Portugiesische Galeere
: Vorsicht hochgiftig! Quallen-Alarm auf Teneriffa

Am Strand planschen, in der Sonne aalen, ins Meer abtauchen: Das ist Sommerurlaub pur. Wer denkt schon an tödliche Gefahren, die überall im Wasser lauern können - wie jetzt auf Teneriffa.
Von
Markus Brauer
Santa Cruz
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Eine Portugiesische Galeere schwimmt auf dem Atlantik bei der Insel Madeira.

Eine Portugiesische Galeere schwimmt auf dem Atlantik bei der Insel Madeira.

Imago/blickwinkel

Sommer: Sonne, Strand, Ferien. Für viele die schönste Zeit des Jahres. Dass ein Bad in warmen Gewässern, ein Tauchgang oder ein Abstecher am Strand tödlich enden können, daran denkt wohl kaum jemand. Doch überall lauern unbekannte und unsichtbare Gefahren in Gestalt von Tieren, von denen die meisten Touristen nicht den blassesten Schimmer haben. Selbst in Europa.

Portugiesische Galeere vor Teneriffa gesichtet

So sorgt derzeit an beliebten Urlauberstränden Spaniens eine der gefährlichsten Quallen der Welt für Unruhe. An mehreren Stränden der Kanareninsel Teneriffa ist die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) angespült worden, wie „Teneriffa News“ meldet.

Daraufhin sind mehrere Playas gesperrt worden. Ein Schwimmer hatte demnach Kontakt mit einem Tier und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Auch auf Mallorca hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Sichtungen gegeben.

Die äußere Erscheinungsform der Portugiesischen Galeere ähnelt zwar stark einer Qualle, tatsächlich besteht sie jedoch aus einer ganzen Kolonie voneinander abhängiger Polypen.

Die äußere Erscheinungsform der Portugiesischen Galeere ähnelt zwar stark einer Qualle, tatsächlich besteht sie jedoch aus einer ganzen Kolonie voneinander abhängiger Polypen.

Imago/Pond5 Images

Strandbesucher sollen wachsam sein

Wie „Teneriffa News“ weiter berichtet, warnen inzwischen auch die Behörden auf den Kanaren vor Physalia physalis. Mehrere Exemplare sind gesichtet worden. „Strandbesucher sollten äußerst vorsichtig sein oder sogar vorübergehend auf das Schwimmen verzichten“, warnen die Behörden.

Ein Badegast sei bereits verletzt worden „Eine Person hatte am Teresitas-Strand bereits Kontakt mit einer der Seeblasen. Sie musste ins Gesundheitszentrum gebracht und dort wegen der einhergehenden großen Schmerzen behandelt werden.“

Hauptfressfeind ist der Thunfisch

Im Volksmund wird die Portugiesische Galeere als Qualle bezeichnet, gehört aber zu den sogenannten Seeblasen. Die Nesseltiere, die nicht nur im Pazifik, sondern auch vor den Kanaren und rund um Portugal vorkommen, zählen zu den giftigsten Quallen-Arten.

Hauptgründe für das verstärkte Auftreten der Tiere ist – wie bei Quallen allgemein - zum einen die Überfischung der Thunfische, der Temperaturanstieg der Meere sowie größeres Nahrungsangebot durch Überdüngung, was zu verstärktem Algenwachstum führt.

Thunfische zählen zu den wichtigsten natürlichen Fressfeinden von Quallen. Sie verspeisen die gelatinösen Meerestiere und regulieren so deren Population. Umgekehrt profitiert die Qualle stark von der Überfischung der Meere: Der Rückgang von Thunfisch-Beständen führt in vielen Regionen zu einer massiven Zunahme von Quallen.

An den Tentakeln finden sich bis zu 1000 Nesselzellen pro Zentimeter, die ein Giftgemisch aus verschiedenen Proteinen enthalten. Dieses wirkt schon bei Hautkontakt direkt an den Nervenzellen, wo es zu einer Übererregung führt.

An den Tentakeln finden sich bis zu 1000 Nesselzellen pro Zentimeter, die ein Giftgemisch aus verschiedenen Proteinen enthalten. Dieses wirkt schon bei Hautkontakt direkt an den Nervenzellen, wo es zu einer Übererregung führt.

Imago/StockTrek Images

Bis zu 50 Meter langen Tentakeln

Physalia physalis hat intensive Giftfarben in Lila, Blau und Rosa. Berührungen des Weichtiers können für bleibende Narben sorgen und bei Allergikern im Extremfall aufgrund eines allergischen Schocks sogar zum Tod führen. Tückisch sind die bis zu 50 Meter langen Tentakeln. Wer mit ihnen in Berührung kommt, erleidet ebenfalls starke Schmerzen und rote Striemen auf der Haut.

Bei Menschen verursacht die Nesselung starke Schmerzen.

Bei Menschen verursacht die Nesselung starke Schmerzen.

Imago/OceanPhoto

Wie das Gift bei Menschen wirkt

Bei Menschen verursacht die Nesselung starke Schmerzen. Auf der Haut hinterlässt der Kontakt mit den Tentakeln rote Quaddeln, die an einen Peitschenhieb erinnern.

Die Quaddeln verschwinden erst nach zwei oder drei Tagen, der Schmerz lässt nach rund einer Stunde nach. Das Gift kann jedoch auch die Lymphknoten erreichen, wo es noch größere Schmerzen verursacht.

Nahaufnahme eines Portugiesischen Galeere auf einem Felsen am Meer auf den Kapverden.

Nahaufnahme eines Portugiesischen Galeere auf einem Felsen am Meer auf den Kapverden.

Imago/Imagebroker

Im Meer um Mallorca fühlen sich die Nesseltiere wohl

Besonders auf Mallorca und den anderen Baleareninseln mussten wegen der Portugiesischen Galeere in den vergangenen Jahren immer wieder einzelne Strände gesperrt werden. Nach kurzer Zeit verschwanden die Tiere wieder, weil sie das warme Wasser des Mittelmeers nicht vertragen.

Wenn Badegäste und Schwimmer an Stränden solche Exemplare sichten, sollten sie diese den Rettungsschwimmern melden und deren Anweisungen Folge leisten, raten die Behörden. „Sie würden die Lage beobachten und die Strände freigeben, sobald die Portugiesischen Galeeren weitergezogen sind. Strandbesucher können die Rettungsschwimmer jederzeit auf die aktuelle Lage ansprechen“, berichtet „Teneriffa News“.