer schmerzhaften Meinungsverschiedenheit verschwinden. Seine Tür für weitere Gespräche stehe offen.

An seiner politischen Haltung lässt Macklemore dagegen keinen Zweifel. Er habe nicht zehn Shows mit Ed Sheeran gebraucht, schreibt er. Zwei hätten gereicht – zwei Gelegenheiten, vor jeweils Zehntausenden Menschen jene Worte auszusprechen, die inzwischen offenbar zu kontrovers für die Tour geworden seien: „Free Palestine.“

Wenn ihn diese Worte letztlich seinen Platz auf der Tour gekostet, gleichzeitig aber die Aufmerksamkeit wieder auf die Situation der Palästinenser gelenkt hätten, sei es für ihn dennoch die erfolgreichste Tour gewesen, an der er je teilgenommen habe.