Post verlangsamt Zustellung
: Warum der Briefkasten häufiger leer bleibt

Der Zusteller ist unterwegs, hält aber nicht an jedem Haus. Dahinter steckt häufig kein Fehler, sondern das neue Zustellsystem der Deutschen Post.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Briefzentrum der Post: ARCHIV - 06.03.2025, Nordrhein-Westfalen, Köln: Der Schriftzug "Deutsche Post" und ein Posthorn ist auf einem LKW vor dem Briefzentrum der Deutschen Post in Köln zu sehen. Die Deutsche Post hat ihre Briefzustellung verlangsamt, nutzt dabei den gesetzlichen Spielraum nicht aus.  (zu dpa: «Warum an manchen Tagen gar keine Briefe im Briefkasten sind») Foto: Henning Kaiser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Deutsche Post hat ihre Briefzustellung verlangsamt.

Henning Kaiser/dpa

Die Deutsche Post hat die Briefzustellung in Deutschland umgestellt. Sendungen werden häufiger gesammelt und an bestimmten Tagen gebündelt ausgeliefert. Dadurch gibt es mehr Tage, an denen einzelne Haushalte überhaupt keine Briefe erhalten.

Hintergrund sind sinkende Briefmengen, neue gesetzliche Vorgaben und der Versuch, die Kosten der Zustellung zu senken.

Leerer Briefkasten ist nicht unbedingt ein Fehler

Die Post arbeitet mittlerweile mit einer sogenannten „A-B-Steuerung“. Im Wochenverlauf gibt es stärkere und schwächere Zustelltage. Welche Tage das sind, kann sich je nach Straße und Zustellbezirk unterscheiden.

An den stärkeren Tagen werden mehrere Briefe für einen Haushalt gemeinsam ausgeliefert. An schwächeren Tagen hält der Zusteller dagegen möglicherweise nicht an jedem Haus.

Noch vor wenigen Jahren wären mehrere vorhandene Briefe möglicherweise an aufeinanderfolgenden Tagen zugestellt worden. Heute können sie zunächst gesammelt und später gemeinsam in den Briefkasten eingeworfen werden.

Deshalb hat die Post ihr System verändert

Die Menge der verschickten Briefe geht seit Jahren zurück. Rechnungen, Verträge und persönliche Nachrichten werden immer häufiger digital übermittelt. Die Zustellung einzelner Briefe wird dadurch vergleichsweise teuer.

Muss ein Zusteller an einem Haus täglich anhalten, um jeweils nur eine Sendung einzuwerfen, entstehen hohe Kosten pro Brief. Werden mehrere Sendungen gebündelt, muss der Zusteller das Grundstück seltener ansteuern.

Für Empfänger bedeutet das: Die Zahl der Briefe im Briefkasten schwankt stärker. An einem Tag können mehrere Sendungen gleichzeitig ankommen, während der Briefkasten an anderen Tagen vollständig leer bleibt.

Mit dem System will die Post nach eigenen Angaben ihre Kosten begrenzen, das Briefporto auf einem vertretbaren Niveau halten und gleichzeitig die gesetzlichen Zustellvorgaben erfüllen.

Ein Briefträger der Deutschen Post verteilt am 30.05.2013 mit Hilfe eines Fahrrads Postsendungen in Hannover (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Ein Briefträger der Deutschen Post verteilt mit Hilfe eines Fahrrads Postsendungen in Hannover (Niedersachsen). (Symbolbild)

Julian Stratenschulte/dpa

Briefe dürfen seit 2025 länger unterwegs sein

Möglich wurde die Umstellung auch durch eine Reform des Postgesetzes. Seit 2025 gelten für die Deutsche Post weniger strenge Zeitvorgaben als zuvor.

Früher mussten mindestens 80 Prozent der Briefe bereits am nächsten Werktag nach dem Einwurf zugestellt sein. Diese Vorgabe wurde als E+1 bezeichnet. Mindestens 95 Prozent mussten am übernächsten Werktag beim Empfänger ankommen.

