Premiere der Stones
: „Höhlenmenschen“ auf der Bühne

Vor 60 Jahren traten die Rolling Stones erstmals in Deutschland auf. In den Medien war von „erbärmlich einfallsloser Musik“ die Rede.
Von
Armin Käfer
Stuttgart
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Schon vor 60 Jahren eine Show: die verbliebenen drei der „Rolling Stones“.

dpa

Die Polizei rechnete mit dem Schlimmsten: Sie hatte sogar einen Wasserwerfer in Stellung gebracht. Mehrere Dutzend Beamte in Zivil sicherten die Bühne. In den ersten zwei Stuhlreihen saßen ausnahmslos Ordnungshüter. Schließlich war „die härteste Band der Welt“ angekündigt, so war vorab in „Bravo“ zu lesen. „Diese Euphorie, die da losging, die war einzigartig“, erinnert sich einer der Polizisten im Saal, „wir kannten ja nur Roy Black und sowas.“

Nach 25 Minuten war alles vorbei

Verglichen mit dem biederen Schlagerstar stand am 11. September 1965 in Münster ein Höllenspektakel auf dem Programm: das erste Deutschland-Konzert der „Rolling Stones“, die damals noch keine Greise, sondern Jünglinge waren. Ihr erster Song in deutschen Hitparaden klang wie ein schlechtes Omen: „This could be the last time“ – das erste könnte auch das letzte Mal gewesen sein. Seitdem gab es hierzulande jedoch mehr als 30 Auftritte. Die Premiere in Münster – ausgerechnet in dieser beschaulichen und seinerzeit eher konservativen Stadt – dauerte nicht mehr als 25 Minuten. Die Stones spielten acht Songs, darunter den erwähnten Hit. Als das Publikum in Rage geriet, verkündete der Polizeipräsident höchstpersönlich: „Die Rolling Stones geben keine Zugabe!“ Vier Tage später zerlegten Fans im Überschwang die Berliner Waldbühne. Bilanz: 87 Verletzte und 400 000 Mark Sachschaden.

„Affenartige Bewegungen“

Das Echo in den bürgerlichen Medien klingt aus heutiger Sicht nach Kulturbanausentum: Eine renommierte Zeitung schrieb von „erbärmlich einfallsloser Musik“ und mokierte sich über Mick Jaggers „affenartige Bewegungen“ . Im Fernsehen war die Rede von „ungewaschenen Höhlenmenschen, die soeben aus der Eiszeit aufgetaucht sind“ Münster, so berichtete die „Wochenschau“ im Kino, wurde „auf den Kopf gestellt und benebelt“.