Nicht für die Ewigkeit gebaut
: Jetzt setzt der Klimawandel auch Deutschlands Burgen zu

Deutschland ist das burgenreichste Land der Welt. Doch Fachleute sorgen sich um den Erhalt der mittelalterlichen Baudenkmäler. Hitze und Trockenheit verschärfen die Lage der steinernen Relikte aus dem Mittelalter.
Von
Markus Brauer
Braubach/Koblenz
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Die Marksburg ist eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Höhenburg oberhalb der rheinland-pfälzischen Stadt Braubach am Rhein. Sie steht auf einem Schieferkegel in 186 Meter Höhe und ist – abgesehen von den starken Beschädigungen, die der Anlage im März 1945 durch Artilleriebeschuss zugefügt wurden – die einzige nie zerstörte mittelalterliche Höhenburg am Mittelrhein.

Die Marksburg ist eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Höhenburg oberhalb der rheinland-pfälzischen Stadt Braubach am Rhein. Sie steht auf einem Schieferkegel in 186 Meter Höhe und ist – abgesehen von den starken Beschädigungen, die der Anlage im März 1945 durch Artilleriebeschuss zugefügt wurden – die einzige nie zerstörte mittelalterliche Höhenburg am Mittelrhein.

Imago/Pond5 Images
  • Klimawandel setzt deutschen Burgen zu: Hitze und Trockenheit gefährden Substanz.
  • Historiker warnt: Trockene Eichenpfähle unter Fundamenten verlieren Tragfähigkeit.
  • Temperaturschwankungen fördern Risse, besonders bei Zement statt historischem Kalkmörtel.
  • Felsabbrüche und Erosion nehmen zu – Sicherungen gegen Steinschlag verursachen Kosten.
  • Deutschland hat bis zu 30.000 Burgen; in Baden-Württemberg startet neue systematische Forschung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Trockenheit und die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen machen auch Deutschlands Burgen zu schaffen. Das zeige sich beispielsweise an den Fundamenten, sagt der Direktor des Europäischen Burgeninstituts in Braubach, Christian Karl Frey.

Viele Burgen, Schlösser und auch Kirchen seien im Mittelalter und der frühen Neuzeit auf in den Boden gerammten Eichenpfählen errichtet worden. „Wenn diese Spickpfähle trockenfallen, gehen sie kaputt“, erläuterte der Historiker. „Sobald solch ein Fundament in Mitleidenschaft gezogen wird, ist die Standfähigkeit eines Gebäudes gefährdet.“ Das könne bis hin zum Einsturz führen.

Risse in Mauern - Erosion an Hängen

Extreme Hitze und Temperaturschwankungen beeinträchtigten überdies die Stabilität von Mauern, warnt der Leiter des Burgeninstituts. Das betreffe vor allem in der Vergangenheit schlecht sanierte Burgen, in denen moderner Zementmörtel mit historischem Kalkmörtel vermischt worden sei. Kalkmörtel besitze auch bei großen Temperaturschwankungen noch „eine gewisse Fließfähigkeit“. Zementmörtel begünstige dagegen Risse im Mauerwerk.

Große Sorgen bereitet dem Fachmann auch die Tatsache, dass viele Burgen auf markanten Felsformationen stehen. „Da gibt es Felsabbrüche, die so vorher nicht zu erwarten waren.“ Die Dürre setze zudem der Vegetation zu: Morsche Bäume drohten beispielsweise auf Wege zu fallen. Burgbesitzer müssten deswegen immer mehr Geld in die Hand nehmen, um etwa Sicherungen gegen abstürzendes Gestein zu errichten.

Rund 30.000 Burgen in Deutschland

Das Europäische Burgeninstitut ist eine Einrichtung der Deutschen Burgenvereinigung. Beide haben ihren Sitz in Braubach bei Koblenz. Das Europäische Burgeninstitut ist im Schloss Philippsburg untergebracht, die Deutsche Burgenvereinigung auf der hoch über dem Ort gelegenen Marksburg, einer der bekanntesten Attraktionen im Unesco-Welterbe Mittelrheintal.

Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland, dem burgenreichsten Land der Welt, bis zu 30.000 Burgen aus der Zeit zwischen etwa 500 und 1500.