Seit der Gesetzesänderung gelten andere Fristen: 95 Prozent der Briefe müssen spätestens am dritten Werktag nach dem Einwurf zugestellt sein. 99 Prozent müssen den Empfänger spätestens am vierten Werktag erreichen.

Nach Angaben der Deutschen Post wurden diese Vorgaben 2025 eingehalten. Demnach kamen 97,4 Prozent der Briefe innerhalb von drei Werktagen und 99 Prozent innerhalb von vier Werktagen an.

Die Post nutzt den neuen gesetzlichen Spielraum nach Darstellung von Konzernchef Tobias Meyer allerdings nicht vollständig aus. Die durchschnittliche Laufzeit habe sich seit 2024 lediglich um rund 0,6 Tage verlängert. Mehr als 90 Prozent der Briefe würden weiterhin innerhalb der ersten beiden Werktage zugestellt.

DHL-Chef Tobias Meyer: PRODUKTION - 08.05.2026, Berlin: Tobias Meyer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, aufgenommen bei einem Gespräch mit der dpa. Die Deutsche Post hat ihre Briefzustellung verlangsamt, nutzt dabei den gesetzlichen Spielraum nicht aus.  (zu dpa: «Warum an manchen Tagen gar keine Briefe im Briefkasten sind») Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Tobias Meyer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, aufgenommen bei einem Gespräch mit der dpa.

Michael Kappeler/dpa

Diese Sendungen werden weiterhin täglich ausgeliefert

Die Bündelung betrifft nicht sämtliche Sendungen. Bestimmte Produkte werden weiterhin an jedem Zustelltag ausgetragen.

Dazu gehören unter anderem Einschreiben, Zeitungen, Pakete, Sendungen an Postfächer und bestimmte dringliche Geschäftspost. Auch an einem schwächeren Zustelltag kann daher etwas im Briefkasten liegen.

Der Montag nimmt ebenfalls eine Sonderrolle ein. An diesem Tag werden nach Angaben der Post alle vorhandenen Briefe ausgeliefert. Da Unternehmen am Wochenende jedoch vergleichsweise wenig Werbung und Geschäftspost versenden, bleibt der Montag häufig der Tag mit der geringsten Briefmenge.

Warum einzelne Briefe trotzdem später ankommen können

Besonders anspruchsvoll ist für die Post die Vorgabe, 99 Prozent aller Sendungen spätestens am vierten Werktag zuzustellen. Schon vergleichsweise wenige Problemfälle können dafür sorgen, dass dieser Wert verfehlt wird.

Nach Angaben von Konzernchef Meyer weisen etwa 0,1 bis 0,2 Prozent der Briefe eine fehlerhafte Adresse auf. Solche Sendungen müssen zunächst überprüft werden, damit sie nicht versehentlich an einen falschen Empfänger gehen.

Weitere Verzögerungen können durch unbeschriftete Briefkästen, schlecht zugängliche Gebäude oder vorübergehend gesperrte Verkehrswege entstehen. Auch extreme Wetterlagen wie starke Wintereinbrüche und glatte Straßen können die Zustellung beeinträchtigen.

Was sich für Verbraucher im Alltag ändert

Auf eine tägliche Briefsendung im eigenen Briefkasten sollten sich Verbraucher nicht mehr verlassen. Ein leerer Briefkasten bedeutet aber auch nicht automatisch, dass eine erwartete Sendung verloren gegangen ist oder der Zusteller ein Haus vergessen hat.

Häufig wird der Brief lediglich zusammen mit weiteren Sendungen an einem stärkeren Zustelltag ausgeliefert.

Die Post fasst die Veränderung so zusammen: Es gibt heute mehr Tage ohne Briefe – dafür können an anderen Tagen mehrere Sendungen gleichzeitig im Briefkasten liegen.