Im Juni besuchte Benedikt XVI. noch fünf Tage lang seinen im Sterben liegenden Bruder. Nun ist der 93-Jährige schwer erkrankt. Seine letzte Ruhestätte hat er bereits verfügt.
Joseph Ratzinger war am 18. Juni 2020 überraschend in seine alte Heimat Regensburg gereist, um seinen 96 Jahre alten Bruder Georg zu besuchen. Foto: Sven Hoppe/dpa
2. April 2005: Papst Johannes Paul II. ist tot. In einem Gedenkgottesdienst beklagen Katholiken weltweit den Tod des Kirchenoberhaupts. Im Mai soll das Konklave zusammentreten um einen neuen Papst zu wählen.
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Einer der Kandidaten ist ein Kardinal aus Deutschland: Joseph Ratzinger.
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19. April 2005: Habemus papam – das Konklave bestimmt Kardinaldekan Joseph Ratzinger im vierten Wahlgang zum neuen Papst. Er wird der 265. Pontifex und gibt sich den Namen Benedikt XVI., in Erinnerung an den Friedenspapst Benedikt XV..
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„Wir sind Papst“ – Deutschland ist aus dem Häuschen. Eine Welle der Euphorie schwappt durch das Land.
Michael Steinert
13. Mai 2005: Papst Benedikt XVI. leitet die Seligsprechung seines Amtsvorgängers Johannes Paul II. ein.
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August 2005: Der Papst besucht den Weltjugendtag in Köln.
AFP
Rund eine Million Menschen nimmt an dem Gottesdienst teil.
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Januar 2006: Papst Benedikt XVI. präsentiert seine erste Enzyklika. Sie heißt „Deus caritas est“ (Gott ist die Liebe).
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September 2006: Der Papst besucht seine Heimat. Bei seiner Tour durch Bayern jubeln ihm die Menschen zu.
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Während Papst Benedikt XVI. auf dem Islinger Feld eine Messe zelebriert, wird sogar die A 3 in Regensburg gesperrt.
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16. April 2007: Der Papst feiert seinen 80. Geburtstag mit einigen Konzerten im Vatikan. Außerdem erscheint an diesem Tag sein Grundsatzwerk über „Jesus von Nazareth“.
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April 2008: Benedikt XVI. besucht die USA. Dort nimmt er unter anderem an Gesprächen im Weißen Haus teil, hält eine Rede vor den Vereinten Nationen und besucht Ground Zero.
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Juli 2008: Der Papst nimmt am Weltjugendtag in Sydney, Australien, teil.
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Januar 2009: Benedikt XVI. nimmt die Exkommunikation einiger Bischöfe der Piusbruderschaft aus dem Jahr 1988 zurück. Ein Fernsehinterview zeigt fast zeitlich, wie einer dieser Männer den Holocaust leugnet. Daraufhin bricht ein Proteststurm los.
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Zwei Monate später gibt der Papst in einem Brief an die Bischöfe Probleme in der internen Kommunikation zu.
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Mai 2009: Der Papst geht auf Pilgerfahrt ins Heilige Land. Seine Reise nach Jordanien, Israel und in die Palästinensergebiete wird als diplomatischer Erfolg gewertet.
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Frühjahr 2010: Der Skandal über Missbrauchsfälle erschüttert die katholische Kirche und führt zu einer Welle an Kirchenaustritten.
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September 2010: Als erster Papst überhaupt reist Benedikt XVI. nach Schottland und England. Der zuvor heftig kritisierte Aufenthalt wird auch wegen seiner Rede in Westminster Hall doch noch zu einem Erfolg.
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September 2011: Wieder einmal ist der Papst in Deutschland zu Besuch. Er reist nach Berlin und hält eine Rede im Bundestag.
Bundespresseamt/dpa
November 2011: Der Papst gibt bekannt, dass er demnächst unter @Pontifex bei Twitter aktiv sein will.
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Frühjahr 2012: Der Vatikan pocht erneut auf die Annahme der „lehrmäßigen Erklärung“ durch die Pius-Brüder. Die Verhandlungen stecken offenbar in der Sackgasse.
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März 2012: Benedikt reist nach Südamerika. Dort trifft er sich untere anderem mit Fidel Castro.