Baden-Württemberg ist ein Land der Burgen und Schlösser. Neben prächtigen Schlössern gibt es im Südwesten hunderte Gemäuser. Diese imposanten Festungswerke und Ruinen werden seit Ende 2024 von Forschern der Universität Tübingen systematisch erforscht. „Viele Burgen sind noch gänzlich unerforscht oder noch nicht im Gelände dokumentiert“, heißt es seitens der Hochschule.

Das neue Burgenforschungszentrum bündelt die bisherigen Arbeiten der Universität Tübingen, die vor allem am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und in enger Kooperation mit dem Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften entstanden.

Burg Wertheim: Eine der größten Steinburgen Süddeutschlands thront in der historischen Altstadt Wertheims.

Burg Wertheim: Eine der größten Steinburgen Süddeutschlands thront in der historischen Altstadt Wertheims.

Imago/Alexander Rochau
Die Burgfeste Dilsberg bei Heidelberg ist eine besondere Wehranlage. Zum einen bietet der imposante sechseckige Treppenturm einen herrlichen Blick über das Neckartal.

Die Burgfeste Dilsberg bei Heidelberg ist eine besondere Wehranlage. Zum einen bietet der imposante sechseckige Treppenturm einen herrlichen Blick über das Neckartal.

Imago/Panthermedia

Noch vor dem ersten Kreuzzug entstand die Burg Katzenstein in Dischingen.

Noch vor dem ersten Kreuzzug entstand die Burg Katzenstein in Dischingen.

Noch vor dem ersten Kreuzzug entstand die Burg Katzenstein in Dischingen.

Imago/Imagebroker

Burgen bis heute identitätsstiftend

„Burgen hatten nicht nur in der Vergangenheit eine wichtige Funktion. Sie wirken bis in die Gegenwart identitätsstiftend: als Bauwerke des Erinnerns, als Ausflugs- und Sehnsuchtsorte“, erklärt die Rektorin der Universität Tübingen, Karla Pollmann.

Burgen seien nicht nur Verteidigungsbauten gewesen. „Sie waren weit sichtbare Zeichen des Adels und Symbol seiner territorialen und politischen Macht. Sie waren auch wirtschaftlich bedeutend oder dienten als Zollstationen.“ Die umgebende Landschaft müsse mit in die Forschung einbezogen werden, erklärt Natascha Mehler, die Leiterin des Burgenforschungszentrums.

Zwischen Bad Wimpfen und Mosbach liegt die Burg Hornberg. Urkundlich erwähnt wurde sie zum ersten Mal im 11. Jahrhundert. Bekannt ist sie jedoch als Burg des Götz von Berlichingen, der dort 45 Jahre lebte.

Zwischen Bad Wimpfen und Mosbach liegt die Burg Hornberg. Urkundlich erwähnt wurde sie zum ersten Mal im 11. Jahrhundert. Bekannt ist sie jedoch als Burg des Götz von Berlichingen, der dort 45 Jahre lebte.

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Durch ihre einzigartige Lage auf dem Felsen war die Festung Hohenneuffen nicht zu bezwingen. Im Laufe der Geschichte konnte sie nur durch freiwillige Übergabe erobert werden.dpa

Durch ihre einzigartige Lage auf dem Felsen war die Festung Hohenneuffen nicht zu bezwingen. Im Laufe der Geschichte konnte sie nur durch freiwillige Übergabe erobert werden.

Schwäbische Alb Tourismusverband e. V. Bad Urach

Baden-Württemberg ist Burgen-Land

Laut dem Burgenarchiv sorgte die unterschiedliche Topografie in Baden-Württemberg im Mittelalter für die Entstehung völlig verschiedener Bauarten, sodass die Region auch die seltensten Typen wie Höhlenburgen oder Felsturmburgen aufweist. Bis heute prägen weite Landschaften, verschlungene Flussläufe, tiefe Schluchten und viele Naturschutzgebiete wie der Schwarzwald oder die Schwäbische Alb das Bild.

Im Mittelalter war die Region in über 50 Grafschaften und Herrschaftsgebiete unterteilt, sodass sich ein bunter Teppich aus Niederadelsburgen bildete. Bis heute haben sich von den über 3000 Burgen mehr als 340 erhalten und lassen sich besichtigen. Im Tal der Donau befindet sich eine der größten Burgendichten Europas. (mit KNA-/dpa-Agenturmaterial)