AP
September 2012: Benedikt XVI. reist trotz Spannungen um ein Mohammed-Schmähvideo in den Libanon. Dort setzt er sich für Religionsfreiheit ein.
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Herbst 2012: Die Vatileaks-Affäre erschüttert den Vatikan. Vertrauliche Dokumente aus dem Umfeld des Papstes sind an die Öffentlichkeit gelangt. Schließlich stellt sich heraus, dass der Kammerdiener des Papstes die geheime Quelle innerhalb der Kirche ist. Im Oktober 2012 wird er zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt.
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11. Februar 2013: Papst Benedikt XVI. kündigt vor Kardinälen in Rom seinen Rücktritt zum 28. Februar an. Er verfüge nicht mehr über die Konstitution, die ein Papst benötige, um seine Aufgaben zu erfüllen. Die Welt ist – gelinde gesagt – verblüfft.
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13. März 2013: Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio wird zum Papst gewählt – er entscheidet sich für den Namen Franziskus.
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Der „Pontifex emeritus“ zieht sich zunächst nach Castel Gandolfo zurück. Inzwischen lebt „Vater Benedikt“, wie er am liebsten genannt werden möchte, zurückgezogen im Kloster Mater im Vatikan.
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Der amtierende und der emeritierte Papst sehen sich regelmäßig. Kritiker werfen Benedikt allerdings vor, sich wie ein „Schattenpapst“ zu verhalten.
Vatican Media
Immer wieder macht Benedikt mit umstrittenen Schriften von sich reden – und bringt den amtierenden Papst in die Bredouille. Benedikt sieht sich als Opfer einer „bösartigen Verzerrung der Wirklichkeit“ und empört sich, man wolle seine „Stimme ausschalten“, wie er seinem Biografen Peter Seewald sagte.
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Doch mit 93 wird der emeritierte Papst immer schwächer. Im Juni 2020 war Benedikt bei seinem schwerkranken Bruder Georg in Regenburg zu Gast, der kurz darauf starb. Es dürfte die letzte größere Reise seiner Heiligkeit gewesen sein.
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Rom - Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist einem Zeitungsbericht zufolge nach seiner Regensburg-Reise zu seinem inzwischen verstorbenen Bruder Georg schwer erkrankt. Der 93-Jährige leide seit seiner Rückkehr nach Rom an einer Gesichtsrose, berichtet die „Passauer Neue Presse“ (Montagsausgabe) unter Berufung auf den Autor Peter Seewald. Dieser habe Benedikt XVI. am Samstag seine Biografie über den emeritierten Papst überreicht.
Die Viruserkrankung sei verbunden mit Schüben von starken Schmerzen, berichtet die Zeitung. Bei dem Treffen mit Seewald habe sich Benedikt XVI. aber trotz der Erkrankung optimistisch gezeigt. So habe er erklärt, womöglich würde er, wenn die Kräfte wieder zunähmen, noch einmal zur Feder greifen.
Seine Stimme ist kaum noch vernehmbar
Laut Seewald ist der emeritierte Papst inzwischen äußerst gebrechlich. Sein Denken und sein Erinnerungsvermögen seien wach, seine Stimme jedoch derzeit kaum vernehmbar. Das bereits verfasste geistliche Testament Benedikts solle nach seinem Tod veröffentlicht werden.
Als seine letzte Ruhestätte verfügte der 93-Jährige den Angaben zufolge das frühere Grab des heiligen Johannes Paul II. in der Krypta von St. Peter. Diesem Vorgänger fühle er sich besonders verbunden. Dessen Sarkophag wird inzwischen in einer Seitenkapelle des Petersdoms verehrt. Benedikt XVI. hatte im Juni fünf Tage lang seinen schwer kranken Bruder Georg Ratzinger in Regensburg besucht. Dieser starb nur wenig später im Alter von 96 Jahren.
Am 28. Februar 2013 war Benedikt XVI. als erster Papst seit mehr als 700 Jahren freiwillig abgetreten. Papst Franziskus hatte am 13. März 2013 sein Amt übernommen. Benedikt lebt seit seinem Rücktritt zurückgezogen im Kloster Mater im Vatikan.
Lesen Sie hier: Brief des emeritierten Papstes – Benedikt XVI. bereitet sich auf den Tod vor